Führen Umweltauflagen zu Rezession?

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Das Flugzeug mag den Transport weltweit schnell gemacht haben – die Verteilung großer Gütermengen alle Welt erfolgt wie seit Tausenden von Jahren hauptsächlich auf den Weltmeeren. Strengere Umweltauflagen in der Schifffahrt könnten im nächsten Jahr zu einem deutlichen wirtschaftlichen Einbruch führen.

Bei aller umweltpolitischen Diskussion um Autos und Flugzeuge wird ein Transportweg völlig außer Acht gelassen: Die Schifffahrt. Dabei ist diese nach wie vor das wichtigste Instrument des weltweiten Warentransports. Und dieser Transportweg ist alles andere als umweltfreundlich: Allein die 15 größten Hochseeschiffe stoßen pro Jahr genauso viel Schwefeldioxid (So2) aus, wie 750 Mio. PKW, berichtete Per-Ola Hellgren. „Der schädliche Einfluss der Schifffahrt auf die Umwelt wurde dennoch lange Zeit nicht wahrgenommen, da der Schwefelausstoß größtenteils auf hoher See anfällt und daher für die Öffentlichkeit nicht direkt ersichtlich ist“, erläutert der Analyse bei LBBW Research. Der wesentliche Grund für die hohe Umweltbelastung der Schifffahrt ist das Schweröl, mit dem die riesigen Motoren der Schiffe angetrieben werden.

Massive Veränderungen für Schifffahrt

Um die Umweltbelastung durch die Schifffahrt zu senken, hat die International Maritime Organization, die Seeschifffahrtsorganisation der UN, vor drei Jahren festgelegt, dass ab Anfang kommenden Jahres im Treibstoff der Ozeanriesen der Schwefelgehalt maximal 0,5 % betragen darf. Weniger Probleme haben damit Schiffe, die Europas Häfen anfahren, denn an Europas Küsten gilt bereits seit 2010 eine noch strengere EU-Richtlinie, die einen maximalen Schwefelgehalt von 0,1 % zulässt. Da nicht alle Schiffe europäische Häfen anfahren, bestand bislang nicht immer der Anreiz, weniger schwefelhaltige Treibstoffe zu verbrennen. Somit bedeutet die im nächsten Jahr in Kraft tretende Änderung eine bedeutende Umstellung für viele Reeder. Für Per-Ola Hellgren ist dies die größte Veränderung seitdem die Schifffahrt um 1930 von Kohle zu Öl als Kraftstoffquelle umrüstete. Der Preisinformationsdienst S&P Global Platts rechnet damit, dass der Schifffahrtsbranche durch die Umrüstung auf den umweltfreundlicheren Treibstoff in den nächsten fünf Jahren Kosten in Höhe von 1 Bio. US-Dollar entstehen. So müssen bis zu 70.000 Seeschiffe entweder umgerüstet oder verschrottet werden. Dabei stehen Reeder vor der Wahl, schwefelärmere Treibstoffe oder Abgasreinigungssysteme zu benutzen oder auf Flüssigerdgas-Antriebe umzurüsten. Dies ist bislang jedoch nur bei einem Bruchteil der globalen Handelsflotte geschehen. „Hierdurch werden mit hoher Wahrscheinlichkeit bei der internationalen Schifffahrt gleichzeitig die Kosten steigen und die verfügbaren Kapazitäten sinken“, prognostiziert Per-Ola Hellgren. Zudem sei wegen zu geringer Raffineriekapazitäten beim Treibstoff teilweise sogar mit Versorgungsengpässen zu rechnen. Von dieser Gemengelage könnte auch die Weltwirtschaft in Mitleidenschaft gezogen werden, meint Per-Ola Hellgren. So ist der Analyst der Meinung, dass steigende Kosten und sinkende Kapazitäten den Welthandel als schwächstes Glied der Kette belasten würden. „Als Konsequenz könnte das Weltwirtschaftswachstum 2020 spürbar geringer ausfallen, da mehr als 80 % des Welthandels über die Schifffahrt abgewickelt werden. Die Einführung zum Jahreswechsel würde damit die Gefahr einer weltweiten Rezession erhöhen.“

Als einzige Hoffnung sieht er, dass der Kostenanstieg in der Containerschifffahrt für eine Frachtverlagerung auf die umweltfreundlichere Schiene sorge, vor allem zwischen China und Europa. Diese Hoffnung dürfte sich aber wohl kaum erfüllen: Vermutlich dürften die enormen Menge, die regelmäßig aus Ostasien nach Europa per Schiff transportiert werden, die Kapazität der Bahnverbindung schnell überfordern: Im vergangenen Jahr wurden auf dieser Strecke ca. 90.000 Container in ca. 3.600 Zügen transportiert. Zum Vergleich: Die größten Containerschiffe schaffen alleine mehr als 10.000 Container auf einmal. (ahu)