Heißer Herbst?

finanzwelt: Frau Watkin, wie beurteilen Sie die aktuelle Situation an den Anleihemärkten?

Watkin: Die nachlassenden Konjunkturdaten und die fortgesetzten Handelsstreitigkeiten veranlassten zahlreiche Zentralbanken, die Zinsen im Juli zu senken. Die Renditekurven für Staatsanleihen in den Industrieländern haben sich im Allgemeinen verringert oder abgeflacht, da schlechte Produktionsdaten und rückläufige Unternehmensinvestitionen Bedenken hinsichtlich der globalen Konjunktur verstärkt haben. In der Folge sind die Anleiherenditen in vielen Märkten auf Rekordtiefs gesunken. Da die Weltwirtschaft jedoch in einen lang anhaltenden Abschwung gerät und die Zentralbanken neue monetäre Impulse geben, sind die Aussichten auf einen kurzfristigen Renditeanstieg gering. Während die Spätphase eines Konjunkturzyklus normalerweise keine gute Phase für hochverzinsliche Unternehmensanleihen ist, hat sich die Anlageklasse im bisherigen Jahresverlauf dennoch gut entwickelt. Auch wenn die Spreads als Reaktion auf die anhaltenden Handelsspannungen etwas volatil waren, sind wir der Meinung, dass Unternehmensanleihen einen interessanten Diversifizierungsfaktor innerhalb wachstumsorientierter Kapitalanlagen darstellen. Voraussetzung hierfür ist, dass sich das Wachstum zwar verlangsamt, es aber nicht zusammenbricht.

finanzwelt: Die Abschlussfrage an Sie, Herr Gerlinger. Worauf setzen Sie im aktuellen Marktumfeld – aktive Fonds oder eher ETFs?

Gerlinger: Wir erachten aktive Fonds in dem derzeitigen Umfeld als deutlich aussichtsreicher. Die Selektionsmöglichkeit aktiver Fonds wird sich in einem schwachen wirtschaftlichen Umfeld in den kommenden Monaten als der entscheidende Vorteil erweisen. (hsd)