IMK: Rezessionsrisiko unverändert

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Die Wahrscheinlichkeit, dass die deutsche Wirtschaft in nächster Zeit in eine Rezession gerät, ist während der vergangenen Wochen nicht weiter gestiegen. Wichtigster Grund hierfür ist die Beruhigung an den Aktienmärkten sowie das Abschmelzen der Zinsdifferenz zwischen deutschen Unternehmens- und Staatsanleihen.

(fw/rm) Das signalisiert der Konjunkturindikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. Für den Zeitraum von August bis Ende Oktober 2016 weist der IMK-Indikator, der die wichtigsten Informationen über die aktuelle Wirtschaftslage bündelt, eine mittlere Rezessionswahrscheinlichkeit von 20,9 Prozent aus. Im Juli war das Rezessionsrisiko mit 21 Prozent nur minimal höher. Das nach dem Ampelsystem arbeitende Frühwarninstrument bleibt damit weiterhin im „grünen Bereich“ (keine Rezessionsgefahr bei Werten unter 30 Prozent), allerdings relativ nah an der „gelben“ Stufe. „Rückläufige Auftragseingänge aus dem Ausland sowie der gesunkene ifo-Geschäftsklimaindex sorgen dafür, dass sich kein spürbarer Rückgang der Rezessionswahrscheinlichkeit einstellt“, erläutert IMK-Ökonom Dr. Thomas Theobald. Die Verringerung der Zinsdifferenz zwischen deutschen Unternehmens- und Staatsanleihen hingegen interpretiere der IMK-Konjunkturindikator als eine Verbesserung der Finanzierungsbedingungen. Denn die Europäische Zentralbank kaufe vermehrt Unternehmensanleihen auf. „Das mag dazu beitragen, die negativen Folgen der Brexit-Entscheidung zumindest für Deutschland aufzufangen“, so Theobald. Gleichwohl sei die Entwicklung im Vereinigten Königreich weiter eine Quelle konjunktureller Unsicherheit. Die jüngste Zinssenkung der Bank of England deute auf eine Eintrübung der dortigen Konjunktur, was auch das Wachstum in Deutschland nach wie vor dämpfen könnte. Aus den aktuellen Zahlen ergebe sich jedoch kein Korrekturbedarf an der IMK-Prognose vom Juli dieses Jahres. Darin erwarten die Wirtschaftsforscher ein Wachstum von 1,3 Prozent im kommenden Jahr. Das IMK plädiert dafür, dass Deutschland und die anderen Euro-Länder vermehrt in die öffentliche Infrastruktur investieren. Das könne auch den Unternehmensinvestitionen dringend benötigte Impulse geben. In den IMK-Konjunkturindikator fließen zahlreiche Daten aus der Real- und der Finanzwirtschaft ein. Darüber hinaus berücksichtigt das Instrument Stimmungsindikatoren. Das IMK nutzt dabei die Industrieproduktion als Referenzwert für eine Rezession, weil diese rascher auf einen Nachfrageeinbruch reagiert als das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Das Frühwarnsystem signalisiert eine Rezession, wenn die Industrieproduktion über fünf Monate um mindestens ein Prozent schrumpft. www.boeckler.de