Family first!

Manuel Peiffer, Relationshipmanager GVS Financial Solutions / Foto: © GVS

Nachdem der DAX von Rekord zu Rekord jagt, werden erfahrene Investoren vorsichtiger. Bei der Frage nach einer Anlagealternative am Aktienmarkt, rücken immer häufiger „Familienunternehmen“ bei langfristigen Anlegern in den Fokus. Die Aktien der inhabergeführten Unternehmen sollen aufgrund der nachhaltigen Interessen, langfristig eine signifikant bessere Performance erzielen als die Wertpapiere von Gesellschaften mit Managern.

Weltweit ist die Mehrheit aller Unternehmen in Familienbesitz. Mit gewissen Abweichungen von Land zu Land machen sie 70 bis 90 Prozent aller Firmen aus, sind für zwei Drittel der Wirtschaftskraft verantwortlich und bieten die meisten Arbeitsplätze. Unstrittig ist deshalb die enorme ökonomische Bedeutung von erfolgreichen Familienunternehmen für das jeweilige Land. Die größten börsennotierten Vertreter dieser Spezies sind hierzulande die beiden Autobauer Volkswagen und BMW, der Automobilzulieferer Continental, der Gesundheitskonzern Fresenius und der Konsumgüterriese Henkel, welche allesamt im DAX vertreten sind. Auch in der zweiten Börsenreihe befinden sich viele inhabergeführte Firmen. Wacker Chemie, Krones oder Fuchs Petrolub sind hier prominente Beispiele.

Für Investoren kann das Investment in diese Firmen rentabel sein. Zahlreiche Studie belegen, dass die Unternehmen, bei welchen die Gründer noch aktiv sind oder große Aktienpakete halten, an der Börse überproportional gut abschneiden.

Ein Aktienkauf eines familiengeführten Unternehmens gilt in der Regel als langfristiges, nachhaltiges Investment, da diese weitsichtiger agieren und eine defensivere Geschäftsstrategie an den Tag legen. Zudem halten sie sich bei der Verschuldung stärker zurück, scheuen häufig Übernahmen und wachsen stattdessen meist organisch. Dieses langsamere, beständigere Wachstum beugt einer möglichen Schieflage vor. In der Regel sind diese Unternehmen mit soliden und überproportional hohen Eigenkapitalquoten von bis zu 80 Prozent ausgestattet.

Ein wichtiger Faktor ist jene Tatsache, dass die Inhaberfamilie einen Großteil der Aktien besitzt. Daraus resultiert ein Interessengleichklang zwischen dem Aktionär und Geschäftsführern bzw. Unternehmensleitern. Ein fremdgesteuertes Management denkt oftmals nur kurzfristig und bonusorientiert. Bei den wöchentlich veröffentlichten Insidertransaktionen, sieht der Anleger zudem, ob die Familie weitere Anteile zukauft oder Aktienpakete abstößt.

Bei inhabergeführte Familienunternehmen ist es oftmals so, dass der Großaktionär mindestens 25 Prozent der Stimmrechte hält. Dieser Großaktionär wirkt wie ein stabiler Anker, da er in guten und in schlechten Zeiten an seinem Aktienpaket festhält. Diese Ankeraktionäre sorgen in der Regel dafür, dass die Volatilität bei entsprechenden Unternehmen niedrig ist.

Ein Familienunternehmen bergen aber auch Risiken. Nämlich dann, wenn der Inhaber seine Position ausnutzt und „seine“ Firma anhand eines exorbitanten Gehalts oder etwaigen Bonuszahlungen ausschlachtet. Ein weiterer Negativaspekt kann die Vergabe von „Scheinposten“ sein, wenn beispielsweise ein naher Verwandter oder ein „Freund der Familie“ auf dem Papier einen hochbezahlten Posten ausfüllt, diesen aber in der Praxis gar nicht ausfüllt.

Anleger können via Einzeltitel oder anhand eines spezifischen Fonds oder ETFs in diesen Bereich investieren. In der Vergangenheit konnten einige Fondsmanager den Index deutlich outperformen. Somit kann ein aktiver Managementansatz in dieser Nische vorteilhaft sein. Nach der Börsenhausse der letzten sieben Jahre ist eine Umschichtung hin zu „Familienunternehmen“ sinnvoll sein, denn eine inhabergeführte Firma wird sich wohl vor allem in einer Baisse bewähren.

Kolumne von Manuel Peiffer, Relationshipmanager GVS Financial Soltutions