„Financière de l’Echiquier auf Expansionskurs“

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Financière de l‘Echiquier, gegründet im Jahre 1991, ist in Frankreich eine der führenden Portfoliomanagementgesellschaften in Privatbesitz. Das Fondsanalysehaus Feri kürte Ende 2010 den Echiquier Major zum besten europäischen Aktienfonds. finanzwelt sprach mit Stéphane Toullieux, Geschäftsführer bei Financiere de l’Echiquier, zur Expansionsstrategie auf dem deutschen Markt.

finanzwelt: Herr Toullieux, seit nunmehr vier Jahren sind Sie mit Financiere de l’Echiquier auf dem deutschen Markt präsent. Welches Zwischenfazit ziehen Sie?

Stéphane Toullieux: Nach gut vier Jahren auf dem deutschen Markt konnten wir 2010 unsere Mittelzuflüsse aus Deutschland verdreifachen. Diesen Anstieg verdanken wir dem Ausbau unserer Präsenz vor Ort und der Wertentwicklung unserer Fonds. Zuflüsse in diesem Umfang hatten wir bislang nicht gekannt, sind aber umso erfreuter, da wir uns zutiefst als Europäer verstehen. Unsere Fonds investieren in europäische Werte und werden nach einem Ansatz verwaltet, der bei zahlreichen europäischen Anlegern großen Anklang findet. Wir sind überzeugt, dass es in Deutschland Bedarf für eine Fondsgesellschaft wie Financière de l’Echiquier gibt, denn wir bieten das Beste aus zwei Welten: die Frische und Flexibilität eines unabhängigen Unternehmens und die Solidität einer großen Gruppe. Wir sind auf der Mehrzahl der Plattformen und Pools vertreten. Unser Ziel ist es, zu den deutschen Finanzberatern und Kapitalanlegern dieselben vertrauensvollen Beziehungen aufzubauen, wie wir sie seit 20 Jahren zu den französischen Vermögensberatern pflegen.

finanzwelt: Sie blicken auf ein sehr erfolgreiches Jahr 2010 zurück. Das verwaltete Vermögen konnte um 44 Prozent gesteigert werden. Wie lauten Ihre mittelfristigen Ziele für die nächsten 3-5 Jahre?

Stéphane Toullieux: Der Anstieg unseres verwalteten Vermögens 2010 ist auf die sehr gute Wertentwicklung unserer gesamten Fonds-Palette und auf die Verstärkung unseres Vertriebsteams zurückzuführen. Während zahlreiche Börsenindizes stagnierten oder sogar eine negative Entwicklung aufwiesen, erzielten die Fonds von Financière de l’Echiquier 2010 deutliche Wertsteigerungen: Agressor +28,2 %, Echiquier Major +26,6 % und EchiquierAgenor +36,3 %. Ziel ist es, die Assets under Management bis 2015 auf 15 Milliarden Euro auszubauen. Das wollen wir erreichen, indem wir unsere internationale Expansion fortsetzen und weiterhin verstärkt auch institutionelle Anleger ins Visier nehmen. Vor diesem Hintergrund haben wir die Zahl unserer außerhalb Frankreichs tätigen Mitarbeiter verdoppelt.

finanzwelt: Gibt es in absehbarer Zeit neue Produkte aus Ihrem Hause?

Stéphane Toullieux: Ja, wir haben gerade den Fonds “Echiquier Global” registriert, und der “Arty” steht kurz vor der Zulassung. Echiquier Global ist ein Produkt, dem die Expertise von Financière de l’Echiquier im Stock-Picking ganz besonders zugute kommt. Der Fonds investiert in eine Auswahl von 40 bis 50 internationale Unternehmen, die zu den Marktführern ihrer Branche gehören. Der Fonds nutzt das Know-how aus dem Management unseres vor fünf Jahren aufgelegten Fonds “Echiquier Major”. Dieser investiert erfolgreich in europäische Marktführer und wurde jüngst von Feri EuroRatings in Deutschland und der Schweiz als bester Fonds der Kategorie “Aktien Europa” ausgezeichnet. Echiquier Global wurde am 16. April 2010 aufgelegt und weist bereits jetzt eine gute Wertentwicklung sowie ein verwaltetes Vermögen von 40 Millionen Euro auf.

