Helvetia in der Heimat und Europa erfolgreich

Die Helvetia Gruppe verdient gutes Geld und rüstet sich für die digitale Zukunft. Allerdings macht dem Versicherer die Bilanzierung in Schweizer Franken schwer zu schaffen. Das war früher anders.

2016-03-14 (fw/db) Die Helvetia Gruppe meldet für das Jahr 2015 eine solide Geschäftsentwicklung. Diese sei von der erfolgreichen Integration der im Jahr 2014 erworbenen Gesellschaften Nationale Suisse und Basler Österreich geprägt.

„Helvetia blickt erneut auf ein sehr erfolgreiches Jahr zurück. Unsere operative Entwicklung ist stark, wir konnten in allen Ländermärkten profitabel wachsen. Noch wichtiger ist der große Fortschritt bei der Integration der jüngsten Akquisitionen, welche bereits zu weiten Teilen abgeschlossen ist. Bei der Erreichung der Synergieziele sind wir gar vor dem Zeitplan“, sagt Stefan Loacker, Vorstandschef der Helvetia Gruppe.

Kräftiger Gewinnanstieg im Kerngeschäft

Die Versicherungsgruppe erzielte 2015 ein Ergebnis aus der Geschäftstätigkeit von 439 Millionen Schweizer Franken nach Steuern. Das entspricht einem Plus von 4.1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das IFRS-Ergebnis belief sich auf stieg von sank von 393,3 auf 309.5 Millionen Schweizer Franken.

Der Sektor Nicht-Leben war mit einer Gewinnzunahme von 21,8 Prozent auf 331,8 Millionen Schweizer Franken der klare Ergebnistreiber. Die Steigerung ist auf das versicherungstechnische Ergebnis sowie auf die Volumenbeiträge der beiden Akquisitionen zurückzuführen. Die Netto Combined Ratio verbesserte sich von 93,5 auf 92.1 Prozent. Ausschlaggebend dafür war ein günstigerer Schadenverlauf, der durch die Rückversicherungsstruktur unterstützt wurde. Da bereits ein erheblicher Teil der Synergien realisiert wurde, kam ein tieferer Kostensatz zum Tragen. Damit übertraf Helvetia erneut deutlich die Zielsetzung einer Combined Ratio von 94 bis 96 Prozent.

Das Ergebnis im Sektor Lebensversicherung verbesserte sich zum Vorjahr um 16.1 Prozent auf 175,7 Millionen Schweizer Franken. Das Risikoergebnis verzeichnete dabei eine Steigerung von 9.5 Prozent, während das Zins- und das Anlageresultat für eigene Rechnung aufgrund der niedrigen Zinsen im Kapitalmarkt zurückglitten. Zusätzlich trugen die im Vergleich zu 2014 geringeren Aufwendungen für zinsbedingte Nachreservierungen positiv zum Ergebnis bei.

Im Ergebnis der Sektoren sonstiger Tätigkeiten stieg der Verlust auf 68,5 Millionen Schweizer Franken nach einem Verlust im Vorjahr in Höhe von zwei Millionen Schweizer Franken. Der Hauptgrund hierfür sei das tiefere Ergebnis der Gruppenrückversicherung. Währungsverluste im Zusammenhang mit der Aufhebung des Euromindestkurses im Januar 2015 sowie der vorgesehene Finanzierungsaufwand für Fremdkapitalinstrumente belasteten das Ergebnis des Bereichs sonstige Tätigkeiten zusätzlich.

Helvetia ist nicht nur im Heimatmarkt stark

Nach Segmenten stammte der größte Ergebnisbeitrag einmal mehr aus dem Heimmarkt Schweiz, wo der Gewinn um 28.4 Prozent auf 364,9 Millionen Schweizer Franken anstieg. Im europäischen Markt Europa konnte die Helvetia Gruppe um 10,3 Prozent auf 98,4 Millionen Euro zulegen und in den Specialty Markets sogar um 11,3 Prozent auf 43,4 Millionen Schweizer Franken, wobei die Effekte aus den Wechselkursen zum Schweizer Franken das Ergebnis in Europa belasteten (-3.2 Prozent in CHF).

Kräftiger Volumenanstieg im ertragsstarken Sachgeschäft

Im Berichtsjahr 2015 erzielte Helvetia ein Geschäftsvolumen von 8.235,3 Millionen Schweizer Franken, eine Steigerung von satten 11,1 Prozent in Originalwährung. Im ertragsstarken Nicht-Lebensgeschäft machten sich die positiven Effekte aus den Akquisitionen bemerkbar. Das Prämienvolumen stieg um 34,7 Prozent auf 3.776,2 Millionen Schweizer Franken, in der Schweiz sogar um 72,9 Prozent. Aber auch die europäischen Einheiten (+18.6 Prozent in Originalwährung) und Specialty Markets (+22.8 Prozent) konnten mit zweistelligen Wachstumsraten überzeugen.

