Frauenanteil steigt weiter

Monika Schulz-Strelow

Der Frauenanteil in den Boards der europäischen Unternehmen steigt weiter. Nach aktuellem Stand sind 25 Prozent der Mitglieder Frauen – 2011 lag der Anteil noch bei 13,9 Prozent. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Initiative European Women on Boards zum Frauenanteil in den Boards der Unternehmen des STOXX Europe 600 in Europa.

(fw/rm) “Unsere Analyse der führenden Unternehmen aus 17 europäischen Ländern zeigt, dass der Anteil von Frauen in den Boards innerhalb von 5 Jahren von 13,9 auf 25 Prozent gestiegen ist. Insbesondere machen die Ergebnisse deutlich, dass der Anteil von Frauen als unabhängige, nicht geschäftsführende Mitglieder der Boards (non-executive directors) in erheblichem Maße angestiegen ist. Damit ist es ihnen möglich, Einfluss auf strategische Entscheidungen der führenden europäischen Unternehmen zu nehmen. Dies ist ein großer Fortschritt, der letztendlich zu einem Anstieg von Innovation und Wettbewerbsfähigkeit in der europäischen Wirtschaft führen und dazu beitragen wird, nachhaltige Wachstumspotenziale zu realisieren“, erklärt Marie-Ange Andrieux, stellvertretende Vorsitzende von EWoB und Mitherausgeberin der Studie. Die gemeinsam mit Institutional Shareholder Services (ISS) durchgeführte Studie Realizing Europe’s Potential: Progress and Challenges analysiert die Entwicklung der Vielfalt in den Aufsichtsräten und Vorständen der Konzerne in den vergangenen 5 Jahren. Europaweit sind dabei sowohl Fortschritte als auch Stagnation und teilweise auch Rückschläge zu beobachten. Deutschland liegt mit einem Wert von 22,6 Prozent Frauen in den Aufsichtsräten unter dem europäischen Durchschnitt. „Deutschland liegt im europäischen Vergleich immer noch zurück“, betont Monika Schulz-Strelow, Präsidentin von FidAR e. V. und deutsches Mitglied des EWoB Netzwerks. „Die gesetzliche Regelung war notwendig, um den Prozess zu beschleunigen. Viele Unternehmen gehen ja bereits mit gutem Beispiel voran. Aber es sind noch zu wenige, um eine echte Trendwende herbeizuführen.“ „Diversity in der Unternehmensleitung führt zu höherem Unternehmenserfolg!“ Untersucht werden die Trends auf Unternehmens-, Länder- und Branchenebene in Bezug auf den Anteil von Frauen in den Chefetagen. Aufgrund des dualistischen Systems wurden für Deutschland die Aufsichtsräte untersucht, die Boards (Verwaltungsräte) in anderen europäischen Ländern haben in der Regel sowohl Geschäftsleitungs- (Executive/Vorstand) als auch Kontrollfunktion (Non-Executive/Aufsichtsrat). Der Report kommt zu dem Ergebnis, dass eine wichtige Rolle von Frauen in Führungspositionen von entscheidender Bedeutung für die Zukunft der europäischen Wirtschaft ist. Es lägen umfassende Nachweise dafür vor, dass ausgeglichen mit Frauen und Männern besetzte Boards zu mehr Innovationskraft, höherer Wettbewerbsfähigkeit, nachhaltigem Wachstum und mehr Wohlstand führen. Für die Studie wurden umfassende Daten zur Präsenz von Frauen in Führungspositionen erhoben, einschließlich etwa Informationen zur Vergütung im Verhältnis zu ihren männlichen Kollegen. Darüber hinaus enthält die Studie einen Überblick über die gesetzlichen Rahmenbedingungen, beispielsweise Quotenregelungen oder Zielvorgaben für den Frauenanteil. Schweden liegt nach der Studie beim Frauenanteil in den Boards vorne, gefolgt von Norwegen, Belgien, Finnland und Frankreich. In diesen Ländern stellen Frauen mehr als 30 Prozent der Board-Mitglieder. Bei den Branchen nehmen Telekommunikation, Finanzen, Konsumgüter und Nahrungsmittel eine führende Position im Hinblick auf die Vielfalt in den Boards ein. “Auch wenn wir einen generellen Trend zu einer stärkeren Teilhabe von Frauen in Führungspositionen feststellen, gibt es noch erhebliche Unterschiede zwischen den Ländern. Insgesamt muss noch viel getan werden, bevor wir erklären können, dass Frauen und Männer in Bezug auf die Top-Positionen in der Wirtschaft auf Augenhöhe sind“, betont Dr. Roger Barker, Direktor von EWoB und Mitglied des Institute of Directors in Großbritannien sowie Mitherausgeber der Studie, in London. Cécile Coune, Vorsitzende und Gründungsmitglied von EWoB, sieht eine wachsende Rolle von EWoB als Wegbereiter für mehr Chancengleichheit und Vielfalt in den Boards: „EWoB ist zwar eine relativ junge Organisation. Unsere Vision eines dynamischen europäischen Netzwerks generiert aber schon jetzt einen Mehrwert für alle Organisationen, die in ihren Ländern für mehr Frauen in Führungspositionen eintreten. Eine transparente Führungskultur in börsennotierten Unternehmen ist im Interesse der Wirtschaft und der gesamten Gesellschaft. Unsere Studie bringt mehr Licht in die Führungsetagen und regt die Diskussion darüber an, wie wir die Fortschritte nutzen können, die Frauen in den letzten Jahren erreicht haben.“ PDF zur EWoB-Studie www.ewob-network.eu