Groß und klein gleichauf

Nach einem sehr gut verlaufenden ersten Halbjahr lieferten viele Deutschland-Aktienfonds auch im zweiten Halbjahr 2013 beachtliche Erträge. Geht die Rallye weiter? Speziell auf Nebenwerte ausgerichtete Fonds sind im Ranking weit vorne.

Seit fünf Jahren klettern die Kurse an der Börse. Trotz zwischenzeitlicher Rücksetzer gibt es eine positive Grundstimmung auf dem Parkett. Einige Werte sind allein in den vergangenen drei Jahren um über 75 % gestiegen. Nur wenige im Deutschen Aktienindex DAX notierte Unternehmen haben den Aufschwung nicht mitgemacht, darunter Versorger und Banken. Es gibt Gründe, die für deutsche Aktien sprechen. Beispielsweise das globale Niedrigzinsniveau, der Glaube an den „sicheren Hafen” Deutschland und der Mangel an Anlagealternativen.

2013 hat der DAX seinen Wert um ein Viertel gesteigert. Ein sattes Wachstum, das von der lockeren Geldpolitik der Zentralbanken profitiert hat.

Die Münchener tapir AG hat mit ihrem „Quality Rating” die besten Deutschland-Aktienfonds ermittelt. Neben der Performance fließen weitere Qualitätskriterien mit. Dabei gehen die Kriterien in unterschiedlicher Gewichtung mit ins Rating ein.

Kriterien

Berater, die ihren Kunden zum Jahresanfang 2013 deutsche Aktienfonds ans Herz gelegt haben, sind damit richtig gefahren. Einige Fonds haben sogar den DAX hinter sich gelassen. Die Aussichten auf die kommenden Monate geben durchaus Grund zu Optimismus. Die deutsche Wirtschaft hänge ihre Konkurrenten in der Eurozone beim Wachstum auch in diesem Jahr ab, so die Organisation für Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Sie prognostiziert in ihrem jüngsten Zwischenbericht hierzulande einen kräftigen Aufschwung.

Auf dem Siegerpodest steht der ACATIS Champions Select – ACATIS Aktien Deutschland ELM. Der Fonds, seit über elf Jahren am Markt, wird von Aktienspezialist Hendrik Leber gemanagt und beeindruckt nicht nur durch seine Performance. Auch die Sharpe Ratio, die die Wertentwicklung zur Schwankungsbreite (Volatilität) ins Verhältnis setzt, ist beständig über dem Wert 1. Je höher die Sharpe Ratio, desto besser ist letztlich das Investment. Das Management verfolgt dabei eine antizyklische Titelauswahl, wobei aktives Stock Picking, frei von der Benchmark, betrieben wird. Als Vorbild gilt die Value-Strategie von Starinvestor Warren Buffett. Werte aus den Branchen IT, Industrie und Gesundheitswesen machen über 50 % in der Assetallokation des mit 4 Morningstar-Sternen ausgezeichneten Fonds aus.

Den Silberplatz nimmt ein börsengehandelter Indexfonds (ETF), der iShares MDAX UCITS ETF ein. BlackRock hat diesen Indexfonds im Frühjahr 2001 auf den Markt gebracht. Das Fondsvermögen beträgt beachtliche 1,6 Mrd. Euro. Das Ziel dieses ETF ist es, möglichst genau die Wertentwicklung vom MDAX Index abzubilden. Der Index misst die Wertentwicklung von 50 mittelgroßen deutschen Aktiengesellschaften sowie überwiegend in Deutschland tätigen ausländischen Unternehmen aus klassischen Industriebereichen. Indexprodukte können naturgemäß von ihrer niedrigen Kostenstruktur (Gesamtkostenquote: 0,51 % p. a.) profitieren. Industriegüter und Dienstleistungen machen rund 1/3 der Sektoraufteilung aus.

tapir

Der Drittplatzierte Allianz Nebenwerte Deutschland engagiert sich vorwiegend am deutschen Aktienmarkt im Segment für kleine und mittlere Unternehmen. Auch wenn es Fondsmanager Frank Hansen nicht in jedem Jahr gelungen ist, die Benchmark zu schlagen, so spricht eine Wertentwicklung von 11,77 % seit Auflage für ihn. Im vergangenen Jahr lag die Performance bei knapp 40 %. Das Fondsvolumen beläuft sich auf circa 750 Mio. Euro.

Knapp am Bronzeplatz vorbei ist der Nebenwertefonds Lupus alpha Smaller German Champions, der erst kürzlich zum wiederholten Male mit dem Lipper Fund Awards als bester Fonds in der Kategorie „Equity German Small and Mid Caps” ausgezeichnet wurde. Die Volatilität liegt etwas höher als beim Allianz-Fonds, allerdings ist die Wertentwicklung p. a. seit Auflage einen Touch besser (12,11 %). Den Fondsmanagern Björn Glück und Peter C. Conzatti ist es gelungen, regelmäßig die Benchmark zu schlagen.

Gut positioniert zeigt sich auch der von Felix Meier gemanagte CS Equity Fund (Lux) Small and Mid Cap Germany B. Die annualisierte Volatilität liegt leicht unter den vergleichbaren Produkten der Wettbewerber und auf Ein-Jahres-Sicht sind Benchmark und Fonds gleichauf. Das Fondsvolumen erreicht ca. 540 Mio. Euro.

Die weiteren Plätze in den Top Ten nehmen Fonds aus den Häusern GS&P Kapitalanlagegesellschaft, UBS, Allianz Global Investors und Deutsche Asset & Wealth Management ein.

Die Rolle der europäischen Konjunkturlokomotive wird einmal mehr Deutschland übernehmen. Analysten von UniCredit Research halten ein BIP-Wachstum von 2,5 % in diesem Jahr für möglich. Trotz der erwarteten Konjunkturaufhellung in der Eurozone ist davon auszugehen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Niedrigzinspolitik auf absehbare Zeit fortsetzt. Einer Umfrage von Thomson Reuters zufolge wird deutschen Bluechips auch 2014 einiges zugetraut. Nebenwerte sind bereits sehr gut gelaufen, hier zahlt sich Stock Picking aus. Generell gilt, dass Nebenwerte mit Wachstumspotenzial auch in Krisenzeiten eine gute Anlageoption sein können. Sie sind Profiteure der Globalisierung, agieren oftmals sehr erfolgreich als Marktführer in ihrer Nische und können hier hohe Preise durchsetzen. Die deutsche Wirtschaft ist nicht im luftleeren Raum, daher haben Abschwünge in Asien oder anderen Teilen der Welt auch negative Auswirkungen auf hiesige Unternehmen und deren Performance. So läuft Chinas Wirtschaft bereits seit einiger Zeit nicht mehr so rund wie gewohnt. Die dortige Zentralbank hat angekündigt, bei einer weiteren Abschwächung der Konjunktur massiv gegenzusteuern. Die Wertentwicklung ist eine von mehreren Kriterien, die ins „Quality Rating” einfließen. Risikoklasse, laufende Kosten und die Sharpe Ratio sind Messgrößen, die bei der Beurteilung ebenfalls bedeutsam sind. Auch darauf sollten Sie als Berater schauen.

(ah)

Aktienfonds Deutschland – Printausgabe 02/2014