Grün ist nicht immer gleich grün

Best in Class

Aber wie sieht es denn mit der Nachhaltigkeit bei Aktienfonds aus? Sehr verbreitet bei Aktienfonds ist der Best-in-Class-Ansatz. Aktienfondsmanager verpflichten sich hier, nur Firmen ins Portfolio zu nehmen, die nachhaltig agieren. Das wird aber nicht zwangsläufig an einem Kriterienkatalog festgemacht, sondern es wird der Beste aus seiner Branche ausgewählt. Der Sportschuhfabrikant z. B., für den am wenigsten Kinder arbeiten. Oder das Jeanslabel, wo nur 60 % der Jeans die Flüsse verschmutzen. Oder der Waffenfabrikant, der am wenigsten Waffen in Krisenregionen liefert. Ist das im Sinne Ihrer Kunden? Sicherlich nicht! Aber es gibt Organisationen, wie dem FNG, die darauf achten, dass Wertekataloge wirklich eingehalten werden. „Die Aspekte, auf die es besonders ankommt, haben die langjährig im Bereich des nachhaltigen Investments tätigen Organisationen CRIC, FNG, ÖGUT und oekofinanz-21 in der Stellungnahme Nachhaltigkeit mit Breitenwirkung umfassend zusammengefasst“, erklärt Volker Weber, Vorstandsvorsitzender des FNG.

Folgende Punkte seien von zentraler Bedeutung: Offenlegungspflichten für alle Finanzprodukte. Soziale und governancebezogene Ziele. Eine vollständige Taxonomie. Diversität und Wissenschaftsexpertise in der Plattform für ein nachhaltiges Finanzwesen. Berichtspflichten und -standards. Die Sicherstellung einfacher Nutzung und kleine Akteure nicht zu benachteiligen. Ökologisch schädliche Stromerzeugung nicht als nachhaltig definieren. Und abschließend Menschen durch Bildung und Aufklärung für den Wandel gewinnen und befähigen. Die Standards des FNG sind zwar sehr komplex, aber Greenwashing hat hier keine Chance mehr. Wer aber noch einen Schritt weiter gehen will und wirklich mit seinem Geld etwas aktiv bewegen möchte, sollte in grüne Projekte, in Sachwertfonds investieren. Peter Jäderberg, von Jäderberg & Cie. bringt es auf den Punkt: „Das Investieren in Aktien an der Börse verursacht keine nachhaltige Wirkung bei den Projekten des Börsenunternehmens. Wenn ich eine Aktie kaufe, bekommt der Vorbesitzer mein Geld, nicht das Börsenunternehmen.“ Und somit werde nichts Nachhaltiges geschaffen. Anders sieht es bei den vielen grünen Projekten in der Sachwertbranche aus. Gerade im Bereich Erneuerbare Energien hat diese national wie international viele Erfolgsgeschichten vorzuweisen. Aber wie kann hier der Anleger unterscheiden, was wirklich nachhaltig ist und was nicht? Einfach ist das bei den Erneuerbaren Energien durch gesetzlich regulatorische Rahmen, erklärt Jörg Busboom, Geschäftsführer ÖKORENTA: „Grundlage ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das zum Ziel hat, den Anteil des aus Erneuerbaren Energien erzeugten Stroms am Bruttostromverbrauch auf mindestens 80 % bis 2050 zu erhöhen. Außerdem stellt es die vorrangige Anschlusspflicht von Erneuerbaren Energieanlagen durch den Netzbetreiber sicher.

Für Betreiber bedeutet das: Ihr Erzeugnis, nämlich der grüne Strom, wird vorrangig abgenommen. Das ist im Vergleich z. B. mit Immobilienfonds eine sehr komfortable Situation, die quasi einer Vermietungsgarantie gleich käme.“ Im Falle von anderen Nachhaltigkeitsinvestments sollte der Vermittler von Fall zu Fall prüfen. Peter Jäderberg erklärt worauf z. B. beim Thema Wald zu achten ist: „Entscheidend für uns war, dass in unserem Projekt Mischwälder aufgeforstet werden, die Grundwasser, Fauna und Flora fördern. Keine Monokultur. Das gefiel auch unseren Mitstreitern, wie dem ethischen Investor Church of England.“

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