GDV spricht sich gegen Pflicht zur Elementarversicherung aus

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Jörg von Fürstenwerth

Eine Pflichtversicherung gegen Naturgefahren erscheine nur auf den ersten Blick als die Lösung

(fw/hwt) Jeder Haushalt wäre sofort versichert, alle Schäden würden reguliert, alle würden gemeinsam das Risiko tragen. Eines werde jedoch übersehen: Eine Pflichtversicherung nehme jeglichen Anreiz für Schutzmaßnahmen in den Gefahrenzonen. Schließlich werde im Schadenfall immer gezahlt – und zwar unabhängig davon, ob der Versicherte zuvor in Präventionsmaßnahmen investiert habe oder nicht. Zudem wäre die Pflichtversicherung ein Freibrief, um weiter in überschwemmungsgefährdeten Gebieten zu bauen. Die Folge: Es entstehe eine Spirale aus zunehmenden Schäden und höheren Kosten, die die Prämien stetig steigen lasse. Jörg von Fürstenwerth, geschäftsführendes Präsidiumsmitglied und Vorsitzender der Hauptgeschäftsführung des GDV: „Wie das in der Praxis aussieht, kann man zurzeit in Großbritannien beobachten. Binnen weniger Jahre haben sich dort die Prämien für Elementarversicherungsschutz vervielfacht. Viele Bürger können sich die Policen nicht mehr leisten.”

Bei der Diskussion um eine Pflichtversicherung dürfe das eigentliche Problem nicht aus den Augen verloren werden: die fehlende Prävention. Eine nachhaltige Lösung seien Investitionen in den technischen und natürlichen Hochwasserschutz. Hier sei die öffentliche Hand genauso gefordert wie jeder Hausbesitzer. Die Ereignisse 2013 haben eindrucksvoll gezeigt, dass zu guter Risikovorsorge Präventionsmaßnahmen und Versicherungsschutz gehören. Ziel der Versicherer sei eine breite Sensibilisierung der Bevölkerung mit einem bundesweiten Naturgefahrenportal, das von einer Informationskampagne flankiert werde. Die Versicherungswirtschaft habe in den vergangenen Jahren viel getan, um Versicherungsschutz in der Breite anbieten zu können. Bundesweit seien heute 99 % aller Gebäude gegen Elementarschäden versicherbar. Für das verbleibende Prozent würden mit Selbstbehalten oder individuellen baulichen Maßnahmen oft bezahlbare Lösungen angeboten. Inzwischen sei jedes dritte Haus in Deutschland gegen Naturgefahren versichert, 2002 sei es nur jedes fünfte gewesen. Selbst in den Hochrisikogebieten, in denen sich statistisch betrachtet alle zehn Jahre ein Hochwasser ereigne, seien bundesweit bereits 26 % der Wohngebäude gegen Hochwasser versichert.

Das Europäische Parlament hat vor Kurzem gegen die Einführung einer europaweiten Pflichtversicherung von Naturkatastrophen gestimmt. Die Risiken von Naturgefahren seien zu vielfältig, zu komplex und regional zu unterschiedlich, um sie mit einer europaweiten Pflichtversicherung erfassen zu können.

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