Flüchtlinge integrieren – Rente sichern?

Integration ist Sozial- und Rentenpolitik
Sprachtraining und Bildung für Flüchtlinge fordern Verbände © Frank Gärtner - Fotolia.com

Die Themen Rente und Altersvorsorge gewinnen in der Politik an Bedeutung. Integration von Flüchtlingen oder eine gesetzlich gesteuerte Einwanderung ist ein Teil dieser Sozialpolitik.

2016-06-09 (fw/db) Der Bundesverband der Grünen Wirtschaft (UnternehmensGrün) fordert verstärkte Anstrengungen zur Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt und die rasche Verabschiedung eines Einwanderungsgesetzes. In seinem aktuellen Positionspapier schlägt der Verband ein Punktesystem vor, mit dem der Anspruch auf ein dauerhaftes Bleiberecht erworben werden kann. Der Verband Bitkom bietet interessierten Unternehmen digitale Unterstützung. „Wenn die geburtenstarken Jahrgänge in den nächsten Jahren das Rentenalter erreichen, fehlt jährlich eine sechsstellige Zahl an Arbeitskräften. In zahlreichen Berufen ist es bereits heute schwierig, Nachwuchskräfte zu finden. Wenn die Aufnahme von Arbeit einer der wesentlichen Schlüssel zur Integration der Geflüchteten in unsere Gesellschaft darstellt, so sind in erster Linie die Unternehmen gefordert, diese Arbeitsplätze zu schaffen und Zuwanderern anzubieten. Sie werden Zeit und Geld in die Aus- und Weiterbildung von Migranten investieren müssen, jenseits allen kurzfristigen betriebswirtschaftlichen Kalküls“, so Gottfried Härle, Inhaber einer mittelständischen Brauerei Clemens Härle KG aus Leutkirch und Vorstandsmitglied von UnternehmensGrün. Allein aufgrund der demographischen Entwicklung können die deutsche Wirtschaft und die soziale Versicherung langfristig von der gestiegenen Zuwanderung nur profitieren. Neben der Wirtschaft sieht der Verband UnternehmensGrün aber vor allem die Politik in der Pflicht. Der Verband fordert die möglichst rasche Verabschiedung eines Einwanderungsgesetzes, um Migrantinnen und Migranten eine Brücke vom Asyl zur geregelten Einwanderung zu bauen. „Wer es innerhalb eines bestimmten Zeitraums schafft, sich ausreichende Sprachkenntnisse anzueignen, einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu finden und erfolgreich an einem Integrationskurs teilgenommen hat, sollte Anspruch auf ein dauerhaftes Bleiberecht in Deutschland haben. Die entsprechenden Qualifikationen und Voraussetzungen könnten über ein Punktesystem nachgewiesen werden, in das auch noch ehrenamtliches oder soziales Engagement einfließen könnte. Über ein derartiges Punktesystem wäre es auch möglich, den Familiennachzug zu regeln“, so Härle.

Auch die Bitkom unterstützt Integration

Nach Ansicht des Verbandes Bitkom bietet die Digitalisierung über den Arbeitsmarkt hinaus großes Potenzial, um die Integration von Flüchtlingen zu verbessern und zu beschleunigen. Die Chancen reichen dabei von Übersetzungs-Apps für das Smartphone über Online-Kurse, die das bislang zu geringe Angebot an Sprachkursen ergänzen können, bis zum Zuschalten von Dolmetschern bei Behördengängen über das Internet. Darüber hinaus könnten durch die Einführung einer digitalen Akte sowohl Mehrfacherfassungen verhindert als auch ein reibungsloser Datenaustausch, etwa über Qualifikationen, ermöglicht werden. Einen Überblick hat Bitkom unter dem Titel „Flüchtlingsintegration: Potenziale der Digitalisierung“ veröffentlicht. Doch nicht nur Verwaltung und Politik sind gefordert, auch die Unternehmen können sich bereits heute engagieren. Bitkom hat online eine Reihe von Fallbeispielen zusammengetragen, wie Unternehmen aus der IT- und Digitalbranche ganz konkret bei der Flüchtlingsintegration mitwirken. Daneben gibt es einen Überblick mit Links zu Möglichkeiten, wie interessierte Unternehmen selbst aktiv werden können. „Die Digitalisierung kann uns helfen, die große Herausforderung der Integration der geflüchteten Menschen besser und schneller zu meistern. Die Digitalunternehmen selbst können darüber hinaus selbst viel beitragen, um vor Ort in ihrem direkten Umfeld Flüchtlingen konkrete Hilfe zukommen zu lassen“, so Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. Für Unternehmen, die Flüchtlingen einen Praktikumsplatz oder einen Stelle anbieten wollen, bietet die Bitkom Akademie ein kostenloses Online-Seminar an. Darin wird ein Überblick über die rechtlichen Vorschriften bei der Beschäftigung von Flüchtlingen gegeben, etwa mit Blick auf eine Arbeitserlaubnis oder die sogenannte Vorrangprüfung. Eine Anmeldung ist hier möglich.