HSBC: Einschätzung zur Entwicklung an den Renminbi-Märkten

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Hon Yu Fung, Fondsmanager des im Oktober aufgelegten HSBC GIF RMB Fixed Income Fonds, geht in einem aktuellen Marktkommentar auf die Entwicklung des Renminbi ein.

F: Wie ist der im Oktober neu aufgelegte HSBC GIF RMB Fixed Income Fonds zurzeit positioniert?

A: Wir befinden uns noch in der Aufbauphase und konzentrieren uns darauf, zunächst ein qualitativ hochwertiges Portfolio zu erstellen. Mit der Zeit, wenn das Portfolio reift und wir 50 bis 60 Titel halten, wird es diversifizierter und facettenreicher sein. Momentan schätzen wir das Risiko höher verzinslicher Anleihen mit niedrigerer Bonität noch als unpassend ein. Erst zu einem späteren Zeitpunkt werden wir wahrscheinlich auch Hochzinsanleihen hinzukaufen. Neben unserem konservativen Kreditansatz sind wir ebenfalls vorsichtig bei der Duration, die aktuell kürzer als ein Jahr ist (Stand: Ende November 2011). Zusammengefasst zeichnet sich unser Portfolio im Vergleich zu anderen Fonds der Anlagekategorie durch eine kürzere Duration und eine höhere Kreditqualität aus.

F: Welches Verhältnis zwischen Anleihen und Liquidität strebt der Fonds an?

A: Nach unseren aktuellen Anlagerichtlinien halten wir mindestens 20 Prozent Liquidität. Dazu zählen Einlagen, Geldmarktinstrumente und/oder staatliche Titel. Unser Ziel ist es, durchgehend eine hohe Liquidität beizubehalten. Das restliche Volumen (Ziel: 80 Prozent) investieren wir in länger laufende Wertpapiere. Wie bereits erwähnt, konzentrieren wir uns dabei zurzeit auf Emittenten mit hoher Bonität.

F: Wie hoch sind die aktuellen Renditen im Offshore-Markt in Hongkong (CNH-Markt) im Vergleich zu Renminbi-Anleihen in Festlandchina (CNY-Markt)?

A: Bis September lagen die Renditen im CNH-Anleihenmarkt für zwei- bis dreijährige Papiere bei rund 1,5 Prozent. Im September haben die Kurse korrigiert und die Renditen sind auf etwa zwei Prozent gestiegen. Dabei sind der Offshore- und Onshore-Markt recht unterschiedlich aufgebaut. Im Festland dominieren die staatlichen und quasi-staatlichen Emittenten. Hier gibt nur wenige ausländische Emittenten. Im Vergleich dazu ist der CNH-Markt in Hongkong offener und bietet Anleihen von chinesischen und internationalen Emittenten. Üblicherweise sind die Anleiherenditen im Onshore-Markt durchschnittlich ein bis anderthalb Prozent höher. Dies ist davon abhängig, wo sich die Papiere auf der Zinskurve befinden. Der Abstand hat sich bereits verringert und wird mit der Zeit verschwinden, wenn sich die Märkte weiter annähern. Aktuell bietet eine einjährige Staatsanleihe im Onshore-Markt eine Rendite von 2,3 Prozent; im CNH-Markt liegt sie bei etwa einem Prozent.

F: Gibt es neue Emissionen am CNH-Markt? Wie sehen Sie den Markt im Vergleich zum Hongkong-Dollar-Markt oder zum Markt in Singapur?

A: Es wird praktisch jeden Tag eine neue Emission im CNH-Anleihemarkt angekündigt. Die Anleihen stammen vor allem von in China ansässigen und internationalen Unternehmen. Vor kurzem erst wurde eine große neue Anleihe des chinesischen Stahlproduzenten Baosteel in drei Tranchen mit einem Wert von umgerechnet 500 Millionen US-Dollar gut vom Markt angenommen. Der multinationale Konzern América Movil aus Lateinamerika hat zudem eine erste Neuemission angekündigt. Die Situation im Sekundärmarkt ist erstaunlich gut. Zu jeder Emission gibt es Zugang über mehrere “Marktmacher” wie Banken oder Broker, den so genannten Market Maker. Insgesamt ist im CNHUnternehmensanleihenmarkt die Zahl der Emissionen und auch die Liquidität (durch mehr Market Maker) höher als in vergleichbaren Märkten der Region, wie beispielsweise dem Markt für Hongkong-Dollar oder in Singapur.

F: Wie funktioniert die Kreditanalyse? Bewerten Teams in Asien jeden einzelnen Emittenten am CNH-Markt?

A: Der Fondsmanager überprüft zwar die Kreditqualität der Emittenten, bevor er investiert, sein Fokus liegt jedoch auf der Bewertung der Anleihe. Bei der Bonitätsanalyse vertraut er vor allem auf die hauseigene globale Bewertungsplattform von HSBC Global Asset Management. Diese unterteilt die Welt in die vier Regionen Europa, Südamerika, Nordamerika und Asien. Emittenten wie Unilever oder BMW sind dabei von der Bewertung des europäischen HSBC-Teams abhängig, egal in welcher Währung sie ihre Anleihe emittieren. Die Teams in Asien verantworten die Bonitätseinschätzung der asiatischen Emittenten. Diese Struktur verschafft unseren Anlageteams auf der ganzen Welt einen Wettbewerbsvorsprung.

F: Mit dem Fonds setzen Anleger hauptsächlich auf eine Aufwertung des Renminbi. Wie hat sich die Währung in letzter Zeit diesbezüglich entwickelt?

A: Seit der zweiten Aufwertung des Renminbi durch die chinesische Zentralbank im Juni 2010 ist die chinesische Währung gegenüber dem US-Dollar bis Anfang August 2011 um mehr als sechs Prozent gestiegen. Seitdem hat der Anstieg etwas an Fahrt verloren. Diese Entwicklung hängt sehr wahrscheinlich mit den zunehmenden globalen Risiken zusammen, die sich aus der US-Staatsverschuldung und den widersprüchlichen Signalen und Meldungen aus Europa zur Euroraum-Krise ergeben. Zwischen beiden Renminbi-Währungsmärkten ist es zeitweise zu Abweichungen gekommen. Der im Hongkong-Markt (CNH) gehandelte Renminbi hat sich gegenüber dem US-Dollar schwächer entwickelt als der Renminbi in Festlandchina (CNY). Die beiden Märkte werden von unterschiedlichen Faktoren gesteuert: Der Inlandsmarkt profitiert von amtlichen Notierungen, die die Währungsentwicklung bestimmen. Der Markt in Hongkong reagiert hingegen stärker auf technische Faktoren, Angebot und Nachfrage sowie die globale Marktlage. Zudem ist der Renminbi-Handel außerhalb des Festlands noch sehr jung. Ihn gibt es erst seit Ende 2010. Unter normalen Marktbedingungen treibt die Erwartung auf eine Aufwertung der chinesischen Währung die Nachfrage nach Renminbi-Anleihen in Hongkong. Daher liegt der USD-CNHKurs normalerweise unter dem USD-CNY-Kurs. Wir halten jede gegensätzliche Entwicklung für vorübergehend. Sie würde aus unserer Sicht weitgehend aus der globalen Risikoabneigung resultieren, die zu einer verstärkten Nachfrage nach Liquidität in US-Dollar führt.

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