„Globale Diversifikation als Portfolioeckpfeiler“

Tim Bröning, Mitglied der Geschäftsleitung der Fonds Finanz Maklerservice GmbH / Foto: © Fonds Finanz Maklerservice GmbH

Wie sollten Sie in unruhigen Marktphasen ein Portfolio zusammensetzen? Eher beim Altbewährten bleiben oder auch einmal den Blick über den Tellerrand werfen? Und ist aktives Management ein Gebot der Stunde? finanzwelt hörte nach bei Tim Bröning, Mitglied der Geschäftsleitung der Fonds Finanz Maklerservice GmbH.

finanzwelt: Wie wichtig erscheint Ihnen die geografische Diversifizierung der Anlagen angesichts der Diskussionen um eine De-Globalisierung?

Tim Bröning: Eine globale Diversifikation ist und bleibt eine der wichtigsten Portfolioeckpfeiler. Dies gilt auch in einer zunehmend protektionistisch geprägten Welt, die durch den USA-China-Handelskrieg und die Corona-Krise nochmal verschärft wird. Doch wie bei jeder strukturellen Veränderung, gibt es hier auch Gewinner und Verlierer, deren Auswahl man am besten an fundamental orientierte Fondsmanager delegiert. Ceteris paribus werden Produktionskosten und damit wohl auch Konsumentenpreise steigen, weil Unternehmen beispielsweise wegen Handelsbeschränkungen oder anderer politischer Einflüsse ihre Prozesse aus Niedriglohnländern verlagern müssen. Die Zeiten immer niedriger Produktionskosten und damit höheren Margen scheinen wohl vorbei zu sein. Traditionell wurden Anlageportfolios anhand der Länderzugehörigkeit der enthaltenen Aktien verwaltet. In der Vergangenheit standen dafür ausreichend regionale Umsatzdaten in nicht standardisierter Form zur Verfügung. Bottom-Up-orientierte Fondsmanager wiesen aber schon immer darauf hin, dass die Länderzuordnungen ihrer Aktienengagements nicht mit dem ökonomischen Exposure gleichzusetzen sind. Der Grund liegt darin, dass kleine wie große Unternehmen global agieren und zunehmend mehr Umsätze außerhalb ihrer eigenen Ländergrenzen erwirtschafteten. Daher ist es keine Überraschung, dass niederländische oder Schweizer Firmen nur neun Prozent ihrer Umsätze im eigenen Land erzielen. Deutsche Unternehmen liegen mit 25 % nicht weit über diesen Wert. Bei US-Firmen, die auf einen großen Binnenmarkt zugreifen können, sind es immerhin rund 63 Prozent. Eine naive regionale Asset Allocation springt deshalb aus unserer Sicht zu kurz. Wichtiger ist wirklich global investiert zu sein und so beispielsweise die echten Umsatzanteile der Wachstumsregionen zu kennen und das Fondsportfolio danach auszurichten.

finanzwelt: Welche Investmentlösungen sind derzeit sehr nachgefragt?

Bröning: Aktuell stehen vor allem Technologieaktien und stark wachsende Unternehmen im Fokus der Anleger. Hierfür gibt es gute Gründe: Unsere Wirtschaft verändert sich rasant und wird durch die neuen Möglichkeiten wie 5G, Cloud-Computing und künstliche Intelligenz immer technologischer und internetbasierter. Auch in den Bereichen der Pharmaindustrie und Biotechnologie herrscht eine große Nachfrage. Unternehmen aus diesen Branchen sind nicht nur kurzfristig im Kampf gegen Corona entscheidend, sondern werden auch die Zukunft maßgeblich mitbestimmen und stehen deshalb zurecht im Fokus der Anleger.

Ein weiterer Trend sind die hohen Zuflüsse in Nachhaltigkeitsinvestments. Dies ist zum einen durch ein stärkeres Umweltbewusstsein in der Bevölkerung und zum anderen durch die Regulierung in der Finanzindustrie begründet. Institutionelle Investoren müssen oder wollen schon aus Sorge vor Reputationsrisiken zunehmend auf die Nachhaltigkeit ihrer Investments achten. Auch Privatanleger entdecken nachhaltige Investments immer öfter für sich. Zum einen liegt das an der globalen Erderwärmung und den Auswirkungen unseres Lebensstils auf den Planeten und zum anderen an der Medienwirksamkeit sowie den Marketingaktivitäten der Produktanbieter.

finanzwelt: Ist 2020 aktives Management zwecks Renditeerzielung erfolgversprechender?

Bröning: Während die meisten Anlageklassen 2020 bisher unter Corona litten, lief es für aktivere Fondsmanager besser als in den Vorjahren. Gemessen an stellvertretend 50 betrachteten Fondskategorien, übertrafen bis Ende Mai 42 % der Kategoriedurchschnitte aktiver Manager ihre Vergleichsindizes. In 2019 waren es dagegen nur 16 % und über die letzten 10 Jahre mit 10 % nochmals weniger. Auffällig ist dabei, dass sich aktive Manager insbesondere bei Nebenwerteaktien, nicht nur in den USA, sondern auch im Euroraum und Großbritannien hervortun und eine Outperformance erzielen konnten. Der Fokus auf stärker wachsende Firmen (Growth-Aktien) machte sich in dem schwierigen Umfeld bezahlt, wo insbesondere zukunftsträchtige und digitale Geschäftsmodelle als Gewinner aus der Krise hervorgingen. Federn mussten dagegen aktive Fonds in den Segmenten lassen, wo sie strukturell zu den Vergleichsindizes untergewichtet sind. Dazu zählen USD-Anleihe- und Mischfonds, wo Manager weniger US-Staatsanleihen und mehr Corporates als im Index halten. Im Tech-Sektor konnten aktive Manager den Apple- und Microsofteffekt – als beide Aktien kumuliert eine Indexgewichtung von über 30 % auswiesen – und im Growth-Segment den Amazon-Effekt – also einer Gewichtung von über 5 % – nicht kompensieren, als diese drei Aktien auf neue Allzeithochs sprangen. (ah)