Gold: Nur für den Fall der Fälle

Gottfried Urban, Vorstand der Bayerische Vermögen AG / Foto: © Bayerische Vermögen AG

Mit Gold kann man viel Geld verlieren, aber auch gewinnen. Anders als bei Aktien tragen Anleger bei Gold nur das Preis-, aber kein unternehmerisches Risiko von Fehlentscheidungen oder auch Betrug. Letztlich sollte Gold jedoch als Absicherung für den schlimmsten Fall dienen: den Zusammenbruch des Geldsystems.

Nach wie vor gilt Gold als die Krisenwährung schlechthin. Zur Weltwirtschaftskrise 1929 konnten sich Goldanleger glücklich schätzen, ihr in das Edelmetall investierte Vermögen blieb erhalten. Doch nur vier Jahre später verbot der damalige US-Präsident den privaten Goldbesitz; US-Bürger mussten ihr Gold abgeben. Ausgenommen waren Schmuck und Münzsammlungen.

In den folgenden Jahrzehnten schwankte der Goldpreis enorm. Vor gut 30 Jahren kostete die Feinunze etwa 400 US-Dollar. Unrühmliche Bekanntheit erlangte der damalige britische Finanzminister Gordon Brown, indem er zwischen 1999 und 2003 über die Hälfte der englischen Goldreserven veräußerte – zu Preisen zwischen 250 und 300 US-Dollar. Später wurde diese Phase als „Brown-Bottom“ bezeichnet. Denn schon wenig später begann der Goldpreis wieder deutlich zu steigen. Auf dem Höhepunkt der Eurokrise zahlte man 1.900 US-Dollar für die Feinunze.

Eine Absicherung für Krisen in anderen Anlageklassen, wie Aktien oder Anleihen, stellt Gold nicht dar. 2008 verloren Aktien stark an Wert, Gold konnte im Kalenderjahr lediglich seinen Wert unter großen Schwankungen behalten. Im Crashmonat Oktober 1987 verlor der US-Aktienmarkt um über fünfzehn Prozent. Gold stieg in dieser Zeit nur um gut ein Prozent. Auch im schlechten Aktienjahr 2018 schaffte Gold keine positive Jahresperformance. Trotz vieler Unsicherheiten – politisch wie wirtschaftlich – entwickelt sich der Goldpreis in den vergangenen drei Jahren insgesamt nur seitwärts.

Wer Gold als klassische Geldanlage sieht, der wird sehr wahrscheinlich enttäuscht werden. Goldinvestments sollen als Versicherung im Falle eines Zusammenbruches des Geldsystems dienen und weniger der Spekulation auf Kursgewinne. Eine Versicherung, die man hoffentlich sein ganzes Leben lang nicht braucht.

Daher ein Hinweis für Goldbesitzer: bis zu zehn Prozent Goldanteil im Depot reicht – und schauen Sie nicht jeden Tag auf die Preisentwicklung!

Kolumne von Gottfried Urban,
Vorstand der Bayerische Vermögen AG, München