Immobilienverwalter wollen Vergütungen erhöhen

Martin Kaßler

Die Mehrheit der Immobilienverwaltungen will in 2016 ihre Vergütung erhöhen. Das ist ein Ergebnis des 4. DDIV-Branchenbarometers, das der Dachverband Deutscher Immobilienverwalter e. V. (DDIV) unter Haus- und Immobilienverwaltungen bundesweit durchgeführt hat.

(fw/rm) Der Dachverband Deutscher Immobilienverwalter (DDIV) führte bereits zum 4. Mal eine umfassende Branchenanalyse in Form einer bundesweiten Umfrage durch. Dabei wurde die Entwicklung des Wirtschaftszweiges „Immobilienverwaltung“ im Vergleich zu den Vorjahren untersucht. Neben den Umsatz und Gewinnaussichten wurden bei der Befragung unter anderem Veränderungen in den Vergütungsstrukturen und die Mitarbeiterentwicklung abgefragt. Darüber hinaus ermöglicht das Branchenbarometer Aussagen zu aktuellen Themen, wie die Begleitung energetischer Sanierungen und altersgerechter Umbauten in Weg. Der Fragebogen wurde von Dezember 2015 bis Februar 2016 online und postalisch an Immobilienverwaltungen in ganz Deutschland versandt und über verschiedene Medienkanäle beworben. Die vollständigen Umfrageergebnisse von 478 Unternehmen liegen der Auswertung zugrunde. Insgesamt nahmen 493 Unternehmen an der Umfrage teil. Die Ergebnisse zeigen, dass die Branche der Immobilienverwalter einen Konzentrationsprozess durchläuft. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der verwalteten Einheiten deutlich gestiegen: War damals eine Verwaltung im Durchschnitt noch mit 1.084 WEG-Einheiten befasst, so sind es jetzt 1.489. Besonders häufig bauten mittlere und größere Verwaltungen ihren Verwaltungsbestand aus, während Kleinstverwaltungen häufiger einen Verlust an betreuten WEG-Einheiten vermeldeten. Diese Zahlen lassen einen Trend zur Professionalisierung erkennen: Da die Anforderungen an die Verwalter stetig steigen, bemühen sich Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) verstärkt um professionelle Verwaltungen. Wachstumsmöglichkeiten ergeben sich auch durch Unternehmensübernahmen. Potenzial darin sehen vor allem große Verwaltungen. Noch aber ist die Branche kleinteilig und regional geprägt. Entsprechend steht die regionale Ausrichtung im Vordergrund; nur 4 Prozent der Verwaltungen sind in drei oder mehr Bundesländern tätig. WEG müssen sich auf weiter steigende Vergütungen einstellen. 2015 haben 70 Prozent der befragten Unternehmen ihre Vergütungssätze erhöht, und zwar im Schnitt um 5,9 Prozent. Für das laufende Jahr streben 73,8 Prozent eine weitere Erhöhung der Grundvergütung bei Verwaltungseinheiten im Bestand an, und zwar um durchschnittlich 5,2 Prozent. Mit steigenden Preisen rechnen müssen insbesondere kleine WEG. Sie müssen bereits jetzt zwischen 33 und 62 Euro je Einheit und Monat bezahlen und damit rund doppelt so viel wie größere WEG. „Die Anforderungen an die Immobilienverwalter werden immer umfangreicher“, kommentiert DDIV-Geschäftsführer Martin Kaßler das Ergebnis des Branchenbarometers. „Die Qualität der Dienstleistung muss sich auch in der Vergütungsstruktur widerspiegeln. Deshalb ist eine maßvolle Erhöhung der Vergütungen unumgänglich.“ Kaßler verweist darauf, dass die Immobilienverwaltung ein komplexes Tätigkeitsfeld darstellt, das sowohl kaufmännische als auch technische und rechtliche Fachkenntnisse erfordert. Bereits heute müssen Immobilienverwalter über 50 Gesetze und Verordnungen kennen und anwenden. Gleichzeitig kommen immer neue Aufgaben hinzu – beispielsweise durch das 2015 in Kraft getretene Bundesmeldegesetz und die in vielen Bundesländern geltende Rauchwarnmelderpflicht. Die Hürden für die energetische Sanierung sind dem Branchenbarometer zufolge vielfältig. Am häufigsten als Hemmnisse genannt wurden finanzielle Gründe (64,2 Prozent), gefolgt von Zweifeln an der Wirtschaftlichkeit der Maßnahmen (53,2 Prozent) und der Unsicherheit, ob die Maßnahmen sinnvoll sind (22,5 Prozent). Daraus folgt: WEG bleiben bei der energetischen Sanierung deutlich hinter großen Wohnungsunternehmen und -genossenschaften zurück. Während 2014 erst 62 Prozent der Unternehmen einen Fachkräftemangel befürchteten, so ist dieser Anteil im jüngsten Branchenbarometer auf nahezu 80 Prozent gestiegen. 79,4 Prozent rechnen damit, 2016 den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr steigern zu können. Lediglich 5 Prozent befürchten einen Umsatzrückgang. 73,2 Prozent der Verwaltungen rechnen mit einer Gewinnsteigerung, das sind rund 8 Prozentpunkte mehr als bei der vorangegangenen Befragung. Ein weiteres Geschäftsfeld eröffnet sich für Verwaltungsunternehmen als Folge des 2015 eingeführten Bestellerprinzips. Seit in aller Regel die Vermieter die Provision übernehmen müssen, nehmen viele davon Abstand, einen Makler mit der Vermietung zu beauftragen. Verwaltungen können diese Dienstleistung oft günstiger erbringen. So erklärt es sich, dass 55,7 Prozent Prozent der befragten Unternehmen angeben, seit Einführung des Bestellerprinzips zusätzliche Einnahmen durch Wohnungsvermittlung generiert zu haben.