Fiskalpolitik deutet Wende am britischen Anleihemarkt an

„Wenn sich die politische Linie nur ein wenig verändert, könnte das das Ende der langen Phase sinkender Zinsen bedeuten.“

Chris Iggo, CIO Fixed Income bei AXA Investment Managers

(fw/rm) Nach dem Brexit-Referendum könnte die Fiskalpolitik zum entscheidenden Faktor am britischen Anleihemarkt werden. Laut Chris Iggo, CIO Fixed Income bei AXA Investment Managers, könnte die britische Regierung im Herbst eine fiskalische Lockerung zur Belebung der volkswirtschaftlichen Nachfrage auf den Weg bringen. „Eine lockerere Fiskalpolitik dürfte dem Absinken der Renditen endlich einen Boden einziehen, der sich in etwa auf dem jetzigen oder nahe des jetzigen Niveaus befindet. Das technische Momentum der Anleihemärkte ist zwar noch stark, doch die aktuellen Bewertungen sind äußerst hoch. Wenn sich die politische Linie nur ein wenig verändert, könnte das das Ende der langen Phase sinkender Zinsen bedeuten“, erwartet der Experte. Zwar habe die Bank of England erst jüngst auf die ökonomische Erschütterung durch das Referendum mit einer weiteren Zinssenkung und einer Wiederbelebung des Quantitative Easing reagiert. Doch müsse die Wirksamkeit geldpolitischer Maßnahmen immer wieder kritisch geprüft werden. „Wir haben nun schon einige Jahre unkonventioneller Geldpolitik hinter uns und machen uns noch immer Sorgen darum, dass das Wachstum nicht stark genug und die Inflation zu niedrig ist“, sagt Iggo. Bislang habe auch das jüngste Kaufprogramm der Bank of England vor allem den Kurs des britischen Pfundes gedrückt und die Preise britischer Anlagen in die Höhe getrieben. Der Anleihemarkt bewege sich nun näher an den europäischen Kernmärkten als am US-Markt. Die Zinskurve britischer Staatsanleihen habe sich abgeflacht, und die Rendite zehnjähriger Gilts liege deutlich niedriger als zur Zeit des Referendums. Zudem sei der Spread zwischen Staatsanleiherenditen und Leitzins etwa so hoch wie bei deutschen Bundesanleihen. Bei 30-jährigen Gilts liege der Spread allerdings noch über dem entsprechender deutscher Bundesanleihen. „Zumindest bei den Renditen langlaufender Anleihen scheint es im Vereinigten Königreich noch Spielraum nach unten zu geben, insbesondere wenn man die Dynamik von Angebot und Nachfrage am langen Ende der Kurve mit in Betracht zieht. Allerdings handelt es sich dabei eher um eine taktische Option“, analysiert Chris Iggo. Denn bei einem Kurs von 152,38 Prozent und einem Kupon von 3,5 Prozent über die nächsten 30 Jahre ergebe sich eine effektive Verzinsung von nur 1,29 Prozent – für einen Buy-and-Hold-Investor sei das ein wenig attraktives Geschäft. „Diesseits des Atlantiks ist es schwer geworden, Renditen von um die drei Prozent zu finden. Wer hohe Erträge sucht, muss sich in den unteren Rating-Segmenten der High-Yield-Märkte umsehen“, sagt Iggo. Sowohl in den USA als auch an den europäischen Märkten erbrächten Anleihen mit dem Rating CCC derzeit Renditen von rund 13 Prozent. Allerdings gingen Erträge wie diese mit einem deutlich höheren Ausfallrisiko einher. Laut Standard & Poor’s liege die langfristige Ausfallrate bei den Ratings CCC und niedriger bei 25 Prozent, verglichen mit 3,8 Prozent im einstelligen B-Bereich. „Auch hinsichtlich der erwarteten Volatilität und der Korrelation mit risikofreien Fixed-Income-Assets weist dieses Segment eher eine Ähnlichkeit mit Aktien auf“, fügt der Anleihen-Experte hinzu. Der Großteil der Ausfallrisiken konzentriere sich derzeit im Ölsektor, wo sich Renditen nahe 19 Prozent erzielen ließen. „Angesichts solcher Renditen und bei Ölpreisen von über 50 US-Dollar pro Barrel dürften sich Investoren verstärkt in diesem Segment engagieren, zumindest, um auf kurze Sicht das gute Momentum auszunutzen“, sagt Iggo. www.axa-im.com