FTX-Crash – was ist passiert?

Grigori Akimov, Krypto- Analyst bei F5 Crypto Capital GmbH / Foto: © F5

Die bekannte Kryptobörse FTX steht unter Druck. Kunden können ihre Kryptowerte nicht mehr problemlos auszahlen lassen. Die Stimmung am Markt ist dadurch enorm angespannt und die Kurse sind hochvolatil. Wie konnte es dazu kommen und was hat CZ [Changpeng Zhao, a.d.R.], der CEO von Binance, damit zu tun?

Eine kurze Vorgeschichte

Die Kryptobörse FTX wurde 2019 von Sam Bankman-Fried gegründet. Binance ist einer der ersten Geldgeber. Vor der Gründung von FTX hatte sich Sam Bankman-Fried bereits mit seinem Hedgefonds „Alameda Research“ einen Namen in der Krypto-Welt gemacht.

Die jüngsten Ereignisse

Im Oktober war Sam Bankman-Fried in Washington D.C. unterwegs, um für eine überarbeitete Krypto-Gesetzgebung zu werben. Von dieser sollte vornehmlich die eigene Börse profitieren. Ein ungeschickter Spielzug? Am 02. November 2022 sickerte dann eine Bilanz von „Alameda Research“ durch. Diese Veröffentlichung sorgte für Schlagzeilen, denn „Alameda“ wurde beschuldigt, seine Bücher mit illiquiden Kryptowerten aufgeblasen zu haben und Schulden mit diesen zu decken. Dazu kommt, dass die Bilanz hauptsächlich mit den FTT-Token der Börse FTX gefüllt war.

Aus Angst vor einem rapiden Kursabfall des FTT-Tokens hat sich die Kryptobörse Binance daraufhin dazu entschlossen, ihre FTT-Position, aus den Gründungszeiten von FTX, in der Höhe von hunderten Millionen USD zu liquideren. Interessant ist, dass dies über Twitter bekannt gegeben wurde, was zu großer Verunsicherung am Markt führte. Ein kluger Schachzug von Binance-CEO CZ? Denn da FTX selbst ebenfalls massive Bestände des hauseigenen FTT-Tokens hält, kamen nun die ersten Zweifel an der Zahlungsfähigkeit der Kryptobörse auf.

Dies löste am 7. November einen Ansturm auf die Krypto-Einlagen von FTX aus, da Nutzer schnellstmöglich ihre Vermögenswerte in Sicherheit bringen wollten. Aber nur wenige hatten Glück und schon bald baute sich ein massiver zeitlicher Verzug bei den Auszahlungen auf. Die Lage spitzte sich zu und am Dienstag, 08. November 2022, schaffte es der FTT-Token trotz Unterstützung von „Alameda Research“ nicht, dem massiven Verkaufsdruck standzuhalten und stürzte ab.

Große Unsicherheit wird anhalten

Am Abend verkündete der FTX-CEO Sam Bankman-Fried einen vermeidlichen Ausweg aus der Krise: Binance hat eine Absichtserklärung unterzeichnet, FTX zu übernehmen. Den Markt konnte diese Neuigkeit jedoch nur kurzzeitig beruhigen. Denn eines ist jetzt klar: FTX steckt in massiven Schwierigkeiten. Anders kann eine solch verzweifelte Maßnahme nicht gerechtfertigt werden. Die Angst am Markt bleibt, denn die Lage ist ungewiss. Wie groß sind die Verflechtungen von FTX, „Alameda Research“ und weiteren großen Spielern im Kryptomarkt? Hat Binance die nötigen Mittel, um FTX zu retten? War dies ein Racheakt von Binance, dessen Auswirkungen massiv unterschätzt wurden?

Die Analysten von F5 Crypto erwarten in den kommenden Tagen weitere Turbulenzen und Unsicherheit. In solch unsicheren Zeiten sowie einem Mangel an verlässlichen Informationen ist es wichtig, das Risiko zu reduzieren und Anleger zu schützen.

Marktkommentar von Krypto-Analyst Grigori Akimov,
F5 Crypto Capital GmbH