In der Lebensversicherung legte Helvetia bei den modernen Produkten um 4,9 Prozent in Originalwährung zu, der Absatz traditioneller Produkte wurde gedrosselt. Insgesamt ging das Geschäftsvolumen der Lebensversicherung gegenüber dem Vorjahr um 3,7 Prozent in Originalwährung auf 4.459,1 Millionen Franken zurück. Helvetia fokussiert auf den Vertrieb moderner, kapitalschonender Produkte. Die Reduktion der klassischen Produkte wurde durch das Wachstum in modernen Produkten jedoch nicht vollständig kompensiert.

Marktkonforme Anlage-Performance

Das Anlagevolumen der Gruppe blieb mit 48 Milliarden Schweizer Franken gegenüber dem Vorjahr praktisch unverändert. Die laufenden Anlageerträge lagen bei 988,4 Millionen Schweizer Franken nur knapp unter der Milliarden-Grenze. Die Performance erreichte bei einem gewinnwirksamen Anlageergebnis von 1,1 Milliarden Schweizer Franken marktkonforme 1.6 Prozent.

Unverändert solide Kapitalposition, erneut hohe Dividende

Helvetia verfügt unverändert über eine solide Kapitalposition. Die Solvency-I-Quote lag per 31. Dezember 2015 bei 205 Prozent. Die SST-Quote bewegte sich per Halbjahr 2015 im Rahmen der Bandbreite von 150 bis 200 Prozent. Das Eigenkapital ging gegenüber Ende 2014 von 4.963,1 auf 4.655,3 Millionen Schweizer Franken zurück. Gründe hierfür waren der Rückgang der im Eigenkapital erfassten nicht realisierten Gewinne und Verluste, Währungseffekte bei der Umrechnung des Eigenkapitals der europäischen Markteinheiten sowie die Veränderung der Vorsorgeverpflichtungen in der Schweiz. Die Eigenkapitalrendite auf Basis des Ergebnisses aus der Geschäftstätigkeit beträgt 8.9 Prozent.

Dank der soliden Geschäftsentwicklung kann der Verwaltungsrat die attraktive Dividendenpolitik fortsetzen. Er schlägt der Generalversammlung die Erhöhung der Dividende auf 19 Schweizer Franken pro Aktie vor – eine Steigerung von fast sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Wichtige Integrationserfolge erzielt

Helvetia erzielte im Geschäftsjahr 2015 bei der Integration von Nationale Suisse und Basler Österreich wichtige Erfolge: Alle zentralen Meilensteine – wie die 100-prozentige Übernahme, die Fusionen der Rechtseinheiten in der Schweiz, Österreich und Spanien, der gemeinsame Verkaufsstart mit integrierten Produktpaletten und unter einheitlicher Marke – wurden erreicht. Die noch ausstehenden rechtlichen Fusionen in den europäischen Markteinheiten sollen bis Ende 2016 abgeschlossen werden, in den Leben-Strukturen in Italien wird der Vollzug der Fusion 2017 erfolgen. Helvetia hat aus den Akquisitionen aufgrund von Personal- und Sachkosteneinsparungen bereits Synergien in der Höhe von 45 Millionen Schweizer Franken realisiert.

Strategie Helvetia 20.20: digitaler, agiler, wertvoller

Helvetia geht gestärkt aus der 2015 abgeschlossenen Strategieperiode hervor: Die internationale Versicherungsgruppe mit Schweizer Wurzeln hat ihre Marktpositionen über die letzten Jahre deutlich ausgebaut, ihre Profitabilität erhöht und den Kundennutzen gesteigert. Aufbauend auf ihren Stärken setzt sich Helvetia nun neue Ziele für die nächste Periode bis 2020. Dafür analysiert sie die Trends der Branche und zieht daraus systematisch die entsprechenden Schlüsse:

Die Welt wird digitaler – Helvetia nutzt dies als Treiber für ihre Weiterentwicklung: Die Versicherungsgruppe modernisiert die Interaktion mit den Kunden über verschiedenste Kanäle und bindet ihre Partner stärker in ihre Systeme ein. Ebenso verwendet sie verstärkt Smart Data zur Personalisierung der Marktleistung sowie zur präziseren Bestimmung von Risiken und automatisiert die Prozesse. Die Kunden werden individueller und anspruchsvoller – mit der neuen Strategie bleibt Helvetia für sie die beste Versicherungspartnerin.

Die drei Marktbereiche der Helvetia Gruppe verfolgen ambitionierte Ziele: Im Heimmarkt will Helvetia ihre Top-3-Position festigen, den Gewinn weiter steigern und für ihre Kunden ‚die beste Schweizer Versicherung‘ sein. Der Bereich Europa strebt in den vier Märkten Deutschland, Österreich, Spanien und Italien eine weitere Verbesserung der Marktpositionen an. Ergänzend treibt der Bereich Specialty Markets den selektiven Ausbau als internationaler Nischenplayer voran.

„Mit Helvetia 20.20 wird das Unternehmen digitaler, agiler und wertvoller. Die neue Strategie schafft Wert für alle: moderne Produkte und Dienstleistungen für unsere Kunden, attraktive Arbeitsplätze für unsere Mitarbeitenden, mehr Gewinn und Dividende für die Aktionäre“, sagt CEO und Vorstandschef Stefan Loacker zur weiteren Entwicklung der Schweizer Versicherungsgruppe.

Dietmar Braun