Gelbes Edelmetall „Gold“ bleibt attraktiv

Man rätselt viel um „sicher geglaubte” Anlagehäfen. Fällt Gold noch hierunter? Als Beimischung in der Portfolioallokation ist das Edelmetall weiter ein integraler Bestandteil. finanzwelt sprach mit Wolfgang Wrzesniok-Roßbach, Sprecher der Geschäftsführung bei der Degussa Goldhandel GmbH.

finanzwelt: Viel wird geschrieben und gerätselt um vermeintlich „sichere” Anlagehäfen. Gibt es so etwas überhaupt noch?
Wrzesniok-Roßbach: Nach wie vor gilt beim Thema Geldanlage das Prinzip der Diversifikation. Viele Assetklassen haben ihre Berechtigung und bei der individuellen Anlageentscheidung kommt es immer auf eine gute Balance zwischen dem Wunsch nach Sicherheit und der Renditeerwartung an. Viele Finanzexperten empfehlen in diesem Zusammenhang, zehn bis 15 % des Vermögens in Gold, Silber und andere Edelmetalle zu investieren. Natürlich sollten die erworbenen Barren oder Münzen dann auch sicher verwahrt werden. Der sprichwörtliche Platz unter dem Kopfkissen ist da sicher nicht die richtige Lösung. Auch ein heimischer Tresor birgt gewisse Risiken. Besser sieht es bei einem Schließfach aus oder auch bei einer Verwahrung in einem Hochsicherheitslager. Beides bietet die Degussa ihren Kunden zu attraktiven Konditionen an. Die Einlagerung erfolgt dabei immer auf den Namen des Kunden; jeder Artikel erhält eine individuelle Artikel-Identifikationsnummer und wird präzise dokumentiert. Das gilt übrigens nicht nur für bei uns gekaufte Edelmetalle, Kunden können auch schon vorhandene Edelmetalle bei der Degussa nachträglich einlagern. Und nicht zuletzt bieten wir durch eine Zusammenarbeit mit global angesiedelten Partnern auch eine sichere Aufbewahrung im Ausland an.

finanzwelt: Welche wichtigen Faktoren gibt es bei der Goldanlage zu beachten?
Wrzesniok-Roßbach: Zunächst müssen sich Anleger Gedanken darüber machen, ob sie lieber Münzen oder Barren kaufen möchten und welche Stückelungen sie bevorzugen. Münzen sind meistens etwas teurer, aber in der Regel sind sie sogar Zahlungsmittel (wobei der Goldwert stets viel höher ist, als der aufgedruckte Nennwert). Barren bieten dagegen eine größere Vielfalt und lasse sich leichter lagern. Grundsätzlich gilt, dass kleinere Einheiten relativ betrachtet teurer sind als größere. Sehr sicherheitsbewusste Anleger werden trotzdem eher kleinere Stückelungen kaufen; Anleger, die in den Edelmetallen ein reines Investment sehen, greifen eher zu größeren Einheiten.

Nachdem diese Entscheidung getroffen ist, sollte ein Goldhändler ausgewählt werden, dem man zu einhundert Prozent vertraut. Es sollte sich um einen Händler von höchster Seriosität und Kompetenz handeln. Das ist wichtig, denn bei Online-Käufen muss der Kunde zum Beispiel Vorkasse leisten, weil der Händler kein Risiko hinsichtlich eines späteren Zahlungseingangs eingehen kann. Deshalb macht es auch Sinn, bei Edelmetallkäufen auf die Qualität eines Händlers mehr zu achten, als auf den letzten noch gesparten Cent beim Kaufpreis.
Ferner spielen dann noch Faktoren wie Beratungsqualität, eine ständige Verfügbarkeit der angebotenen Produkte sowie faire und transparente Preise eine wichtige Rolle. Auch die Möglichkeit, online zu kaufen, das erworbene Metall dann aber in einem Ladengeschäft abholen zu können, wird von Kunden gerne genutzt. Und am Ende ist es sicher von Vorteil, bei einem Händler zu kaufen, der die Edelmetalle später auch wieder anzukaufen bereit ist und dafür dann einen fairen Preis garantiert.

