Finanzielle Sicherheit im Alter: Lebensbegleitende Strategie entscheidend

Rolf Klein, Geschäftsführer der Neutralis Kapitalberatung GmbH / Foto: © Neutralis

Um die finanziellen Ziele im Alter zu erreichen ist wichtig, dass vor allem Unternehmer sich nicht allein auf das Finanzprodukt beziehungsweise die Anlagestrategie konzentrieren. Das finanzielle Lebensphasenkonzept ist der entscheidende Begriff. Davon können Berater ebenso profitieren.

Mit Blick auf die kontinuierlich sinkenden Quoten in der gesetzlichen Rentenversicherung, die weitere Niedrigzins-Problematik bei klassischen Sparanlagen und Lebens- und Rentenversicherungen und die herrschenden Unsicherheiten bezüglich der Solidität und Stabilität vieler Gesellschaften (derzeit stehend rund 30 Pensionskassen unter intensivierter Aufsicht und rund 15 Lebensversicherer der Bundesanstalt der Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin) steht die Frage nach der tragfähigen und erfolgreichen Gestaltung der Ruhestandsfinanzierung weiterhin in den Fokus.

Professionelle Kapitalanlage mit einer laufenden Finanzplanungsstrategie kombinieren

Also gilt für alle Unternehmer (auch über deren mögliche berufsständische Versorgung hinaus): Wie kann ich frühzeitig mit einem sicheren Konzept und möglicherweise eher durchschnittlichen Einzahlungen ein zusätzliches Vermögen für den Ruhestand aufbauen, aber dabei auch größtmögliche Flexibilität bewahren? Dafür ist konsequentes, strategisch tragfähiges Konzept wichtig, um die finanziellen Ziele im Alter zu erreichen. Das finanzielle Lebensphasenkonzept ist der entscheidende Begriff. Dabei steht im Fokus, eine professionelle Kapitalanlage mit einer laufenden Finanzplanungsstrategie zu kombinieren. Das bedeutet, dass die Geldanlage auf Basis eines Sparplans der Lebenssituation folgt und nicht umgekehrt. Wichtig ist dabei, dass Anleger sich nicht allein auf das Finanzprodukt beziehungsweise die Anlagestrategie konzentrieren. Es reicht in dynamischen Zeiten bei einer individuellen Zukunftsorientierung nicht mehr aus, nur auf die Höhe des Sparplans beziehungsweise die einmalige Einzahlung und die damit verbundenen gewünschten Renditen zu achten.

Einzahlungen und Entnahmen: hohe Flexibilität gewährleisten

Lebensbegleitend bedeutet in dieser Strategie, dass alle möglichen finanziellen Szenarien, die im Leben eines Anlegers auftreten können, abgebildet werden können. Dazu zählen Entnahmen, beispielsweise für Darlehen, Immobilienerwerb oder unternehmerische Investitionen und ein Zahlungsstopp, zum Beispiel zur Familiengründung oder bei Arbeitslosigkeit, oder auch punktuelle Einzahlungen, wenn auf einmal mehr Geld zur Verfügung steht, etwa durch eine Schenkung, Erbschaft oder die Auszahlung von Übergewinnen nach besonders erfolgreichen Geschäftsjahren. Ebenso kann der Sparplan in einer Investmentrente in Form eines Auszahlplans münden, während die Vererbung des Restkapitals ebenfalls möglich ist – bei Rentenversicherungen mit Garantiezeiten ist diese Möglichkeit stark eingeschränkt. Konkret bedeutet das, dass der Kunde seine Kapitalanlage so nutzt, wie er sie gerade benötigt, und das ohne zusätzliche Gebühren oder Hürden beim Wiedereinstieg.

Dafür sind eine genaue Analyse und Bestandsaufnahme notwendig. Der Berater als Finanzplaner ist gefragt, sich einen Überblick über sämtliche Vermögenswerte zu verschaffen. Das sind die aktuellen liquiden Mittel, Immobilien, Beteiligungen und alternativen Investments wie Oldtimer, Kunst und Co. Und das sind die Werte, die in Zukunft kommen werden. Das können Lebensversicherungen sein, Erbschaften, fremdfinanzierte Kapitalanlagen, beispielsweise Photovoltaikanlagen, die erst in einigen Jahren Renditen abwerfen, oder auch vorab kalkulierte Zuflüsse aus der Übertragung des Unternehmens.

