Geschlossene Fonds mit erwartetem Rückgang

Der VGF Verband Geschlossene Fonds e. V. hat heute in Frankfurt am Main die Branchenzahlen für das Jahr 2009 vorgestellt. Wie von vielen Experten erwartet, war das Platzierungsvolumen im Vergleich zum Jahr 2008 wesentlich niedriger.

(fw/mo) Konkret hat sich das Platzierungsvolumen beim Eigenkapital im Vergleich zum Vorjahr um 3,09 Mrd. EUR auf nun 5,23 Mrd. EUR verringert, was einem Rückgang von 37,09 % im relevanten Markt entspricht. Auch das Investitionsvolumen ging von 15,40 Mrd. EUR in 2008 auf nun 9,46 Mrd. EUR zurück.

Mit minus 71,29 % gegenüber zeichnete sich das Segment Lebensversicherungszweitmarktfonds als der größte Verlierer aus. So sammelten diese Assetklasse in 2009 gerade noch einmal knapp über 100 Mio. EUR ein. Auch Schiffsbeteiligungen und Private Equity Fonds mussten harte Verluste hinnehmen. Während letztgenannte in 2009 mit 239,32 Mio. EUR satte 65,35 % (2008: 711,17 Mio. EUR) Verlust hinnehmen mussten, verringerte sich das platzierte Eigenkapital bei den Schiffsfonds in 2009 um 67,32 % auf 824,11 Mio. EUR. Dennoch gehören Schiffsfonds auch weiterhin zu den Top 3 der Produktklassen und damit auch weiterhin zu den bedeutendsten Anlageklassen im Markt der geschlossenen Fonds.

Aber auch positive Trends zeigte die Finanzkrise bei den geschlossenen Fonds. So konnten geschlossene Immobilienfonds mit Investitionsobjekten in Deutschland sowie Portfolio-, Infrastruktur- und Energiefonds in 2009 Zuwächse verzeichnen. Das platzierte Eigenkapital stieg bei “Deutschland Immobilienfonds” um 12,49 % gegenüber 2008 auf 1,12 Mrd. EUR. Über 150 % Zuwachs konnte sich die Assetklasse der Energiefonds freuen und sammelte in 2009 556,49 Mio. EUR ein. Wohl auch ein Grund, weshalb einige Anbieter im Rahmen der VGF-SUMMIT 2010 Veranstaltung in Frankfurt bekannt gaben, dass sie bereits Produkte aus dieser Klasse in ihrer Pipeline hätten.

Auch Portfoliofonds legten auf 87,71 Mio. EUR zu. Gegenüber 2008 (54,89 Mio. EUR) ist dies ein Zuwachs um 59,79 %. In Infrastrukturfonds flossen mit 70,18 Mio. EUR 66,7 % mehr als im Vorjahr. Das war sicher auch der Anlass, weshalb der VGF diesen beiden Produkten eine eigene Assetklasse im Rahmen ihrer Auswertung der VGF Branchenzahlen 2009 vergab.

Der stärkste Vertriebskanal für geschlossene Fonds war übrigens überaschenderweise sehr deutlich der Bankenvertrieb. 52 % aller Beteiligungen wurden demnach über diesen Kanal platziert (2008: 49 %). Der Vertrauensverlust in die Banken war demnach nicht spürbar. Gefallen ist das Vertrauen eher in den freien Vertrieb – wie kann man sonst deuten, dass in 2009 ein Rückgang um 3 % auf nunmehr 29 % stattfand. Dabei hatte man sich gerade hier einen Zuwachs im Verhältnis zu den Banken erhofft. Gestiegen ist die Bedeutung des Direktvertriebs durch die Anbieter geschlossener Fonds: In 2009 realisierten sie 12 % aller platzierten Beteiligungen und damit 69,15 % mehr als im Vorjahr (7 %).

Wohin geht der Weg? Für 2010 erwartet der VGF eine Konsolidierung des Marktes auf niedrigerem Niveau. “Unsere vorsichtig optimistischen Erwartungen für 2009 haben sich leider nicht bestätigt. Die Auswirkungen der Finanzkrise haben die Branche erst in 2009 voll erwischt”, stellt VGF-Hauptgeschäftsführer Eric Romba fest. “Wir hoffen jedoch, dass sich der Aufwärtstrend vom Ende des Jahres in 2010 weiter stabilisiert. Die Stimmung im Markt hat sich verbessert, wir haben den Boden hoffentlich erreicht”, fasst Romba die aktuelle Situation zusammen.