Fed wartet ab

Franck Dixmier, Global Head of Fixed Income bei Allianz Global Investors / Foto: © Allianz GI

Nachdem die US-Notenbank in der zweiten Jahreshälfte 2019 recht aktiv war, mit drei Zinssenkungen um jeweils 25 Basispunkte zwischen Juli und Oktober, dürfte sie 2020 eine längere Zinspause einlegen. Angesichts einer positiveren Stimmung, von der Aktienanlagen profitiert haben, dürfte die Fed die wirtschaftlichen Chancen und Risiken positiver einschätzen. In der Tat verringern weniger politische Gefahrenherde – insbesondere die Deeskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China – auch das Abwärtsrisiko für die Weltwirtschaft. Damit gewinnt das Szenario einer Stabilisierung des US-Wachstums in Höhe der Potenzialrate (2 Prozent) an Wahrscheinlichkeit.

Für sich genommen könnte der jüngste Anstieg der gesamten Verbraucherpreise (+2,3 Prozent gegenüber Vorjahr im Dezember) sogar Befürchtungen einer weniger akkommodierenden Haltung der Fed aufkommen lassen. Niedrigere Teuerungsraten beim Preisindex für private Konsumausgaben (PCE Indikator), der im November bei +1,5 Prozent lag, und insbesondere bei der von der Fed bevorzugten Kern-Rate (Core PCE Indikator, private Konsumausgaben ohne Nahrungsmittel und Energie: +1,6 Prozent im November) relativieren diesen Anstieg jedoch. Außerdem hat ein etwa 50-Jahrestief bei der Arbeitslosigkeit bislang noch nicht zu einem signifikanten Druck auf die Löhne geführt. In diesem Umfeld scheint uns eine längere Zinspause das wahrscheinlichste Szenario zu sein. Die Finanzmärkte sehen dies ähnlich.

Gleichwohl wird die Pressekonferenz im Anschluss an die Fed-Sitzung interessant sein, insbesondere mit Blick auf die T-Bill-Käufe der US-Notenbank. Seit Oktober 2019 kauft sie monatlich Schatzanweisungen im Umfang von 60 Milliarden Dollar. Diese nach Darstellung der Fed „technische“ Maßnahme ist mit erheblichen Kursgewinnen an den US-Aktienindizes einhergegangen. Jüngste Äußerungen von Fed-Mitgliedern deuten darauf hin, dass diese Käufe bis Mitte dieses Jahres fortgesetzt werden könnten.

Die Einstellung der Fed zur Fortsetzung dieser Politik ist von großer Bedeutung. Unabhängig von der Debatte, ob dies nun quantitative Lockerung ist oder nicht („QE oder not QE“), gibt es eine starke Korrelation zwischen der Bilanzverlängerung der Fed und der Entwicklung der US-Aktienmärkte. Seit Oktober ist jeder Anstieg der Fed-Bilanz um 1 Prozent mit einem Anstieg des S&P 500 um 1 Prozent einhergegangen. Daher besteht kein Zweifel, dass alle neuen Informationen über die zeitliche Dauer und Höhe der monatlichen Käufe für Investoren von großer Bedeutung sind. Während die Auflage eines Wertpapier-Kaufprogramms einer Notenbank von den Märkten gemeinhin begrüßt wird, ist ein Ausstieg immer schwierig. Die Situation wird daher genau zu beobachten sein.

Marktkommentar von Franck Dixmier,
Global Head of Fixed Income bei Allianz Global Investors