Finanzmärkte: Krise? Welche Krise?

Die Panikmache um Griechenland hat am deutschen Markt bislang nur eine Konsequenz: Die Geschäfte der dubiosen Anbieter auf dem Graumarkt brummen. Weniger versierte Anleger sind durch das Katastrophen-Geschwätz der am Geschäft interessierten Großbanken so verunsichert, dass mittlerweile der absurdeste Produktblödsinn verkauft werden kann. So mancher sieht sich tatsächlich schon mit Waschkörben voller Euroscheinen beim Brötchenkauf.

(fw/mk) Der Rest des Marktes ist bemerkenswert ruhig, an der Normalisierung der in der Krise gewaltig gestiegenen Risikoprämien hat sich nichts geändert. Ein Blick auf den Chart (s. Anhang unten) zeigt, dass nicht das geringste Anzeichen von Ansteckungen zu erkennen ist: Der Abstand zwischen erstklassigen (AAA) Schuldnern zur mittleren Bonität liegt heute sogar tiefer als vor der Lehman-Pleite: Eine Flucht in Qualität findet nicht statt. Noch aufschlussreicher ist die zweite Kurve, die die tatsächliche Risikoeinschätzung von Banken durch Banken reflektiert: Sie gibt an, welchen Aufschlag die Banken untereinander verlangen, wenn sie sich gegenseitig kurzfristige Kredite (3 Monate) geben, statt die Mittel sicher beim Finanzminister per Schatzwechsel (3 Monate) unterzubringen. Diese Prämie liegt derzeit bei zwei Drittel des Niveaus unmittelbar vor der Krise, niedriger auch als Anfang 2007, als Lehman-Brothers noch als erste Adresse galt.

Unabweisbare Schlussfolgerung aus den Marktparametern: Anders als in Researchberichten, Interviews und besorgten Stellungnahmen behauptet, haben die Banken zu keinem Zeitpunkt je das geringste Risiko gesehen. Vor allem das Gerede über eine neue Bankenkrise bei einem Ausfall Griechenlands richtet sich ausschließlich an die Kundschaft, die Banker selbst wissen es besser. Die Familie weiß halt: In Panik geratene Kundschaft kann am leichtesten über den Löffel balbiert werden. Man muss sich nur vor Augen halten: Das Rettungspaket für die Hypo Real Estate hatte ein Volumen von 110 Mrd. Euro, bei Griechenland geht es jetzt um 8 Mrd. Euro Anteil Deutschlands!

Wer bis hier gelesen hat, ahnt wohl auch schon, warum die Märkte heute (Freitag, 23. April) heftig anziehen: Die Spekulation ist aufgegangen, Griechenland beantragt nun die Hilfe, man kann die zu Spottpreisen eingesackten Papiere Griechenlands jetzt mit ordentlichen Aufschlägen verkaufen: Die Anleihen sprangen auf die Nachricht hin um 3 bis 5 % nach oben. Ein ordentlicher Schnitt für den Gewinn durch ein paar Interviews mit ernstem Gesicht und ein paar Wochen Warten.