Favoriten der Vermögensverwalter auf dem deutschen Aktienmarkt

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Andreas Kern

In den letzten Monaten ist der Anteil deutscher Aktien in Vermögensverwalterwikifolios deutlich gesunken. Auf Jahressicht ist ihre Gewichtung von über 30 auf unter 20 Prozent gesunken.

Eine Übergewichtung des Heimatmarkts („home bias“) ist nicht zu beobachten. Vielmehr ist das zukünftige Kurspotenzial der Aktien bei der Auswahl der Depotwerte entscheidend.

Ein gutes Beispiel dafür ist das wikifolio „Stockpicker und Cash“ der MS Finance Support GmbH, das mit einer Jahresperformance von über 30 Prozent die Rangliste der Vermögensverwalterwikifolios anführt.

Zwar sind aktuell vier der insgesamt zehn enthaltenen Aktien aus Deutschland. Grundsätzlich ist das wikifolio aber international aufgestellt. Der Fokus liegt eindeutig auf großkapitalisierten Werten, wie Geschäftsführer Manfred Stiegel betont: „Alle Werte im wikifolio sind so groß, dass sie problemlos auch in den Vermögensverwaltungen gekauft werden können und auch gekauft werden! Grundsätzlich investiere ich nur in Aktien, die ich auch an einem Tag wieder veräußern kann.“

Eine ähnliche Strategie verfolgen die Kollegen von Premium Asset Management Wolfgang Zillich. „Wir spiegeln in dem wikifolio ‚Aktienselektion‘ unsere tatsächlichen Markterwartungen wider. Da sich unser Anlageuniversum klar auf Indexwerte bezieht, investieren wir nicht in kleine Nebenwerte. Das Problem bei Aktien mit geringer Marktkapitalisierung und niedrigen Handelsumsätzen ist selten der Einstieg, sondern meistens der Ausstieg“, erklärt Firmenlenker Zillich.

Nebenwerte außerhalb der DAX-Familie begehrt
Doch längst nicht alle Vermögensverwalter denken und handeln so. Die detaillierte Analyse aller wikifolios in dieser Kategorie zeigt sogar, dass fast die Hälfte aller in den Depots enthaltenen deutschen Aktien in keinem Index der DAX-Familie gelistet ist. Gerne gekauft werden zum Beispiel Aktien wie Solarworld oder Hypoport, die erst demnächst in den SDAX aufsteigen werden.

Manfred Stiegel betrachtet diese Entwicklung eher skeptisch: „Der ein oder andere Kollege sucht tatsächlich sein ‚Glück‘ in kleineren Werten, die er sicherlich (oder hoffentlich) nicht in die Vermögensverwaltungen kauft. Diese Vorgehensweise ist aber keine Erfolgsgarantie. Wichtig ist es, hellwach zu sein, Entscheidungen tagtäglich zu hinterfragen und Fehler möglichst früh und schnell zu bereinigen. Kleinere Werte sind für mich dennoch tabu.“

Anlagehorizont und Erwartungshaltung bei Nebenwerten entscheidend
Die Bayerische Vermögen AG fährt zumindest in einem ihrer drei wikifolios eine etwas andere Strategie. Beim wikifolio „SMAK – Small/Mid Caps DACH“ liegt der Fokus klar auf „qualitativ hochwertigen mittelständischen Unternehmen, die über eine geringere Marktkapitalisierung – aber unserer Meinung nach – ausgezeichnete Produktpalette bzw. ein sehr gutes Geschäftsmodell verfügen“. Die Portfoliomanager weisen aber ausdrücklich darauf hin, dass sich dieses wikifolio an risikotolerante Anleger richtet, „welche an langfristigen Investments interessiert sind“.

Alexander Kovalenko, Analyst bei der Bayerischen Vermögen, ist es wichtig – gerade wegen der zum Teil geringen Börsenumsätze der Aktien, dass die Investments in der Regel „strategischer Natur“ sind und kein reger Handel betrieben wird.
Sollten die Erwartungen der Anlageprofis erfüllt werden und Marktkapitalisierung sowie Börsenumsätze der Aktien deutlich zulegen, dürfte die beschriebene Problematik bei Verkäufen ohnehin keine große Rolle mehr spielen. Wie im richtigen Leben führen also auch an der Börse immer mehrere Wege zum Ziel.

Seit Herbst 2013 stellen institutionelle Finanzmarktexperten ihre Handelsstrategien auf wikifolio.com einem breiten Anlegerpublikum zur Verfügung. Bereits knapp zehn Prozent der deutschen Vermögensverwalter nutzen die Transparenz der Plattform, um neue Kunden-gruppen zu erreichen. Sie haben bislang 86 wikifolios veröffentlicht. 78 Prozent der von Vermögensverwaltern in investierbaren wikifolios geführten Strategien haben 2014 einen höheren Ertrag erzielt als die Benchmark (DAX).

Autor: Andreas Kern, Gründer und CEO der wikifolio Financial Technologies AG