„Grünes Geld ist gefragter denn je“

Stefan Keller, Geschäftsführer der UDI Beratungsgesellschaft mbH / Foto: © UDI

Nachhaltige Geldanlagen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Davon profitieren Unternehmen wie die UDI Beratungsgesellschaft mbH, die in diesem Jahr ihr 20-jähriges Jubiläum feiert. Wir sprachen mit Geschäftsführer Stefan Keller über die Entwicklung der nachhaltigen Geldanlagen und warum Nachhaltigkeit nicht an der Haustür endet.

finanzwelt: In diesem Jahr sind Sie genau 20 Jahre auf dem deutschen Markt aktiv. Wie hat sich der Markt seitdem verändert?

Stefan Keller: Als Pionier in Sachen „grünes Geld“ wurden wir mit unserem Nischen-Angebot in den Anfangsjahren oft belächelt. Es zeigte sich aber sehr schnell, dass unsere Strategie aufgeht. Nachhaltige Geldanlagen gewinnen seither unverändert an Bedeutung und die Nachfrage steigt stetig. Auch innerhalb von Politik und Wirtschaft sind nachhaltige Geldanlagen beliebter denn je. In den letzten zwanzig Jahren entstanden allein durch unsere Geldanlagen 383 Windkraftanlagen, 46 Biogasanlagen, 90 Solarprojekte. Mit diesen Energiekraftwerken erzeugen wir 1.6 Milliarden kWh Strom pro Jahr. Damit werden rein rechnerisch 1,8 Millionen Menschen in Vier-Personenhaushalten mit sauberer Energie versorgt und der Umwelt bleiben rund 1,7 Millionen Tonnen CO2 erspart.

finanzwelt: Nachhaltige Geldanlagen erfreuen sich aktuell großer Beliebtheit bei Investoren, wie der aktuelle Marktbericht des Forum Nachhaltige Geldanlagen zeigt, wonach ein neuer Rekord beim Anlagevolumen in dieser Assetklasse erreicht wurde (finanzwelt berichtete; Anm. d. Red.). Welche Gründe sehen Sie für diese Entwicklung?

Keller: Klimawandel, Energiewende, Niedrigzinsen, Handelskrieg sind Aspekte, die die Anleger zwingen, sorgfältig Risiken und Chancen abzuwägen. Heute müssen sich nicht nur Energiekonzerne vor der Entwertung von Investitionen in fossile Erzeugungstechniken fürchten, auch „standard assets“ verlieren im Zuge der Energiewende an Wert. Fukushima hat die Menschen zum Umdenken angeregt.

Viele Menschen leben heute einfach bewusster, trennen ihren Müll, ernähren sich gesund und kaufen bevorzugt regionale Produkte. Sie achten Ihre Umwelt, unterstützen ökologische Projekte und wollen wissen, wofür sie ihr Geld anlegen. Dass sie bei ihren Investitionen großen Wert auf Nachhaltigkeit legen, ist selbstredend.

finanzwelt: Wie denken Sie, wird sich der Markt Nachhaltige Geldanlagen in den nächsten Jahren entwickeln und welche Faktoren werden dafür entscheidend sein?

Keller: Der Markt wächst weiter. Längst sind es nicht mehr nur Privatpersonen und Stiftungen, die ihr Geld bewusst nachhaltig anlegen wollen. Die guten Renditen locken nach und nach auch die großen Player. Grünes Geld ist gefragter denn je. Natürlich spielt die Politik bei der Marktentwicklung auch eine wichtige Rolle. Man wird die Energiewende nicht mehr lange bremsen können. Es ist höchste Zeit, dass kurzgedachte Finanzinteressen der Wirtschaftskonzerne in den Hintergrund gerückt werden und „Erneuerbare Energie-Erzeuger“ einen weiteren Schub bekommen. Das wird sich dann erneut positiv auf die Nachfrage nach „Geld mit Sinn“ auswirken.

finanzwelt: Sie sind auch im Bereich energieeffiziente Gebäude aktiv. Was unterscheidet diese von konventionellen Gebäuden?

Keller: Energieeffiziente Gebäude oder auch Green Buildings, müssen zumindest im Energiebereich den Vorgaben der EnEff 2016 (Energieeffizienz-Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates) und bei den technischen Vorgaben der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) entsprechen. Wir gehen aber noch einen Schritt weiter. Unsere Gebäude, egal ob privat oder gewerblich, werden als Quartierslösungen geplant, d.h. mit einem gemeinsamen Energiekonzept für alle Parteien ausgestattet und sind damit wirtschaftlicher. Auf imitierende Baustoffe wie z. B. PVC und Styropor wird verzichtet. Die eingesetzten Rohstoffe müssen nachhaltig sein und dürfen z.B. nicht mit Kinderarbeit in Verbindung gebracht werden. Darüber hinaus werden unsere Immobilien über die DGNB zertifiziert, Goldstandard ist hier unsere Messlatte.

finanzwelt: Wie ist bislang die Nachfrage nach „grünen“ Immobilien und welche zukünftige Entwicklung erwarten Sie?

Keller: Die geringeren Nebenkosten, ein gesundes Raumklima und eine umweltfreundliche Bauweise machen ökologische Immobilien besonders gefragt. Der höhere Objektwert im Verhältnis zu traditionellen Immobilien und ihre Werthaltigkeit machen energieeffiziente Gebäude auch für Anleger und Investoren interessant.

Die Nachfrage nach unseren energieeffizienten Immobilienprojekten ist groß und wir rechnen mit zweistelligen Wachstumsraten. Wenn man bedenkt, dass der Immobiliensektor für mehr als ein Drittel des weltweiten Energieverbrauchs und des globalen Co2-Ausstoßes verantwortlich ist, erklärt das gut, warum energieeffizientes Bauen und Sanieren die Zukunft ist. (ahu)

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