Gewerbeimmobilien: Sicherheit gewinnt an Bedeutung

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Das aktuelle Investoren-Barometer von BrickVest zeigt, dass die Risikobereitschaft der Gewerbeimmobilien-Investoren insgesamt abnimmt, nicht jedoch bei deutschen Investoren. Damit ergibt sich eine andere Präferenz von Standorten. Der britische Gewerbeimmobilienmarkt zeigt sich vom Brexit unbeeindruckt.

Bezüglich der Risikoakzeptanz ergibt sich in der im März unter institutionellen Investoren durchgeführten Befragung von BrickVest ein Score von 45, im ersten Quartal des Vorjahres hatte er noch bei 51 gelegen. Lediglich 20 % der Befragten gaben an, hohe Risiken eingehen zu wollen, bspw. im opportunistischen Bereich oder bei Projektentwicklungen. Im Vorjahr zogen noch ein Viertel mehr Befragte solche Optionen in Erwägung. Ganz anderes die Entwicklung des Anteils derjenigen, die moderate oder niedrige Risiken suchen: Dieser stieg von 29 % im Vorjahr auf 51 % bei der diesjährigen Umfrage.

Deutsche Investoren sind risikobereiter

Sowohl britische, französische als auch amerikanische Investoren sind immer weniger bereit, Risiken einzugehen. Ganz anders die deutschen Investoren: Der Anteil derjenigen, die bereit sind, hohe Risiken einzugehen, ist im Vorjahresvergleich von 20 auf 25 % gestiegen. Hingegen sind die Anteile derjenigen mit moderater oder geringer Risikoakzeptanz von 52 auf 20 % bzw. 29 auf 25 % zurückgegangen.

Großbritannien bevorzugt

Der regionale Fokus der befragten Investoren verschiebt sich zunehmend in Richtung Großbritannien: 31 % nannten das Vereinigte Königreich als bevorzugtes Ziel für Investitionen in Gewerbeimmobilien, ein Prozentpunkt mehr als im Vorjahr. Der deutsche Markt wird von 23 % der Befragten präferiert, zwei Prozentpunkte weniger als bei der Umfrage im vergangenen Jahr. Dieser Trend wird auch von deutschen Investoren getragen: Im Vorjahr gaben noch 18 % von Ihnen an, den britischen Gewerbeimmobilienmarkt zu bevorzugen, in diesem Jahr waren es hingegen 22 %. Den heimischen Immobilienmarkt favorisierten im Vorjahr noch 53 % der deutschen Investoren, in diesem Jahr waren es lediglich noch 37 %. Somit sind die USA, Frankreich und andere Länder für deutsche Investoren zunehmend attraktiver. Der deutsche Gewerbeimmobilienmarkt verliert auch bei ausländischen Investoren zunehmend an Interesse, besonders bei amerikanischen Investoren ist dies deutlich zu spüren. So interessieren sich nur noch 6 % der befragten amerikanischen Immobilieninvestoren für deutsche Gewerbeimmobilien, im Vorjahr waren es immerhin noch 21 %. Deutlich moderater ging hingegen das Interesse britischer und französischer Investoren an deutschen Gewerbeimmobilien zurück. Von diesen bevorzugen 19 % Gewerbeimmobilien in der Bundesrepublik.

Zurück zu den A-Städten

Trotz sinkender Renditen rücken A-Städte wieder zunehmend in den Fokus von Immobilieninvestoren. So werden diese inzwischen von 64 % der Investoren bevorzugt. Dieser Anstieg geht zulasten der B-Standorten, die zwischenzeitlich von über 40 % der Investoren bevorzugt wurden, bei der jetzigen Umfrage aber nur von 36 % der Befragten als bevorzugtes Investmentziel genannt wurden. Dieser Trend ist auch bei einer separaten Analyse der Antworten britischer, deutscher und französischer Investoren festzustellen; nur bei US-amerikanischen Investoren ergab sich eine leichte gegenläufige Tendenz. Ein Grund für das wieder wachsende Interesse an A-Städten könnte sein, dass für die Investoren das Kapitalwachstum insgesamt an Bedeutung verliert (von 59 % auf 45 %). Dennoch bleibt es mit Abstand wichtigste Investmentziel. Etwas an Bedeutung gewinnt hingegen Liquidität (von 5 % auf 9%). Gemeinsam mit der sinkenden Risikobereitschaft lässt sich also darauf schließen, dass die Investoren relativ risikoarme A-Städte gegenüber den etwas risikoreicheren B-Städten bevorzugen.

„Insgesamt scheint Deutschland seine Funktion als ,safe haven‘ in einem unruhigen Umfeld immer mehr zu verlieren. Andere Märkte, die – wie zum Beispiel Großbritannien – vorübergehend an Attraktivität verloren hatten, rücken wieder stärker in den Fokus der Investoren. In Deutschland dagegen hat die starke, von hohen Kapitalzuflüssen getriebene Nachfrage der vergangenen Jahre die Anfangsrenditen deutlich zurückgehen lassen. Dies trifft insbesondere auf das Core-Segment zu, was das zunehmende Ausweichen deutscher Investoren in Segmente mit ausgeprägterem Chancen-Risiken-Profil erklären kann“, fasst Thomas Schneider, CIO von BrickVest, die Ergebnisse zusammen. (ahu)

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