Impact Investing ist keine reine Liebhaberei

Martin Stötzel, Managing Partner bei Rhein Asset Management / Foto: © Rhein Asset Management

Immer mehr Anleger wollen im Rahmen ihrer Nachhaltigkeitsstrategie den nächsten Schritt gehen und schauen sich Impact Investing näher an. Damit suchen sie Möglichkeiten, neben einer finanziellen auch eine soziale Rendite zu erwirtschaften.

Dass Nachhaltigkeit auch in der Geldanlage längst mehr als ein Modethema ist, ist wohl unbestritten. Denn spätestens mit der Integration der EU-Taxonomie für nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten in die EU-Rechtsvorschriften werden Anlageberater und Vermögensverwalter in Zukunft angehalten sein, im Rahmen des Wertpapierfragebogens mit dem Anleger nicht nur seine Risikoklassifizierung festzulegen, sondern dann auch das Interesse an nachhaltigen Investments. Damit ist eine bessere Beratung zu Nachhaltigkeit bei Geldanlagen vorgesehen.

Kurz gesagt, orientieren sich nachhaltige Geldanlagen an den sogenannten ESG-Faktoren („Environmental, Social & Good Governance“) und entsprechen damit den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung der UNO. Mit Erfolg: Weltweit sind rund 1,5 Billionen Euro nachhaltig angelegt. Doch viele sozial verantwortliche und verantwortungsvolle Investoren wollen einen Schritt weitergehen – und haben daher das Impact Investing für sich entdeckt. „Immer mehr Anleger legen darauf Wert, nicht nur eine finanzielle Rendite zu erwirtschaften, sondern mit ihrer Investition auch Gutes für Umwelt und Gesellschaft zu tun. Impact Investing ist eine Anlagemöglichkeit, mit der sich neben einer finanziellen auch eine soziale Rendite erwirtschaften lässt“, heißt es beispielsweise bei der LGT Bank AG.
Laut dem Global Impact Investor Survey des Global Impact Investing Networks (GIIN) waren im Jahr 2018 bereits 228 Milliarden Dollar in Impact Investments angelegt, Tendenz steigend. Den tatsächlichen Markt für Impact Investing schätzt GIIN mittlerweile auf 502 Milliarden Dollar weltweit. Diese werden laut der Schweizer „Handelszeitung“ etwa zur Hälfte von institutionellen Investoren wie Pensionskassen und Versicherungen angelegt, rund ein Viertel sind Banken und etwa 15 Prozent sehr vermögende Privatkunden.
Beim Impact Investing als weiterer Teilbereich des Alternativen Investments geht es vor allem um die Finanzierung von Sozialunternehmen, die gesellschaftliche Missstände mithilfe unternehmerischer Ansätze lösen. Dadurch entscheidet sich das Impact Investing auch von anderen Nachhaltigkeitsstrategien, die sich eher auf Unternehmen konzentrieren, die sich Nachhaltigkeitskriterien unterworfen haben. Ein Beispiel dafür: Das indische Unternehmen AYE Finance hat rund zehn Millionen US-Dollar erhalten, um damit Kredite für Kleinst- und Kleinunternehmen außerhalb des Bankensektors zur Verfügung zu stellen. Mit diesen Krediten werden Unternehmen gefördert, die vor allem geringqualifizierten Arbeitnehmern in Landwirtschaft, Produktion und Dienstleistung eine Perspektive bieten. Dieses Mikrofinanzprojekt ist typisch für Impact Investing.

Dass Impact Investing keine reine Liebhaberei ist, bei der Anleger im besten Falle mit einer schwarzen Null herausgehen, zeigt ein Blick in die Praxis. So hat ein bereit 1999 aufgelegter Mikrofinanz-Fond (übrigens laut Medienberichten der erste seiner Art) des Genfer Vermögensverwalters Blue Orchard eine jährliche Rendite von vier Prozent verdient. Dazu kommt eben die soziale Rendite (Social Return on Investment, SROI), die sich mit der Bewertung des gesellschaftlichen Mehrwerts durch (soziale) Projekte beschäftigt.

Zu den typischen Impact-Finanzprodukten für Privatanleger und auch professionelle Kunden gehören vor allem Mikrofinanzfonds, Offene Impact-Fonds, Social Impact-Fonds, Beteiligungen und Green Bonds. Wichtig bei allen Angeboten: Anleger sollten sich zunächst einmal anschauen, wer ihn managt und nach welchen Kriterien dies geschieht. Unter dem Gesichtspunkt der Risikostreuung ist es ebenso empfehlenswert, nur einen kleinen Teil des Vermögens für Impact Investments einzusetzen – wie generell bei Alternatives üblich, zwischen fünf bis zehn Prozent.

Kolumne von Dr. Martin Stötzel,
Managing Partner bei der unabhängigen Vermögensverwaltung Rhein Asset Management (Luxemburg und Düsseldorf)