EZB zementiert “japanische Zinsverhältnisse”

Prof. Dr. Thorsten Polleit, Chefvolkswirt der Degussa Goldhandel / Foto: © Degussa Goldhandel

Auf seiner Sitzung am 7. März 2019 hat der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) wie erwartet die Leitzinsen unverändert gelassen. Der Hauptrefinanzierungszins beträgt 0%, der Einlagenzins minus 0,4%, der Zins für die Spitzenrefinanzierung 0,25%.

EZB-Präsident Mario Draghi verkündete zudem, dass der Leitzins in 2019 nicht angehoben wird, möglicherweise sogar noch länger auf der Nullgrenze verbleibt. Zudem betonte er Indikatoren, die auf eine weitere Konjunkturabkühlung im Euroraum hindeuten.

Der EZB-Rat hat zudem beschlossen, dass den Euro-Banken von September 2019 bis März 2021 eine Serie von neuen langlaufenden Kredite („TLTROs-III“) mit einer Laufzeit von jeweils zwei Jahren angeboten wird.

[Anmerkung: Die EZB hatte bereits 2011 langlaufende Kredite an Euro-Banken mit dreijähriger Laufzeit („LTROs") gewährt. In 2014 vergab sie weitere derartige Kredite („TLTROs-I" und „TLTROs-II") mit Laufzeiten von bis zu vier Jahren – zu Kreditzinsen zwischen –0,4 und 0%. Das Kreditvolumen der TLTROs-II beläuft sich derzeit auf etwa 739 Mrd. Euro. Mit derartigen Krediten ersetzt die EZB vor allem die Kapitalmarktfinanzierung der Banken.]

Wie ist die Entscheidung zu bewerten?

Sparern und Anlegern bürdet die EZB weiter (nach Abzug der laufenden Inflation) negative Realrenditen auf ihr Geldvermögen auf: Das Geldvermögen verliert seine Kaufkraft. (Allein die Deutschen halten 3,7 Billionen Euro in Form von Bankeinlagen, die vermutlich größtenteils einem negativen Realzins unterliegen.)

Die geldpolitische Hilfestellung der EZB gilt den verschuldeten Staaten. Ihnen verschafft sie die Möglichkeit, Kredite zu sehr niedrigen Zinsen aufzunehmen und fällige Kredite problemlos durch neue Kredite, die geringe Zinskosten haben, zu ersetzen.

Die Null- und Negativzinspolitik der EZB ist hingegen Gift für die Euro-Banken: Zinsmargen und Zinserträge schrumpfen. Zudem verschlechtert die Abflachung der Euro-Zinskurve, für die die EZB-Politik ebenfalls sorgt, die Gewinnmöglichkeiten für die Euro-Banken.

Wie sich die Probleme der Euro-Banken auf deren Aktienkurse auswirken und welche Möglichkeit Anleger haben, dem Kaufkraftverlust zu begegnen, lesen Sie auf Seite 2