Gute Stimmung trotz Wolken am Horizont

Hubert Fromlet

Die Stimmung in der deutsch-schwedischen Wirtschaft ist gut. Doch die vielen Unsicherheitsfaktoren in Schweden, Deutschland und der Welt beunruhigen die Unternehmen. Das zeigt die neueste Ausgabe des Konjunkturbarometers der Deutsch-Schwedischen Handelskammer.

(fw/rm) Die von der Handelskammer befragten Unternehmen schätzen die aktuelle konjunkturelle Lage als nach wie vor ziemlich positiv ein. Damit haben sich im Vergleich zum letzten Konjunkturbarometer im November 2015 keine größeren Veränderungen der Indikatoren Konsum, Investition oder der Investitionen im Baugewerbe ergeben.

„Es herrscht kein Zweifel daran, dass der private Konsum derzeit gut dasteht. Der öffentliche Konsum, der nicht Teil dieser Umfrage ist, trägt ebenfalls zum guten BIP-Wachstum beider Länder bei. In unserer Untersuchung von vor einem halben Jahr konnten wir feststellen, dass Investitionen etwas an Schwung gewonnen hatten. Diese Entwicklung hat sich bis zur jetzigen Umfrage gehalten. Insbesondere die Investitionskonjunktur im Baugewerbe hat sich verbessert“, sagte Hubert Fromlet, Professor an der Linné-Universität, der das Konjunkturbarometer im Auftrag der Deutsch-Schwedischen Handelskammer kommentiert. grafik_tabelle_handelskammer-se Der Export wird von den Umfrageteilnehmern aus Schweden und Deutschland ganz unterschiedlich beurteilt. Während die deutschen Unternehmen ihre Exportkonjunktur mit starken 4,1 bewerten, liegt der schwedische Wert gerade mal bei mäßigen 3,5. „Auch wenn sich der schwedische Export in den letzten Monaten scheinbar etwas verbessert hat, sollte es eigentlich genügend Raum für einen stärkeren Exportanstieg geben. Wir wissen jedoch gleichzeitig, dass viele für Schweden wichtige Exportmärkte wie China, Brasilien und Russland nach wie vor mit einem derzeitig gedämpften Import kämpfen. Das Brexit-Risiko sollte mit Blick auf den schwedischen Export ebenfalls nicht außer Acht gelassen werden“, erklärt Hubert Fromlet. Bezüglich möglicher Konjunkturrisiken für die nähere Zukunft steht die politische Entwicklung als wesentlicher Unsicherheitsfaktor mehr und mehr im Fokus, insbesondere für die deutschen Umfrageteilnehmer. Für den einheimischen Markt betrachten die Deutschen diese sogar als größtes Risiko und bei den internationalen Risiken landet die politische Entwicklung nach einer möglichen Abschwächung der globalen Konjunktur auf Platz zwei. „Die politische Debatte dieser Tage in Deutschland ist sehr intensiv. Insbesondere steht die Frage im Fokus, wie Kanzlerin Merkel die Flüchtlingsfrage hantiert. Darüber hinaus ist 2017 Wahljahr, was zu allerhand Spekulationen über die künftige Regierungskoalition führt und damit auch über die Fortführung der wirtschaftspolitischen Ausrichtung. Fasst man die Risiken des Finanzmarktes mit dem gesondert ausgewiesenen Risiko der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) zusammen, dominieren jedoch Fragen des Finanzmarkts die Risiken der deutschen Umfrageteilnehmer. Deutschland ist allem Anschein nach eines der Länder, welches der Geldpolitik der EZB am kritischsten gegenübersteht“, so Hubert Fromlet.

Deutsche Sprache wichtig für Geschäfte

Die diesmalige Spezialfrage beleuchtet die Bedeutung der deutschen Sprache für die deutsch-schwedischen Geschäftsverbindungen. In den letzten 15 Jahren hat sich die Anzahl der Schüler und Studenten in Schweden, die Deutsch als Fremdsprache wählen, halbiert. Darauf, und auf damit eventuell einhergehende negative Auswirkungen auf die Handelsbeziehungen der Länder, weisen unzählige Stimmen, auch die der Deutsch-Schwedischen Handelskammer, hin. Im deutsch-schwedischen Konjunkturbarometer sagen rund 60 Prozent der schwedischen Umfrageteilnehmer, dass Deutschkenntnisse für ihre Mitarbeiter wichtig oder gar sehr wichtig für die Geschäftsbeziehungen mit Deutschland sind. Mehr als 40 Prozent haben bereits aktiv nach Mitarbeitern mit deutschen Sprachfertigkeiten gesucht und 13 Prozent planen dies. Gleichzeitig gibt ungefähr die Hälfte des deutschen Panels an, dass ihr jeweiliger Geschäftspartner in Schweden über einen deutschsprachigen Ansprechpartner verfügt. Ganze 96 Prozent sagen darüber hinaus aus, dass dies die Zusammenarbeit erleichtert hat. „Es bestätigt sich auch in dieser Umfrage, dass Deutschkenntnisse nach wie vor von Bedeutung für die deutsch-schwedischen Handelsbeziehungen sind. Dies sollte Schülern und Studenten in Schweden bei ihrer Sprachwahl immer wieder bewusst gemacht werden. Deutschland ist Schwedens größter Handelspartner und die viertgrößte Wirtschaft der Welt und bietet damit viele Beschäftigungsmöglichkeiten“, sagt Ralph-Georg Tischer, Geschäftsführer der Deutsch-Schwedischen Handelskammer. Das Deutsch-Schwedische Konjunkturbarometer ist eine Umfrage der Handelskammer unter deutschen und schwedischen Unternehmen über die konjunkturelle Lage und Entwicklung im Partnerland. Das Besondere an der Untersuchung sind die wechselseitigen Einschätzungen. Deutsche Unternehmen mit Export nach Schweden bewerten die schwedische Konjunktur und umgekehrt. Die aktuelle Umfrage wurde vom 9. bis 20. Mai 2016 durchgeführt. Rund 130 schwedische und 50 deutsche Unternehmen nahmen an der Untersuchung teil. Der Bericht wird zwei Mal jährlich veröffentlicht. www.handelskammer.se