Greiffbar – Investments zum Anfassen

Greiffbar
Volker Schilling, Gründer und Mitglied des Vorstandes der Greiff capital management AG / Foto: © Greiff capital management AG

Welche Themen waren vergangene Woche am Finanzmarkt relevant?

Druckwelle

Was hat vergangene Woche Wellen geschlagen? Allen voran Fancy Nancy, die zur Tea-Time mit Tsai Ing-Wen ihr Timing in Taiwan zur Schau stellte. Nancy Pelosi, die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses und Mitglied der Demokratischen Partei von US-Präsident Joe Biden, zeigt einmal mehr, dass sie gerne die große Welle macht. So demonstrierte sie durch ihren Besuch bei Taiwans Präsidentin Tsai Ing-Wen, dass die USA und Taiwan auf einer demokratischen Wellenlänge unterwegs sind.

Der Besuch hat allerdings in Festlandchina größere Wellen geschlagen, die in einem militärischen Manöver rund um die Insel Taiwan mündeten. Für die Chinesen ist der Besuch und die offiziellen Auslassungen eine provokative Druckwelle der Amerikaner und für die Taiwanesen ist der quasi Belagerungszustand durch die Festlandchinesen zu einer Dauerwelle ihres Lebens geworden. Darin ist man allerdings geübt, weshalb aktuell keiner ernsthaft davon ausgeht, dass es zu wirklich militärischen Auseinandersetzungen kommen wird. Die Medien scheinen derzeit daraus die größte Welle zu machen, weshalb ich davon ausgehe, dass wie bei allen Wellen, so auch der Pelosi-Besuch, im Sande verlaufen wird. Ganz anders hier:

Erfolgswelle

Außenpolitisch scheint der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan nach dem Getreide-Export-Deal aus der Ukraine auf einer Erfolgswelle zu schwimmen. Innenpolitisch allerdings muss angesichts der diese Woche gemeldeten Inflationszahlen von 80 % eine Welle der Empörung einsetzen. Zumal Erdoğan weiterhin stringent Zinserhöhungen zur Bekämpfung der Inflation ablehnt und damit die Fluchtwelle aus der türkischen Lira befeuert.

Anders die Britische Notenbank, die erwartungsgemäß ihre Zinsen um 0,5 % angehoben hat und damit auf einer Wellenlänge mit den anderen großen Notenbanken agiert. Die Börsen quittieren das Umfeld und die Unternehmensmeldungen durchweg positiv, weshalb die aktuelle Kaufwelle bei Aktien anhält und die gängigen Indizes sich weiter deutlich von ihren Tiefs erholt haben. In meiner Kolumne am 24. Juni habe ich mit den Überschriften Hoffnung, Zuversicht, Optimismus nahezu am Tiefpunkt darauf aufmerksam gemacht, dass eine solche Erholung überfällig wäre. Jetzt ist sie da und die Börsianer streiten lebhaft, ob es sich nur um eine kurze Gegenbewegung im Niedergang, eine sogenannte Bärenmarktrally, oder um eine dauerhafte Trendumkehr handelt. Als Langfristinvestor spielt das für mich keine Rolle und spätestens in ein paar Wochen ist die Frage dann wahrscheinlich auch geklärt. Derweil:

Hitzewelle

Derweil diskutieren unsere Politiker in der Ampel-Koalition über die anstehende Corona-Welle im Herbst. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) haben dafür ein Paket mit Corona-Maßnahmen für den Herbst geschnürt. Die anstehende Covid-Welle will man nicht mehr durch Lockdowns, Schulschließungen und Ausgangssperren, sondern durch Maskenpflicht und Mindestabstände brechen. Zu groß ist die Hemmschwelle für drastische Maßnahmen geworden. Während die einen also hitzig diskutieren, überrollt uns derzeit in Deutschland eine ganz andere Welle: Hitzewelle mit Temperaturen bis 40 Grad. Wohl dem, der im Urlaub die perfekte Welle am Meer genießen kann.

Ihr Volker Schilling

Kolumne von Volker Schilling,
Gründer und Mitglied des Vorstandes der
Greiff capital management AG