Fintech treiben Schalterbeamte an

Die Digitalisierung erreicht die Banken und die Assekuranz. Die Banken trifft es viel schneller, weil die Kreditkonditionen und eine Bonitätsprüfung digital sehr leicht zu standardisierende IT-Prozesse sind.

2016-02-05 (fw/db) Mit dem Beginn der Berichtssaison legen die traditionellen Bank-Institute dar, wie sie sich in einem weltwirtschaftlich schwierigen Umfeld geschlagen haben. Credit Suisse hat gestern für 2015 einen Verlust von 2,92 Milliarden US-Dollar bekannt gegeben, das ist der erste Jahresverlust seit 2008 und begründet sich mit auf die andauernden Kostensenkungsmaßnahmen. Einem aktuellen Bericht zufolge hat auch die Deutsche Bank AG ihren ersten Jahresverlust seit der Finanzkrise von 2008 ausgewiesen, der neue Vorstandschef schreibt ihn den bestehenden Altlasten zu. Es wird deutlich, dass traditionelle Banken den Antrieb in der Digitalisierung durch FinTech Innovatoren zu spüren bekommt.

Der Druck ist vor allem im regionalen Service spürbar, die Banken mit häufigem Kundenkontakt erfahren tiefgreifende Einschnitte durch die Fintech-Konkurrenten. PricewaterhouseCoopers (PwC) zeigt in einer aktuellen Studie, dass 55 Prozent der Bankenchefs eine Gefahr in nicht-traditionellen Akteuren sehen. Der Bericht nennt die Entwicklung eines kundenorientierten Geschäftsmodells als die höchste Priorität für Banken, um die Wettbewerbsfähigkeit in den nächsten fünf Jahren zu sichern.

Technologie-Innovatoren wie Transfer Wise, Nutmeg und Funding Circle treiben den Markt an, indem sie das Thema Finanzdienstleistungen aufgreifen und ein mobiles Angebot erstellen. Sie zerstören die bestehende Ordnung indem sie neue, nutzerorientierte Innovationen in den Markt werfen. Diese Entwicklungen beschreiben den Kern des Konkurrenzkampfes zwischen dem Fintech-Sektor und den traditionellen Banken.

„Fintech-Firmen haben den Wert eines komplett neuen Leistungsangebots an Konsumenten verstanden. Im Gegensatz zu ihren meist gigantisch großen Konkurrenten, die sich häufig mit ihrem Aufgabenbereich übernehmen, spezialisieren sich erfolgreiche Fintech Start-ups in nur ein oder zwei Finanzdienstleistungsbereichen. Sie bleiben wendig und reagieren auf ihre Kunden. Damit sind die Angebote speziell auf die Bedürfnisse der Digital Natives zugeschnitten“, sagt Dan Wagner, Gründer und Geschäftsführer von Powa Technologies.

In den letzten Jahren habe sich Mobile-Banking insbesondere in den USA durchgesetzt, dort haben 2015 erstmals mehr Kunden Online-Banking-Plattformen anstelle von Bankfilialen in Anspruch genommen. Schätzungen zufolge werden im Jahr 2020 in etwa 81 Prozent der Amerikaner ihre Bankgeschäfte auf ihrem Smartphone abwickeln und auch in Europa und Asien wird sich dieser Trend verstärkt durchsetzen.

Mit dem Mobile-Banking hat sich die Allgegenwärtigkeit durchgesetzt, das Serviceangebot stehe überall und jederzeit zur Verfügung. Die Botschaft von Nutzern der Fintech-Produkte ist deutlich bei den Banken angekommen: Komfort war den Konsumenten nie wichtiger. Traditionelle Banken werden fortdauernd mit diesem Problem zu kämpfen haben, wenn sie die Verbraucherbedürfnisse in der richtigen Kombination aus analogem und digitalem Kundenservice vernachlässigen.    

Dietmar Braun