Gutes Timing entscheidet

Martin Wolf (links) und Dany Lütolf (rechts)

Allgemeinhin steht Venture Capital zu Recht für mitunter schwer abschätzbares Wagniskapital, bei der die Chance auf überdurchschnittliche Rendite unmittelbar mit erhöhter Verlustwahrscheinlichkeit bis hin zu Totalverlust korrespondiert.

Insofern erscheint es nur logisch, bei Interesse seine Investitionsvorhaben in diesem Segment möglichst nicht nur auf eine einzelne Karte zu setzen, sondern idealerweise gleich in ein ganzes Portfolio von aussichtsreichen Produktinnovationen wie erfolgversprechenden Unternehmungen und Start-ups. In diesem Zusammenhang gaben die beiden Fondsmanager und Geschäftsführer der BENEDUS Holding AG, Martin Wolf und Dany Lütolf, gegenüber finanzwelt Auskunft über ihr neues Venture Capital Vorhaben. finanzwelt: BENEDUS plant nach eigenen Angaben, einen innovativen Venture Capital Fonds (VCF) aufzulegen und spricht dabei von einem neuartigen Konzept. Was können sich unsere Leser im Konkreten darunter vorstellen? Wolf: Wir sind aktuell dabei, einen ersten SCS-Fonds nach luxemburgischem Recht aufzulegen, der erst im Mai dieses Jahres gegründet wurde und seinen Fokus auf aussichtsreiche Start-ups richtet. Naturgemäß liegt das Hauptproblem bei Firmengründungen allerdings darin, dass sich nur wenige von ihnen im Markt wirklich erfolgreich durchzusetzen vermögen. So schaffen nur etwa 5 bis 10 % aller ambitionierten Start-ups den „Break-even“. Die wenigen, denen dies jedoch gelingt, warten im Gegenzug mit satten, überdurchschnittlich hohen Wachstumszahlen und Renditen auf. Exakt diese Tatsache übt nun entscheidenden Einfluss auf unser neues Fondskonzept aus. Lütolf: Richtig. Denn bei allen profunden Selektionskriterien, die bezüglich Einsatz von Wagniskapital bei der Vorauswahl von Start-ups zum Einsatz kommen, ähnelt das gängige Auswahlprozedere nichtsdestotrotz ein wenig dem Blick des Wahrsagers in eine Glaskugel. Insofern macht es an dieser Stelle für uns Sinn, die unterschiedlich zu bewertenden Risiken gleich mehrerer aussichtsreicher Aspiranten zusammenzuführen und in einem schlüssigen Fondskonstrukt zu bündeln. Und exakt diese risikominimierende Philosophie verfolgen wir bei BENEDUS mit dem angesprochenen VCF. finanzwelt: Und mit welcher Konzeptidee wollen Sie für den Fonds werben? Lütolf: Bill Gross, ein weit über die Landesgrenzen hinaus renommierter Start-up-Inkubator aus den USA, hat eine Analyse über die Erfolgs- bzw. Misserfolgsfaktoren von Start-up-Unternehmen vorgelegt. Als vorrangige Einflussgröße entpuppte sich dabei der Aspekt „Timing“. Darunter ist u. a. zu verstehen, dass ein Startup alleine schon deshalb zum Scheitern verurteilt sein kann, wenn es zu früh oder zu spät am Markt erscheint. Wir wollen an dieser Stelle nichts dem Zufall überlassen, sondern dafür Sorge tragen, dass ein innovatives Produkt oder eine aussichtsreiche Dienstleistung immer zum idealen Zeitpunkt am Markt zum Durchbruch verholfen wird. Und dies mithilfe prominenter Influencer.

Bill Gross, 5 Key Success Factors (https://www.youtube.com/watch?v=QR6YgWOan8Q)
Bill Gross, 5 Key Success Factors (https://www.youtube.com/watch?v=QR6YgWOan8Q)
finanzwelt: Können Sie ein konkretes Beispiel benennen? Wolf: Gerne. Nehmen wir Christian Audigier, den Ed Hardy-Designer. Pop-Ikone Madonna trug 2005 erstmals ein T-Shirt von Ed Hardy. Dem folgten weitere wie z. B. Hollywoodstar Nicole Kidman. Dies verhalf der Marke eindeutig zum Durchbruch und sie entwickelte sich fortan im Eiltempo zum angesagten Modelabel. Nur 6 Jahre darauf, im Jahr 2011, wurde das Modelabel letztlich mit Riesengewinn verkauft, nachdem es zuvor dreistellige Millionenumsätze erzielt hatte. Lütolf: Oder nehmen wir das Beispiel von US-Star Dr. Dre, der 2006 zusammen mit Jimmy Iovine Beats Electronics gründete. 2008 kam der 1. Kopfhörer auf den Markt. Beats Electronics arbeitete von Beginn an mit mehreren Influencern wie Lady Gaga oder LeBron James zusammen. Das Konzept schlug ein, wie eine Bombe. 2014 gab der Computergigant Apple einer erstaunten Öffentlichkeit bekannt, dass sie das Unternehmen für 3,2 Mrd. US-Dollar übernommen haben.