Fondsrating: Eine speziellere Sicht der Dinge

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Die Researchfirma Morningstar hat eine Art Ranking der 20 größten Fondsanbieter in Europa. Das Ergebnis ist aus Sicht des deutschen Marktes vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig denn es wurde nicht einfach das Volumen der Fonds gewertet sondern eine Gewichtung anhand der Analysen von Morningstar zugrunde gelegt. Daher ist ein Schwergewicht vom deutschen Markt wie die zur Sparkassengruppe gehörige DEKA mit einem verwalteten Vermögen von rund 126 Mrd. Euro nicht vertreten, während etwa die Fonds-Manager der AXA mit Assets von 70,2 Mrd. Euro noch auf Rang 20 dabei sind. Morningstar hat sich auf das Volumen jener Fonds beschränkt, die von den hauseigenen Analysten bewertet („geratet“) werden.

Aber auch die französischen Asset-Manager kommen dabei nicht sonderlich gut weg: Für die Amundi, die sich mit einem verwalteten Vermögen von 1,4 Billionen Euro (1.400 Milliarden Euro) als Nummer 1 in Europa sieht, werden von Morningstar nur 208,6 Milliarden angerechnet, was Platz 2 nach Blackrock (mit Zurechnung von 262,2 Mrd. Euro) bedeutet. Offenbar passen die französischen Häuser nicht allzu gut zur amerikanisch geprägten Sicht von Morningstar. In diese Richtung deutet nämlich auch, dass Amundi und die ebenfalls französische BNP-Paribas zu den drei am schwächsten bewerteten Häusern gehören anhand der durchschnittlichen Bewertung aller Fonds. Die Fonds der BNP-Paribas erhalten im Durchschnitt über alle Fonds gerade 2,88 Sterne, bei Amundi sind es 2,99. Dazwischen liegt nur Franklin Templeton mit 2,89 Sternen. Auch die Bewertung anhand des Volumenanteils der Fonds mit 4-5 Sternen am Gesamtvolumen der Häuser verweist die Franzosen unter die letzten drei mit 35% bzw. 36%, nur die Swedbank schneidet hier mit 29% noch schlechter ab.

Jenseits dieser diskussionswürdigen Bewertungsfragen enthält das Ranking aber auch wichtige Hinweise auf die Qualität der Häuser. Eine gute Grundlage dafür ist die Bewertung anhand des durchschnittliche Ratings der Fonds (gewichtet mit dem Volumen) jeweils gesondert für die drei großen Gruppen Aktien („Equity“), Renten („Fixed Income“) und Mischfonds („Allocation“) vornimmt. Damit wird ein grobes Stärken-Schwächen-Profil der Häuser sichtbar.

Bei Aktien- und Rentenfonds liegen die angelsächsisch geprägten Häuser PIMCO und Schroders (in dieser Reihenfolge) klar vorne. Nur diese beiden erzielen im gewichteten Durchschnitt in beiden Sparten mehr als 4 Sterne.

Völlig anders das Bild bei den Mischfonds, die weniger ausgeklügeltes Research im Detail sondern eher strategischen Weitblick erfordern: Hier liegt das Haus Vanguard mit (mit dem absolut besten Ergebnis von durchschnittlich 4,91 Sternen) rechnerisch vorne. Dahinter kommen aber mit Allianz Global Investors (4,54 ), Union Investment (4,07) und der Nordea (4,02) eher europäische Häuser, die bei Aktien und Anleihen weniger glänzen. Nur Invesco schiebt sich mit 4,07 Sternen dazwischen. Schroders kommt hier nur auf 2,97 Sterne. Offenbar ergibt sich aus hoher Kompetenz für die beiden wichtigsten Märkte der Mischfonds noch keine Kompetenz zur Steuerung der komplexeren Strategien.

Damit liefern die Morningstar-Daten trotz der eingangs geschilderten Bewertungsfragen mit Hilfe des aufscheinenden Stärken-Schwächen-Profils der einzelnen Häuser einen wertvollen Beitrag zur Orientierung bei der Fonds-Selektion. (mk)