Homo-Oeconomicus oder Homer-Simpson?

Jörg Weitz (li) und Ralf China (re) / Foto: © 3FACH ANDERS / Ralf China

Wenn nun also das Modell vom „Homo oeconomicus“ ein Zombie ist, könnten wir genau das Gegenteil für richtig halten: dass nämlich Menschen rein emotional entscheiden und der Verstand nichts zu melden hat. Homer Simpson wäre als Prototyp dieses Menschen zu betrachten. Er ist quasi die Gegenthese zum „Homo oeconomicus“: Er weiß wenig, widerspricht sich andauernd und lässt sich ganz generell eher von seinem Bierdurst als von seinem Verstand leiten.

Verfolgt man die aktuellen Publikationen und Kongressbeiträge aus der Hirn- und Verhaltensforschung, könnte man den Eindruck bekommen, der Mensch handle statt rational (wie im Modell „Homo oeconomicus“ angenommen) fast ausschließlich emotional und Vernunft habe nicht viel zu melden.

„Was wir auch entscheiden, immer beeinflussen Emotionen unser Denken und unser Handeln‘, sagt Professor Christian Büchel vom Institut für systemische Neurowissenschaften am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE). Die nüchterne, rationale Entscheidung sei eine Fata Morgana. Das sähen inzwischen sogar die Ökonomen ein, die immer häufiger die Neurowissenschaftler um Rat fragten, um ihre Strategien dem menschlichen Gehirn entsprechend zu verfeinern.“

Das alte Modell vom sich stets rational verhaltenden Menschen steht also in der Kritik. Aber so verlockend die These „alles emotional“ auch klingt, sie ist in ihrer Ausschließlichkeit leider ebenso falsch wie das Modell des „Homo oeconomicus“.

Derartige Vereinfachungen entsprechen nicht dem aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisstand. Statt eines „Entweder – oder“ zeichnet sich nämlich ein klares „Sowohl – als auch“ ab. Diese Betrachtung hilft enorm, um die wirklichen Triebkräfte für unser Denken und Handeln zu verstehen und die verschiedenen Erklärungsmodelle differenziert einzuordnen:

  • Ja, bei jedem Menschen spielen Emotionen eine Rolle, aber unterschiedlich stark!
  • Ja, jeder Mensch kann rational denken und handeln, aber unterschiedlich stark!
  • Und nein, das ist noch nicht alles, denn der Mensch ist auch ein soziales Wesen, weshalb neben Emotion und Ratio auch Gefühle eine wichtige Rolle spielen.

Emotionen, Gefühle und Ratio sind essenziell und bei jedem von uns vorhanden, aber eben nicht in gleicher Ausprägung. Deshalb verhalten wir uns nicht nur rational oder emotional, deswegen lassen wir uns nicht nur von Gefühlen leiten. Stattdessen ist es das Verhältnis dieser drei Komponenten zueinander, das unsere individuellen Eigenarten, unsere Persönlichkeit maßgeblich bestimmt.

In der Kolumne von Jörg Weitz und Ralf China dreht sich alles um den dauerhaften Erfolg von Beratern und Vermittlern. Dabei bilden die kölnische Frohnatur Jörg Weitz,  selbst jahrelang in der Finanzberatung aktiv und ein echter Menschenflüsterer und der zugezogene Nordhesse Ralf China, der sich eher durch eine protestantische Arbeitsethik auszeichnet und mehrere Jahre als Unternehmensberater aktiv war, ein spannendes Gespann. Im Mittelpunkt stehen hier An- und Einsichten jenseits der gängigen Patentrezepte.

Der Text ist ein Auszug aus dem Buch: „Sei du selbst, sonst geht’s dir dreckig! warum Erfolg nicht mit Patentrezepten, sondern nur individuell machbar ist“ von Ralf China und Juergen Schoemen.