Fondsgebundene LV: Anbieter verschenken Potenzial

Fondsgebundene Lebensversicherungen haben noch deutliche Luft nach oben / Foto: © Elena Degano-stock.adobe.com

Angesichts immer weiter sinkender Zinsen werden fondsgebundene Lebensversicherungen zunehmend beliebter. Jedoch verschenken viele Anbieter bei diesen Produkten Potenzial, wie eine aktuelle Untersuchung der f-fex AG zeigt.

Für die Studie wurden wie Geschäftsberichte von 74 Lebensversicherern (62 Konzerngesellschaften) des Jahres 2016 ausgewertet. Damit deckt die Untersuchung ca. 99 Mrd. Euro des knapp über 100 Mrd. Euro schweren Anlagestocks fondsgebundener Kapitallebens- und Rentenversicherungen ab. Ein großes Problem, das die Untersuchung offenbart, ist dass die Policen unter ineffizientem bzw. kaum vorhandenem Management des Anlagestocks leiden. Zudem bleiben Rating und Performance der angebotenen Zielfonds weiter hinter dem Möglichen zurück. So stehen den zum Teil hohen Anlagerisiken nicht immer angemessene Risikoprämien gegenüber.

Mängel bei Performance und Rating

„Fondsgebundene Renten- und Kapitallebensversicherungen bieten im aktuellen Zinsumfeld für die Versicherten große Vorteile, weil diese Policen das Bedürfnis nach Sicherheit und Performance verbinden können“, erklärt Dr. Tobias Schmidt, Vorstandschef der f-fex AG. Damit dieses Potenzial jedoch auch genutzt werden kann, müssten die Versicherten auf Top-Fonds, gutes Management und umfangreiche Beratung bauen können. „Davon ist man derzeit leider noch weit entfernt“, so Schmidt. So sind mehr als zwei Drittel des Fondspolicen-Anlagestocks der deutschen Versicherer in Fonds mit durchschnittlichem oder gar schwachem Rating investiert.

Bezogen auf die Performance fällt die Bilanz noch schlechter aus. So war nur ein Viertel des Anlagestocks Ende 2016 in Fonds mit nennenswerter Outperformance in 2017 investiert, während drei Viertel in durchschnittlich oder gar unterdurchschnittlich performenden Fonds allokiert war. So fanden sich in vielen Portfolios Produkte, die aktuell nur wenig Rendite bringen. ETFs und neue, innovative Fondskonzepte waren im Bestand bisher kaum vertreten. „Insgesamt ergibt sich daher ein ernüchterndes Bild“, erklärt f-fex-Vorstand Schmidt: „Die meist offensiv ausgerichteten Portfolios der Versicherten bleiben trotz der zuletzt positiven Aktienmarktentwicklung weit hinter dem Markdurchschnitt und den Erwartungen der Anleger zurück.“

Produktanbieter unterscheiden sich zum Teil deutlich

Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass die Spannbreite der Versicherer bezüglich Qualität und Performance sehr groß ist. So variiert die Wertentwicklung des jeweiligen Anlagestocks zum Stichtag 31. Dezember 2016 im Folgejahr 2017 bei großen und mittelgroßen Versicherern zwischen 1,7 und 9,4 %. Während manche Produktanbieter überhaupt keine Top- Fonds (4 und 5 Sterne) im Anlagestock haben, sind es bei manchen Anbietern bis zu 88 %.

Grundlegende Veränderungen notwendig

Die Studie belegt: Grundlegende Veränderungen sind notwendig, um die fondsgebundene Lebensversicherung zu einem zentralen und wachstumsstarken Geschäftsfeld weiterzuentwickeln. „Hierzu gehören neben dem laufenden Abgleich von Portfoliorisiko und Risikotragfähigkeit des Kunden eine laufzeitgerechte Portfolioallokation sowie die kontinuierliche Qualitätsprüfung der eingesetzten Fonds“, so Schmidt. „Gerade in der Langzeitbetrachtung können Kunden durch Anpassungen im Portfolio erhebliche Vorteile erzielen.“

Auch in der Kundenkommunikation sei ein Umdenken erforderlich. „Dies gilt sowohl für den Bestand als auch für das Neugeschäft. Den Kunden sich selbst zu überlassen, ist nicht nur wenig kundengerecht, sondern birgt künftig auch Haftungsrisiken, die sich aus der neuen europäischen Versicherungsvertriebsrichtlinie (IDD) ergeben. „Ein „Weiter-So“ kann daher nicht im Interesse von Vermittlern und Versicherern sein. Der Endkunde wird eine aktivere Betreuung in jedem Fall begrüßen.“ (ahu)

www.f-fex.de