Ermittlung der finanziellen Ansprüche im Ruhestand

Es gilt die Regel: Erst wenn der Finanzplaner diese Vermögenswerte vollständig zusammengefasst hat, erkennt er, was aktuell zur Verfügung steht und was in einigen Jahren zur Verfügung stehen wird. Das Prinzip der Vermögenskonsolidierung schafft die Basis für alle weiteren Überlegungen und für die Ermittlung der finanziellen Ansprüche im Ruhestand und entscheidet auch über das Eintrittsalter in den Ruhestand. Der Finanzplaner kann errechnen, welche Möglichkeiten sich aus dem aktuell und später einmal vorhandenen Vermögen realisieren lassen. Es geht also darum, durch das Modell sämtliche Situationen zu simulieren und den Anlegern unter verschiedenen Voraussetzungen genau ihre finanzielle Situation im Alter und die Möglichkeiten des Vermögensaufbaus aufzuzeigen.

Daraus lässt sich dann die Entscheidung für die konkrete Form der Geldanlage ableiten. Diese sollte vorrangig über Investmentfonds gestaltet werden, die in der Praxis einen Mehrwert vor allem gegenüber Rentenversicherungen für den Vermögensaufbau beziehungsweise die Altersversorgung erbringen können. Während bei Lebens- und Rentenversicherungen bis zu sieben Prozent Abschlusskosten fällig werden, sind Investmentfonds oft ohne Abschlussprovisionen zu erhalten, und auch das Management einer Fonds-Vermögensverwaltung kostet erwiesenermaßen deutlich weniger als versicherungsgebundene Konzepte. Dazu kommen steuerliche Vorteile in der Anspar- und Auszahlphase durch die Nutzung des Sparerpauschbetrages. Durch geschickte Planung in der Auszahlphase (Investmentrente) ist sogar im Alter eine komplette Steuerfreiheit möglich.

Rechenbeispiel: grundlegenden Kapitalbedarf im Alter decken

Der Wert eines Lebensphasenkonzepts lässt sich an einem Rechenbeispiel verdeutlichen, das sich an einem durchschnittlichen jährlichen Ertrag von drei Prozent in der Kapitalanlage orientiert: Wer über 30 Jahre (in dem exemplarischen Fall bis zum 65. Lebensjahr) insgesamt 176.000 Euro in das Lebensphasen-Depot einzahlt und mit 62 Jahren 40.000 Euro entnimmt, kann sich ab 65 bis zum 90. Lebensjahr monatlich 750 Euro als Rente auszahlen lassen. Das Vermögen wird weiterhin so angelegt, dass mit 90 Jahren immer noch mehr als 100.000 Euro vorhanden sind und an die Kinder oder einen guten Zweck übertragen werden können. Alternativ kann das verbleibende Vermögen auch auf die monatlichen Zahlungen aufgeschlagen werden, sodass sich die Auszahlungen erhöhen. Damit kann ein Unternehmer durch die Zahlung von durchschnittlich nicht einmal 500 Euro monatlich (176.000 Euro / 30 Jahre / zwölf Monate) ein substanzielles Ruhestandsvermögen aufbauen und gegebenenfalls schon den grundlegenden Kapitalbedarf im Alter decken.

Davon können auch Finanzberater profitieren, indem sie – gegebenenfalls mit einem Netzwerkpartner – ein finanzielles Lebensphasenkonzept mit dem Fokus auf den Vermögensaufbau mit Investmentfonds kombinieren und schnell und effizient auf diese Investmentfonds zugreifen können.

Gastbeitrag von Rolf Klein,
Geschäftsführer der Neutralis Kapitalberatung aus Krefeld,
zu der auch der Neutralis-Fondsshop gehört