Finanzielle Unabhängigkeit durch unabhängige Finanzberatung?

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Finanzielle Unabhängigkeit beginnt mit einer unabhängigen Finanzberatung – das könnte auf den ersten Blick der Slogan einer herkömmlichen Bank sein. Ist es aber nicht. Denn herkömmliche Kreditinstitute sind in ihrer Finanzberatung nicht unabhängig. Für Kunden, die viel Wert auf individuelle Beratung und passgenaue Anlagestrategien legen, erweisen sich solcherlei Beratungsformate oftmals als nicht zufriedenstellend, da nur allzu häufig der Nutzen des Beraters und nicht der des Kunden im Vordergrund steht. Hier kann es sinnvoll sein, eine unabhängige Finanzberatung zu konsultieren. Wir klären auf, warum.

Was ist der Unterschied zwischen einer unabhängigen und abhängigen Finanzberatung?

Klar, wer oder was kann schon als wirklich unabhängig gelten? Menschen sind immer abhängig von anderen Menschen. Eine Finanzanlage ist immer auch an die Kursentwicklungen an der Börse, die jeweilige Konjunktur eines Landes, die dortigen soziopolitischen Verhältnisse und damit letztlich an eine Vielzahl komplex miteinander wechselwirkender menschlicher Handlungen gebunden. Jede anständige Finanzberatung hat somit in erster Linie die Aufgabe, mit dieser Komplexität umzugehen, ihre Logik(en) zu verstehen und darauf aufbauend Prognosen über Kursentwicklungen und individuelle Anlagepotenziale zu treffen. Dennoch ist nicht jede Finanzberatung gleich.

So gibt es eben sogenannte “abhängige” Finanzberater, die bei herkömmlichen Banken angestellt sind und damit im Endeffekt freilich auch in deren Sinne, das heißt zu deren Vorteil, zu wirtschaften haben. Und weil Banken stets nur mit einigen Anbietern von Finanzprodukten zusammenarbeiten, ist auch der jeweilige Berater in der Auswahl von Anlageprodukten und -strategien für ein individuelles Kundenportfolio ziemlich eingeschränkt: Er kann nicht die volle Marktbreite an Anlagepotenzialen nutzen. Hinzukommt, dass abhängige Berater provisionsbasiert agieren und deshalb hin und wieder dazu verleitet sein können, eine Beratungsleistung so zu gestalten, dass sie eine möglichst gute Provision abwirft, unabhängig davon, ob sie aus der Kundenperspektive sinnvoll ist. Schließlich sehen sich die Kunden hier häufig mit unerwarteten Gebühren, wie etwa Depotgebühren, konfrontiert.

Sogenannte “unabhängige” Finanzberater arbeiten dagegen in der Regel honorarbasiert. Das heißt, sie stellen ein Honorar in Rechnung, das erfolgsabhängig ist; scheitert die Anlagestrategie, so scheitert auch der Berater. Unabhängig ist er aber nun genau deshalb, weil er nicht auf Provisionen etwaiger Anlageemittenten angewiesen ist und somit das gesamte auf dem Markt verfügbare Anlagenangebot nutzen kann. Auf diese Weise kann er idealiter eine ganz individuelle, auf den jeweiligen Kunden gleichsam maßgeschneiderte Anlagelösung finden, die sich gänzlich an seiner persönlichen Situationen und nicht am Eigennutz des Beraters orientiert.

Einen geeigneten Finanzberater finden?

Heutzutage gibt es viele Möglichkeiten der Geldanlage und gefühlt ebenso viele Finanzberater. Ob man einen Finanzberater in Berlin, in Frankfurt, Osnabrück oder einen Finanzberater Düsseldorf sucht – man wird definitiv fündig werden. Die entscheidende Frage ist jedoch stets: Kann der jeweilige Berater die individuellen Anlagebedürfnisse adäquat abdecken oder nicht? Das bedeutet somit auch, dass abhängige Berater freilich nicht kategorisch verteufelt werden dürfen; auch hier gibt es mitunter sehr gute Beratungsleistungen und Angebote, die im Einzelfall sich als sehr sinnvoll erweisen können. Gleichwohl sollte man stets auch in Erwägung ziehen, dass man bei einer unabhängigen Beratung möglicherweise ein differenzierteres und besser auf die persönliche Situation zugeschnittenes Anlageportfolio zusammengestellt bekommen könnte. Man sollte von daher zumindest beide Option offenlassen und nicht kategorisch gegeneinander ausspielen.

Letztlich gibt es in der Welt der Finanzgeschäfte selbstverständlich keine hundertprozentigen Sicherheiten, weshalb man auch nicht pauschal sagen kann, dass unabhängige Finanzberatung in jedem Fall eher zu einer finanziellen Unabhängigkeit führt als abhängige. Dennoch: Wer einmal den gewohnten Pfad verlassen und etwas Neues ausprobieren möchte, macht da sicherlich nichts falsch. Und wenn es doch schon landläufig so schön heißt: “Wer nicht wagt, der nicht gewinnt”, dann wäre es doch ausgerechnet im Finanzgeschäft geradezu eine Sünde, kein Risiko einzugehen.

Autor: Marvin Schmitz