Helvetia verdient eine halbe Milliarde

04.09.2016

Die Schweizer haben die Assekuranz nicht erfunden, beherrschen aber das Geschäft auf den Punkt © artfocus - Fotolia.com

Die Helvetia steht wie ein Schweizer Fels in der Brandung europäischer Niedrigzins-Politik. Die Gruppe verdiente über eine halbe Milliarde und hat mit 9,4 Prozent eine solide Eigenkapital-Rendite.

2016-09-05 (fw/db) Die Schweizer Helvetia Gruppe überzeugt bereits im ersten Halbjahr 2016 mit einem Plus von 7,9 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2015  und dem soliden Ergebnis aus Geschäftstätigkeit nach Steuern von 238,3 Millionen Schweizer Franken. Das IFRS-Ergebnis von 186,1 Millionen Schweizer Franken lag sogar zu 15 Prozent über dem Ergebnis der Vergleichsperiode. Das Ergebnis in der Lebensversicherung stieg um 4,2 Prozent auf 88,4 Millionen Franken im Vergleich zur Vorjahresperiode. Der Anstieg resultierte aus einem besseren Zinsergebnis, das von der Senkung des Mindestzinses im Schweizer Kollektiv-Lebensgeschäft profitiert. Der Geschäftsbereich Nicht-Leben zeigte eine positive versicherungstechnische Entwicklung, während das Kapitalanlageresultat rückläufig war. So sank das Nicht-Lebensergebnis im ersten Halbjahr 2016 um 4,5 Prozent auf 151,1 Millionen Schweizer Franken. Aufgrund bereits realisierter Synergien im Zuge der Integration von Nationale Suisse und Basler Österreich gelang es, den Kostensatz deutlich zu reduzieren. Die Netto Combined Ratio verringerte sich von 92.4 Prozent im Vorjahr auf 91.9 Prozent. Nach Segmenten stieg das Ergebnis aus Geschäftstätigkeit im Heimmarkt Schweiz um 2,2 Prozent auf 172,7 Millionen Schweizer Franken. In Europa sank das Resultat im Vorjahresvergleich von 53,6 auf 52.9 Millionen Schweizer Franken, während im Segment Specialty Markets das Ergebnis aus Geschäftstätigkeit von 20,1 auf 14,1 Millionen Schweizer Franken zurückging.

Geschäftsvolumen weiter gewachsen

Im ersten Halbjahr 2016 erzielte Helvetia ein um 3,4 Prozent höheres Geschäftsvolumen auf Gruppenebene in Höhe von 5.544 Millionen Schweizer Franken. Im Lebensgeschäft erwirtschaftete Helvetia währungsbereinigt ein um 5.3 Prozent höheres Geschäftsvolumen. Einer der Treiber war der Absatz anteilgebundener Lebensversicherungsprodukte, der um 8.4 Prozent zulegte. Im Nicht-Lebensgeschäft erhöhten sich die Prämien trotz Portfolio-Optimierungen in einzelnen Ländern insgesamt um ein Prozent, jeweils in Originalwährung.

Kapitalanlage-Ertrag von über 500 Millionen

Der laufende Ertrag aus den Kapitalanlagen der Gruppe belief sich auf etwas über eine halbe Milliarde Schweizer Franken (523,3 Millionen). Die direkte Anlagerendite lag konstant bei 2,3 Prozent.

Unverändert solide Kapitalposition

Helvetia verfügt unverändert über eine solide Kapitalposition. Die SST-Quote lag per Ende 2015 in der Bandbreite von 150 bis 200 Prozent. Das Eigenkapital stieg im ersten Halbjahr 2016 4.655,3 auf  4.842,7 Millionen Schweizer Franken. Die annualisierte Eigenkapitalrendite auf Basis des Ergebnisses aus Geschäftstätigkeit beträgt 9.4 Prozent.

Integration läuft über realisierte Synergien

Die operative Integration von Nationale Suisse und Basler Österreich ist bereits zu weiten Teilen abgeschlossen. Neben wenigen Migrationen von Datenbeständen stehen noch die Fusionen der Lebensversicherer in Italien aus, die bis Anfang 2017 erfolgen werden. In Deutschland liegt die Zustimmung der Aufsichtsbehörde für die Verschmelzung der operativen Einheiten vor. Die erfolgreich verlaufenden Integrationsarbeiten spiegeln sich auch in der Synergiezielerreichung wider: Im Halbjahresergebnis sind Synergien vor Steuern in Höhe von 51,4 Millionen Schweizer Franken enthalten. Diese entfallen zu 39,7 Millionen Schweizer Franken auf Einsparungen bei den Personalkosten, hauptsächlich aufgrund natürlicher Fluktuation, und zu 11,7 Millionen Schweizer Franken auf sonstige Kostenreduktionen.

Neue Konzernstruktur

Die Versicherungsgruppe hat im März 2016 die Strategie helvetia 20.20 lanciert. CEO Philipp Gmür unterstreicht in St. Gallen: „Wir verfolgen die mit helvetia 20.20 eingeschlagene Richtung konsequent weiter. Über die nächsten fünf Jahre wollen wir agiler, kundenzentrierter und innovativer werden und die Chancen rund um die Digitalisierung nutzen.“ Um die Strategie in diesem Sinne effizient umzusetzen, wird Helvetia per 1. Januar 2017 als grundlegenden Schritt eine neue Konzernstruktur etablieren. „Helvetia erhält eine integrierte Konzernstruktur mit klar fokussierten Bereichsaufgaben. Nach der erfolgreichen Integration von Nationale Suisse und Basler Österreich können wir damit die Zusammenarbeit im Unternehmen weiter intensivieren und uns gleichzeitig stärker auf den Markt und unsere Kunden konzentrieren“, so Helvetia-CEO Gmür. Zu den wie bis anhin bestehenden Marktbereichen Europa und Specialty Markets wird die Konzernleitung ergänzt um die Marktbereiche Nicht-Leben Schweiz, Einzel-Leben Schweiz, Kollektiv-Leben Schweiz sowie Vertrieb Schweiz. So wird sichergestellt, dass alle großen Geschäftsbereiche mit Wachstums- und Ertragsfokus in der Konzernleitung vertreten sind und diese näher am Marktgeschehen ist. Zudem wird ein neuer Bereich Aktuariat geschaffen, und mit einem eigenen Konzernbereich soll die IT gestärkt und deren wachsender Bedeutung für die Digitalisierung Rechnung getragen werden. Schließlich soll die neu geschaffene Organisationseinheit Unternehmensentwicklung die Konzernleitung in der Weiterentwicklung des Unternehmens unterstützen. Diese organisatorischen Anpassungen führen zu personellen Änderungen in der Geschäftsleitung Schweiz: Hermann Sutter (Nicht-Leben) und Angela Winkelmann (Human Resources und Dienste) wechseln im Laufe des Jahres 2017 in den Ruhestand, und Uwe Bartsch (Unternehmensentwicklung) sowie Andreas Bolzern (Finanzen) übernehmen neue Funktionen bei Helvetia.