Ideologie Pur?

Stefan Sommerer / Foto: ©VEMA

Der Kunde bzw. Verbraucher steht – betrachtet man ihn quer durch alle Branchen – oft alleine auf verlorenem Posten, wie es scheint. Die Medien zeigen uns in allen (un-)vorstellbaren Formaten, was „da draußen“ Tag für Tag passiert. Wer ein Haus baut, muss davon ausgehen, dass ab dem ersten Stein nur gepfuscht wird – und am Ende geht mindestens eine beteiligte Handwerksfirma pleite und die geleisteten Anzahlungen sind futsch. Wer online etwas bestellt, darf froh sein, wenn er wenigstens die leere Verpackung bekommt und ohne Anwalt kommt er niemals zu seinem Recht. Und natürlich auch Versicherungen und speziell alle, die sie an den Mann und die Frau bringen, sind mit gehöriger Vorsicht zu betrachten. Die wollen – auch das ist landläufig bekannt – alle nur Geld verdienen: Die guten Provisionen…! Die machen die Produkte ja erst teuer… Insgesamt wird der Kunde so medial seit vielen Jahren permanent damit berieselt, dass Geiz geil sei, man deshalb keinesfalls zu viel bezahlen darf und niemandem vertrauen könne.

Mit diesem Hintergrund ist es gut nachvollziehbar, dass der einzelne Kunde nur zu gerne Rat und Empfehlungen bei Gruppen einholt, die sich dem Schutz des Verbrauchers in bestimmten Bereichen verpflichtet haben. Speziell in der Versicherungsbranche herrscht große Unsicherheit beim Kunden, da er die Bedingungen selten liest und noch seltener versteht, von Generation zu Generation viel Halbwissen weitergegeben wird und das Internet primär Werbung liefert, wenn man Versicherungswissen sucht. Auf einen Fachmann wie etwa einen Versicherungsmakler zugehen? Siehe oben: Denen ist nicht zu vertrauen! An wen wendet man sich also? Wie wäre es denn z. B. mit dem Bund der Versicherten? Die treten laut ihrer Homepage bereits seit 1982 als einzige Organisation in Deutschland vollkommen unabhängig für die Rechte der Versicherten ein – und in der Zeitung sind sie auch oft.

Dass einem Kunden bei Problemen geholfen oder auch eine grobe Orientierung geboten wird, ist für sich eine gute Sache. Allerdings empfiehlt man dort auch konkrete Versicherungsprodukte. Als Versicherungsmakler darf man da hellhörig werden, weiß man ja darum, wie schwer es sein kann, aus dem Meer an möglichen Tarifen den besten auszumachen – zumindest für die Anliegen eines konkreten Kunden. Dafür muss man sich mit den Bedingungen auseinandersetzen, vergleichen und überlegen, welche Schäden und Probleme in der Realität auf einen Kunden zukommen können. Erst dann kann man seine Entscheidung treffen – und diese wird sicher nicht bei jedem Kunden identisch ausfallen.

Nehmen wir die Fotovoltaikversicherung als Beispiel. Wie werden innere Betriebsschäden an den Wechselrichtern berücksichtigt? Was wird erstattet, wenn ein Ersatzteil nicht mehr bezogen werden kann, weil z. B. – wie in dieser Branche so oft der Fall – die Herstellerfirma pleite ging? Findet der Technologiefortschritt Berücksichtigung in den Bedingungen? Nur drei Fragen, die man sich stellen sollte, damit der Kunde langfristig gut versichert werden kann und keine bösen Überraschungen drohen.

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