Henderson: Sinnkrise bei Unternehmensanleihen?

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Wenn es um Unternehmensanleihen ging, so galten diese bislang stets als hässliches Entlein verglichen mit dem Börsenliebling Aktie: Was waren schon langweilige Beständigkeit gegen spektakuläres Auf und Ab, fester Zinskupon gegen flexible Dividende, kaum spürbare Bewegungen von fünf Basispunkten gegen Kurssprünge von fünf Prozent und mehr. Dies stellt Henderson Global Investors in einem aktuellen Marktkommentar zur Diskussion.

(fw/ah) “Die Ereignisse von 2008 und die Lehman-Pleite aber haben all das Makulatur werden lassen und die Anlageklasse aus wenig schmeichelhaften Gründen auf den Radarschirm der Marktteilnehmer katapultiert. Das Erbe dieser Tage ist nicht zu unterschätzen und hat eine Entwicklung losgetreten, die sich wohl kaum umkehren lässt. Heftige Ausschläge bei den Anleihekursen sind keine Seltenheit mehr, sondern werden künftig wohl die Regel sein. Anleihen von Finanzinstituten etwa wurden einer so massiven Neubewertung unterzogen, dass es in der einst vergleichsweise sicheren Anlageklasse zunächst einem Blutbad gleichkam. Anschließend mutierten Finanzanleihen zu Instrumenten, mit denen man Risikopositionen aufstockte, sobald das Finanzsystem das Schlimmste überstanden hatte. Ein Sprung ins Hier und Jetzt zeigt: Wenig hat sich in puncto Volatilität geändert. Im Fahrwasser der Finanz- und konsumbefeuerten Kreditkrise lässt sich nun die gleiche Entwicklung in überschuldeten Ländern beobachten, allen voran in Südeuropa. Inzwischen haben wir “Kreditklemme die Zweite”, und der routinierte Anleger versucht, anhand der Erfahrungen aus der ersten Folge die Verlustrisiken in den Griff zu bekommen und hier und da eine Rendite zu erwirtschaften. Interessanterweise und ungeachtet der jüngsten Schwankungen entwickeln sich Unternehmensanleihen wegen der extrem niedrigen Renditen aus Staatsanleihen nun langsam aber sicher zu einer Anlageklasse, um die Anleger nicht mehr herumkommen. Die “Flucht in Qualität” und eine lockere Geldpolitik haben dazu geführt, dass “risikolose” Staatsanleihen, mit denen sich Unternehmensanleihen messen und gegenüber denen sie einen Abschlag hinnehmen müssen, inzwischen kaum noch eine Rendite bieten. Damit aber haben sie viel von ihrem Reiz verloren. Anleger brauchen indes eine auskömmliche Anlage als Gegenpol zu ihrem Engagement in Aktien. Das alles scheint logisch und auf der Hand zu liegen. Aber während wir uns an die Schwankungen gewöhnt haben, macht uns die neue Komplexität des Marktumfelds noch ordentlich zu schaffen. Hatte man früher schon mit der Vielschichtigkeit gehadert – wobei mittlerweile jeder, angefangen von der Boulevardpresse bis hin zu den Zentralbanken, darum bemüht ist, die vielen Abkürzungen strukturierter Festzinsprodukte zu verstehen und zu erklären -, so fällt es heute noch schwerer, sich einen Weg durch das Dickicht der vielen großen Themen zu bahnen.”

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