finanzwelt: Warum sollte man den physischen Direktkauf in Form von Münzen oder Barren wählen und nicht beispielsweise ETPs?
Wrzesniok-Roßbach: Wenn Sie physisches Gold besitzen und einen direkten Zugriff darauf haben, ist das aus meiner Sicht besser, als nur ein börsengehandeltes Papierprodukt zu erwerben – auch wenn dieses mit physischem Gold hinterlegt ist. Dabei spielt auch eine Rolle, dass sich dieses Gold in der Regel in England oder den USA befindet und damit außerhalb des Zugriffs des Investors. Wer Sammler- oder Anlagemünzen erwirbt, kommt meist ohnehin nicht auf die Idee, Papierprodukte zu kaufen: Edelmetall will gefühlt und gespürt werden.

finanzwelt: Jüngst konnte vernommen werden, dass sich Anleger vom Goldmarkt zurückziehen, nachdem Spekulationen auftauchten, dass die US-Notenbank Federal Reserve aufgrund von Zeichen eines nachhaltigen Wachstums der einheimischen Wirtschaft die Zinsen bald erhöhen werde. Wie sehen Sie die aktuelle Nachfrage nach Goldmünzen?
Wrzesniok-Roßbach: Die Anleger, von denen Sie sprechen, sind in der Regel institutionelle Großinvestoren. Sie leben von der Spekulation auf manchmal kleinste Kursgewinne und sind weniger auf die Rolle des Goldes als Vermögensversicherung fixiert. Wenn dann der Preis für eine längere Zeit wenig Bewegung zeigt, so wie dies 2014 der Fall ist, steigen sie aus.
Die privaten Anleger agieren da ganz anderes. Die Nachfrage durch sie ist in diesem Jahr immer noch vergleichsweise hoch und bei jeden kleinen Preisrutsch kaufen die Kunden nach. Der Goldabsatz in der Degussa Unternehmensgruppe liegt in diesem Jahr bis jetzt sogar um fast zehn Prozent über dem Vorjahreswert.

finanzwelt: China ist der größte Schmuckgold- und Barrengold-Markt weltweit. Erwarten Sie auch von daher weitere Impulse?
Wrzesniok-Roßbach: In diesem Jahr beobachten wir eine weniger starke Nachfrage aus China. Sollte die Wirtschaft in China in Zukunft weniger schnell wachsen, die Situationen aber einigermaßen geordnet bleiben, könnte sich dieser Trend erst einmal fortsetzen. Sicher ist das aber keineswegs. Falls beispielsweise die Immobilien- und die damit verbundene Kreditblase in China plötzlich platzen, kann die Nachfrage auch ganz schnell explodieren.

finanzwelt: Kürzlich haben Sie Ihre Geschäftsführung personell verstärkt. Planen Sie in diesem Kontext kurz- bis mittelfristig weitere Expansionsschritte?
Wrzesniok-Roßbach: Diese Frage kann ich mit einem klaren „Ja” beantworten. Wir wollen wachsen – national wie international und auch auf verschiedenen Geschäftsfeldern. National sind wir als größter privater Goldhändler schon jetzt durch ein dichtes Niederlassungsnetz in den meisten deutschen Metropolen, aber auch in einigen mittelgroßen Städten vertreten. Aber auch diese Präsenz werden wir weiter Stück für Stück ausbauen. Konkret haben wir vor, noch im Herbst in Hannover die nächste Niederlassung zu eröffnen. International sind wir seit geraumer Zeit in Zürich und in London aktiv. Jetzt stehen wir kurz davor, Niederlassungen in Madrid und Genf zu eröffnen.
Neben der regionalen Expansion denken wir aber auch an die Ausweitung unserer Wertschöpfungskette. Deshalb haben wir vor kurzem eine Edelmetall-Scheideanstalt in Pforzheim erworben. Dort betreiben wir die Aufarbeitung von alten Edelmetallen. Es gehört dazu aber auch die Produktion von Halbfertigprodukten für Juweliere und für die Schmuckindustrie. Mit diesem Schritt bilden wir nun fast die gesamte Wertschöpfungskette im Edelmetallbereich ab, das macht uns sehr stolz.

(Das Interview führte Alexander Heftrich)