Gute Aussichten für europäische Nebenwerte

Stéphanie Bobtcheff ©La Financière de l’Echiquier

In den vergangenen Monaten waren die Aktienmärkte insgesamt von einer hohen Volatilität geprägt, bedingt vor allem durch die Abhängigkeit von makroökonomischen und politischen Ereignissen. Eine differenzierte Betrachtung der einzelnen Indizes offenbart allerdings Unterschiede: Vergleicht man die Jahresperformance der europäischen Nebenwerteindizes mit der von Large-Caps, so haben sich beide Segmente ähnlich entwickelt. Auffällig ist allerdings, dass die Volatilität bei den kleineren Indizes deutlich geringer ausfällt. Im Jahr 2016 zeigten die Aktien großer Firmen mit 20 Prozent eine höhere Volatilität als die Aktien von kleinen Unternehmen (12,3 Prozent). Grund hierfür ist unter anderem, dass im kleineren und mittleren Börsenuniversum makroökonomische Faktoren wie das weltweite Wirtschaftswachstum oder Zentralbankentscheidungen eine untergeordnete Rolle spielen. Für Nebenwerte sind die individuellen Unternehmensergebnisse viel entscheidender. Aufgrund ihrer geringeren Liquidität gibt es zudem nur wenige ETF-Produkte auf Small- und Mid-Caps, die durch schnellen Ein- und Ausstieg für stärkere Kursschwankungen bei Standardwerten sorgen. Gerade im aktuellen Marktumfeld bieten europäische Nebenwerte also eine gute Möglichkeit zur Dekorrelation, insbesondere im Universum der Small-Caps.

Rege M&A-Tätigkeit geben Small-Caps Auftrieb

Dies bestätigt sich auch mit Blick auf die Bewertungsniveaus. Während die KGVs von Mid-Caps bereits denen von Standardwerten entsprechen, werden Small- und Micro-Caps nach wie vor mit einem Abschlag von 20 bis 25 Prozent gehandelt. Hier lassen sich also noch attraktive Unternehmern mit überzeugenden Wachstumsaussichten finden, deren Börsenbewertungen vielfach unter dem realen fundamentalen Wert liegen. So erklärt sich auch das aktuell hohe Interesse ausländischer Investoren an europäischen Unternehmen als Beteiligungs- bzw. Übernahmeobjekte. Besonders für amerikanische Investoren dürfte der europäische Markt, gestützt von einem starkem Dollar und vergleichsweise hohen Bewertungen der US-Unternehmen, auch weiterhin attraktiv bleiben.

Die hohe Dynamik am europäischen M&A-Markt ist vor allem für das untere Börsensegment ein wichtiger Treiber. So profitierte im Monat September der auf Small-Caps spezialisierte Echiquier Entrepreneurs von drei Übernahmeangeboten: Auch wenn General Electric seine Offerte für das im TecDax notierte deutsche Unternehmen SLM Solutions mittlerweile wieder zurückgezogen hat, bot der Konzern den Aktionären von SLM am 26. September 38 Euro pro Aktien und damit im Vergleich zum Vortages-Schlusskurs eine Prämie von 37 Prozent. Der Echiquier Entrepreneurs verkaufte daraufhin seine gesamte SLM-Position und nahm die Gewinne mit. Außerdem zeigte die belgische Gruppe D’Ieteren Interesse am italienischen Notizbuch-Hersteller Moleskine und der IT-Berater und Outsourcing-Spezialist Accenture bietet für die französische Octo Technology, bei der La Financière de l´Echiquier zweitgrößter Aktionär ist. Accenture hat 22,50 Euro pro Aktie und damit eine Prämie von 44 Prozent geboten. Seit Auflage vor drei Jahren hat der Echiquier Entrepreneurs insgesamt von mehr als zehn Übernahmen profitiert.

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