Folgen Sie noch Ihrem Erfolg oder leben Sie ihn?

Dr. Jan Ostarhild

Die Ostarhild-Kolumne: Fokussierung auf unser wertvolles Ziel mit der Kraft unseres Willens

Täglich prasselt eine ungeheure Flut an Informationen auf unsere 5 Sinne ein und es werden täglich mehr: Das Smartphone meldet sich, weil wir eine neue Nachricht empfangen haben. Beim Surfen im Internet wird versucht, uns durch vielfältigste Anreize von unserer eigentlichen Arbeit abzulenken bzw. uns in eine bestimmte Richtung zu lenken. Ein Kunde hat uns eine E-Mail geschickt, die schlechte Gefühle in uns auslöst. Ein anderer hat gerade einen wichtigen Termin abgesagt. Solche starken Reize und teilweise völlig unzusammenhängende Informationen stiften Verwirrung in unserem Kopf.

Zwar wirken sie auf bestimmte Weise interessant und üben eine große Anziehungskraft auf uns aus, weil sie es vermögen, starke Emotionen auszulösen und uns aus unserem Alltag herauszureißen; mittel- und langfristig erschweren sie jedoch die Fokussierung auf unser wertvolles Ziel oder machen sie gar zunichte. Verzettelung in der äußeren Welt und das Verlieren in Trivialitäten sind die Folge.

Wir müssen diese Informationsflut in unser Gehirn stoppen. Und das können wir mit Hilfe der Kraft unseres Willens tun. Der Wille ist ein sehr mächtiges Werkzeug. Wir können den Willen mit einem Brennglas vergleichen, das die Energie der Sonne bündelt und auf einen bestimmten Punkt konzentriert. Bestimmt haben Sie als Kind mal mit einer Lupe und einem Blatt Papier experimentiert und wissen, wieviel Energie durch Bündelung erzielt werden kann. Genau das ist es, was der Wille mit unserem Geist macht: er bündelt die Energie der Gedanken auf das, was uns wichtig ist.

Der Wille gibt uns die Möglichkeit, uns zu fokussieren. Auf was wollen wir uns fokussieren? Natürlich auf unser wertvolles Ziel. Stellen Sie sich doch mal vor, Sie hätten ständig ein Bild von Ihrem Ziel vor Augen, oder – noch besser – Sie würden die Welt aus der Perspektive Ihres bereits erreichten Ziels betrachten: Welche Gefühle löst dieser Zustand in Ihnen aus?

Vielleicht denken Sie nun, dass Sie einen schwachen Willen haben, weil Sie sich in der Vergangenheit viel vorgenommen, tatsächlich aber relativ wenig davon umgesetzt haben. Die gute Nachricht ist, dass wir unseren Willen trainieren können. Probieren Sie doch mal täglich folgende Übung aus: Versuchen Sie sich 5 Minuten lang, auf einen bestimmten Gegenstand in Ihrer Nähe zu konzentrieren und gedanklich ausschließlich bei diesem Gegenstand zu bleiben, quasi mit diesem Gegenstand zu verschmelzen. Am Anfang ist es gar nicht so einfach, keine anderen Gedanken zuzulassen, nicht einmal für wenige Sekunden. Doch mit der Zeit wird es Ihnen besser und besser gelingen und die Zeitspanne der Konzentration wird größer. Bei dieser Übung gilt die Wie im Kleinen, so im Großen-Regel: Wenn Sie sich willentlich auf einen Gegenstand konzentrieren können, können Sie sich auf alles konzentrieren.

Übrigens kenne ich einen Menschen, der sich wieder einen einfachen Taschenrechner zugelegt hat, weil er trotz seines äußerst stark ausgeprägten Willens nicht den Verführungen unterliegen will, denen wir bei der Benutzung unserer Smartphones ausgesetzt sind.

Wie stark ist Ihr Wille ausgeprägt? Wodurch lassen Sie sich leicht von Ihrem wertvollen Ziel ablenken? Und wie ist es um Ihre weiteren mentalen Fähigkeiten bestellt, die wir neben unserem Willen besitzen? Lassen Sie uns herausfinden, wie Sie damit anfangen können, auf eine neue und mächtige Art und Weise zu denken. Sind Sie dazu bereit?

Dr. Jan Ostarhild ist Professor im Studiengang BWL-Versicherung an der staatlichen DHBW Stuttgart und wissenschaftlicher Leiter von „Denken in Ergebnissen“. Er schreibt wöchentlich auf finanzwelt.de zu Themen der Persönlichkeitsentwicklung.