Gold erfreut sich einer großen Nachfrage

Der kurzzeitige Rückgang des Goldpreises auf Euro-Basis zu Beginn dieses Monats hat dem größten deutschen Edelmetallhändler Degussa Goldhandel GmbH den umsatzstärksten Monatsbeginn der letzten vier Jahre eingebracht.

(fw) Deutsche Anleger nutzten dabei vor allem den vorübergehenden Einbruch des Goldpreises auf einen neuen Jahrestiefststand von 967 Euro je Unze rund um das vergangene Wochenende für ihre umfangreichen Käufe. Dass die Anleger den Zeitpunkt richtig gewählt hatten, zeigte sich bereits kurz darauf, als die Goldnotierung hierzulande wieder auf knapp über 1.000 Euro je Unze stieg. Aktuell pendelt sie beiderseits der Marke von 980 Euro hin und her.

Der Auslöser für den zwischenzeitlichen Goldpreisverfall auf Euro-Basis war der plötzliche Kursanstieg des Euros gegenüber dem Dollar am letzten Donnerstag. Die Gemeinschaftswährung war dabei nach dem nicht so deutlich wie erwartet ausgefallenen Zinsschritt der EZB innerhalb von wenigen Stunden von rund 1,05 auf fast 1,10 Dollar je Euro gestiegen. Dagegen hatte der internationale Goldpreis bei 1.060 Dollar je Unze verharrt, was in der Konsequenz zu dem niedrigeren Goldpreis hierzulande führte.

Nachdem der internationale Goldpreis mit etwas Verspätung auf den vorherigen Wertverlust des Dollars mit eigenen Gewinnen antwortete, flaute auch die Nachfrage seitens der deutschen Anleger zur Wochenmitte wieder etwas ab, sie liegt aber immer noch deutlich höher als beispielsweise im vergangenen Monat.

Für die Degussa kam die hohe Nachfrage nicht überraschend. „Natürlich gibt es einige wenige Anleger, die auch beim Goldpreis auf kurzfristige Gewinne spekulieren und so zunächst durch den Preisverfall in der letzten Woche auf dem falschen Fuß erwischt wurden“, so Wolfgang Wrzesniok-Roßbach, Sprecher der Geschäftsführung der Degussa. „Die meisten unserer Kunden suchen jedoch nach einer langfristigen Versicherung für ihr Vermögen. Sie sehen in einem zeitweisen Preisrückgang nichts Negatives, sondern freuen sich, dass sie in so einer Situation eher mehr Gramm Gold für ihr Geld erhalten“.

Die ursächlichen Motive der Goldkäufer in den letzten acht Tagen sind dabei keine anderen als jene, welche schon seit Monaten für eine – im Vergleich zum Vorjahr -überdurchschnittliche Nachfrage sorgen: mit Blick auf China Zweifel hinsichtlich der weiteren Konjunkturentwicklung und damit verbunden Ängste bezüglich der Dauer des derzeitigen Aktienbooms; die Politik des Gelddruckens durch die EZB, neuerdings gepaart mit Gerüchten über ein Geheimabkommen zum Kauf von Staatsanleihen durch europäische Notenbanken und nicht zuletzt die Diskussionen um die Einführung einer europaweiten Einlagensicherung, die in einer möglichen Haftung der deutschen Anleger mit einem Teil ihrer Spareinlagen mündet.

Bisher sind deutsche Anleger, was die Bilanz für das Gesamtjahr betrifft, mit ihren privaten Goldreserven nicht schlecht gefahren. So liegt der Goldpreis in Euro aktuell sogar über dem Preis zu Jahresbeginn und hat damit besser als viele andere Anlageformen abgeschnitten, ohne jedoch, dass wie bei Aktien und Immobilien schon die Gefahr einer Blasenbildung besteht.

Was die Produkte angeht, sind aktuell einmal mehr Degussa Goldbarren mit einem Gewicht von einer Unze bzw. 100 Gramm gefragt. Bei den Münzen stechen der südafrikanische Krügerrand, sowie die kanadische Maple Leaf-Münze heraus. Generell setzen die Kunden bei Münzenkäufen vor allem auf den neuen Jahrgang 2016. Einige Münzprägeanstalten haben ihre Herstellung schon auf den neuen Jahrgang umgestellt, diese sind bei der Degussa bereits verfügbar.

Eine Besonderheit in der momentanen Marktverfassung stellt auch die zuletzt deutlich angestiegene Nachfrage nach Platinbarren und -münzen dar. Angesichts des nach dem VW-Abgasskandal auf ein 6-Jahrestief gefallenen Platinpreises nutzen Anleger hier ganz offensichtlich die Möglichkeit, das in vielen Industriezweigen unverzichtbare Metall relativ günstig einzukaufen. In der Autoindustrie wird das Metall vor allem in den Katalysatoren von Dieselfahrzeugen eingesetzt, dadurch geriet es durch die Zweifel an der Zukunftsfähigkeit dieser Technologie zunächst in einen Abwärtssog, der jetzt wieder etwas abebbt.