Großbritannien droht milde Rezession

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Asset Allokation: Das Brexit-Referendum bremst Europas Wirtschaft, aber nicht die USA und die Emerging Markets. Die expansive Geldpolitik stützt die Weltwirtschaft.

Die überraschende Brexit-Entscheidung hat nicht nur die Kapitalmärkte, sondern auch die meisten Analysten auf dem falschen Fuß erwischt. Löst der drohende Austritt der Briten aus der EU eine Weltrezession aus? Nachvollziehbar sind die negativen Auswirkungen auf die britische Wirtschaft. Die Regierungsneubildung und die folgende lange Verhandlungsphase verunsichern Investoren. Der deutliche Einbruch des Britischen Pfunds kostet gleichzeitig Kaufkraft der Konsumenten. Großbritannien wird daher kaum um eine milde Rezession herumkommen. Keine Rezession in Euroland Die Wachstumsschwäche eines wichtigen Handelspartners belastet natürlich auch die Eurozone. Befürchtungen, die Brexit-Entscheidung sei nur der Anfang einer Reihe von Austrittsreferenden, sind jedoch überzogen. In keinem Land der Europäischen Union haben Europa-Gegner über einen langen Zeitraum einen ähnlich hohen Anteil wie in Großbritannien. Bereits die Parlamentswahl in Spanien direkt nach dem Brexit-Votum bescherte den traditionellen EU-freundlichen Parteien überraschende Stimmengewinne. Dank des starken Konsums dürfte Euroland nicht in eine Rezession abrutschen. Mit rund 1 % wird der Zuwachs 2017 aber deutlich geringer als erwartet ausfallen. In den USA dürften die Schockwellen des Brexits noch geringer sein. Ein schwächeres Wachstum in Europa und der festere Dollar dürften zwar künftig den Export belasten. Die rekordtiefen langfristigen Zinsen geben jedoch dem Immobilienmarkt weiteren Schub. Das seit 2009 erreichte Durchschnittswachstum von rund 2 % bleibt daher 2016 und 2017 weiter möglich. Auch in den meisten Emerging Markets zeichnen sich nur geringe Auswirkungen ab. Weitaus wichtiger ist für viele Länder die deutliche Preiserholung bei den Rohstoffen. Hier könnte tatsächlich im 1. Quartal 2016 die Talsohle durchschritten sein. Immerhin hat sich dank expansiver Geld- und Fiskalpolitik in China das Wachstum stabilisiert. Die neuen Infrastrukturmaßnahmen geben insbesondere den Rohstoffmärkten Rückenwind. Wenngleich sich das Wachstum 2016 und 2017 wohl nicht beschleunigen wird, dürfte die Weltwirtschaft nicht in die Rezession rutschen. Ohne expansive Geld- und Fiskalpolitik ist jedoch selbst dieses Minimalziel nicht zu erreichen. Hier dürfte wie in der Vergangenheit geliefert werden. Die geplanten Zinserhöhungen in den USA sind mindestens in das neue Jahr verschoben. Die Europäische Zentralbank und die Bank of Japan planen weitere unkonventionelle Expansionsschritte. Die Bank of England hat den Kurswechsel zu einer expansiven Politik bereits vollzogen. Fiskalische Bremsmanöver sind derzeit weder in Europa noch in den USA zu erwarten. Neutrale Aktiengewichtung Für einen generellen Risk-off-Modus reicht daher die Brexit-Entscheidung nicht aus. Niedrigeren Gewinnerwartungen steht ein nochmals gedrücktes Zinsniveau gegenüber. Die bereits hohen Risikoprämien für die meisten Aktienmärkte haben sich erneut erhöht. Die kommende Unsicherheitsphase und zunehmende politische Risiken geben zwar keinen Anlass zu einer aggressiven Positionierung, eine neutrale Aktiengewichtung bleibt jedoch weiter gerechtfertigt. Unbenannt

Kommentar von: Christian Heger, HSBC Global Asset Management (Deutschland)