ARTY ist als diversifizierter Fonds eine ausgezeichnete Lösung, um auf moderate Weise wieder Risiko zu wagen. Dieser vermögensbildende Fonds setzt auf renditeträchtige Anlagen, indem er in Aktien und Unternehmensanleihen investiert. Er lässt dem Fondsmanager viel Raum, das Vermögen der Kunden zu vermehren. Der Aktienanteil kann zwischen 0 und 50 % des Fonds ausmachen. ARTY hat sich als vermögensbildender Fonds bewährt: 2008 konnte er sich trotz des Einbruchs der Finanzmärkte behaupten und 2009 und 2010 Ergebnisse erzielen, mit denen er zu den Besten seiner Kategorie gehört. Seit seiner Auflegung im Mai 2008 bietet ARTY ein gesundes Risiko-Rendite-Verhältnis mit einer durchschnittlichen Performance von 8,1 % und einer Volatilität von 8 %. Der Fonds ist somit eine Anlagelösung, die bei begrenzter Volatilität Aussichten auf attraktive Erträge bietet. Das verwaltete Vermögen des ARTY liegt heute bei über 100 Millionen Euro, wovon 50 Millionen 2010 eingesammelt wurden. Dieser Erfolg ist auf die europäischen Vermögensberater zurückzuführen, welche die vermögensbildenden Eigenschaften des Fonds zu schätzen wissen.

finanzwelt: Welche Regionen sehen Sie in diesem Jahr im Fokus und wird sich das Prinzip des Stock-Picking auch 2011 bewähren?

Stéphane Toullieux: Wir sind davon überzeugt: Indizes sind dazu da, geschlagen zu werden, und nicht nachgebildet zu werden. 2011 wird erneut ein günstiges Umfeld für unseren Stock-Picking-Ansatz bieten. Dieses Jahr wird unter dem gleichen Vorzeichen wie 2010 stehen, aber die von uns bevorzugten Werte sind diesmal andere. Das Wachstum in China bleibt ungebrochen. Vor diesem Hintergrund haben wir neue Investmentideen jenseits des Luxussektors gesucht, um die damit verbundenen Chancen zu nutzen. DANONE, das 48 % seines Umsatzes in Schwellenländern erzielt, oder KRONES, ein deutscher Hersteller von Abfüllanlagen, der 18 % seines Geschäfts mit China macht, sind ideale Beispiele hierfür. Zu den Themen, die 2010 vernachlässigt wurden, zählen insbesondere die Werte aus Südeuropa. Unsere “antizyklischen Gene” sind hellwach und wir haben Kurs in Richtung Süden genommen. In Spanien haben wir uns in einen Fischereibetrieb (PESCANOVA) und in Italien in einen Brillenhersteller (SAFILO) und einen Hersteller von Signalsystemen für den Schienenverkehr (ANSALDO) eingekauft.

Auch den deutschen Mittelstand beobachten wir weiterhin mit großem Interesse. Diese Strategie hat sich ausgezahlt, denn die deutsche Wirtschaft ist aus der Krise gestärkt hervorgegangen. Dies gilt insbesondere für Exportunternehmen, die sehr gute Ergebnisse einfahren und voll und ganz von dem Wachstum der Schwellenländer profitieren. Ein gutes Beispiel ist DEMAG CRANES, ein Spezialist für Industrie- und Hafenkräne, der 31 % seines Umsatzes in Schwellenländern erwirtschaftet. Das Unternehmen möchte dieses Engagement ausbauen, besonders in China, und bietet somit ein riesiges Wachstumspotenzial. Wie Sie an diesen Beispielen sehen, mangelt es uns nicht an Ideen. Geografische Mobilität ist gefordert, damit Financière de l’Echiquier auch 2011 gute, dauerhafte Wertentwicklungen erzielen kann.