EZB-Politik schadet Sparern

Der gestrige EZB-Entscheid, die Zinsen nochmal zu senken, ist auf ein großes Medienecho gestoßen. Was bedeutet die unterstrichene Niedrigzinspolitik für Investoren? Daniel Kühn, Finanzexperte der Plattform GodmodeTrader.de, erläutert seine Einschätzung.

(fw/ah) „Es ist durchaus angemessen zu behaupten, dass die deutschen Sparer indirekt einen großen Teil zur Eurorettung beitragen. Die Entscheidung der EZB wird desaströse Nebenwirkungen haben. Eine offensichtliche Folge dieser ultralockeren Geldpolitik sind extrem geringe Guthabenzinsen, die den fleißigen Sparer de facto bestrafen. Das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland betrug Ende 2013 über 5,15 Bio. EUR.
Mehr als 70 % lagern auf Girokonten, Sparbüchern, Tagesgeldkonten etc. Die Lebensversicherungen, bisher eines der Lieblingsanlagevehikel deutscher Sparer, haben auf Dauer extreme Mühe, eine nennenswerte Verzinsung zu erzielen, da sie überwiegend in Anleihen investieren. Sie sitzen aktuell zwar auf ordentlichen Buchgewinnen, weil die gekauften Anleihen durch die gesunkene Rendite im Kurs stiegen, aber mittel- und langfristig betrachtet, tritt der gegenteilige Effekt ein.
Es ist durchaus angemessen zu behaupten, dass die deutschen Sparer indirekt einen großen Teil zur Eurorettung beitragen – nicht ganz freiwillig.

Verstörend ist außerdem, dass die beschlossenen extrem niedrigen Zinsen tendenziell dazu führen, dass Vermögenswerte stark im Wert steigen. Dies ist insbesondere bei Aktien und Immobilien der Fall. Da die Eigentümer in der Regel eher zum wohlhabenderen Teil der Bevölkerung gehören, handelt es sich hier zum Teil um eine Umverteilung von unten nach oben. Natürlich kann es auch Wohlhabende geben, die nur Cash halten. Diese sind dann ebenso betroffen. Die persönliche Freiheit hinsichtlich der Vermögensdisposition – in welcher Form halte ich mein Vermögen – ist dadurch stark tangiert bzw. manipuliert. Zwar besitzt die ultralockere Geldpolitik auch einige positive Seiten (realer Teilentschuldungseffekt), primär aber entmutigt sie Sparer und fördert damit eine Haltung, die die eigene Vorsorge für das Alter nicht mehr ernst nimmt. Angesichts der demografischen Entwicklung ist das katastrophal.

Was können Anleger tun, um die Folgen der EZB-Entscheidung für das eigene Vermögen zu mildern?
– Eine eigene Immobilie bleibt sinnvoll, wobei die stark gestiegenen Preise zur Vorsicht mahnen. Es ist aber immer noch sehr überlegenswert, in Deutschland zu kaufen, zumal die Nachfrage durchaus weiter auf hohem Niveau bleiben dürfte, schließlich liegt die Eigentümerquote in Deutschland nur bei etwas über 40 %.

– Der Aktienmarkt ist in den vergangenen Jahren geradezu explodiert. Niedrige Zinsen sind im Grunde nichts Neues. Für das Timing des Ein- und Ausstiegs in den Aktienhandel ist die Methode der “Technischen Analyse” empfehlenswert, die das tatsächliche Verhalten der Marktteilnehmer untersucht und auf dieser Basis die Entwicklung von Trends einschätzt.

Edelmetalle sind ein bleibender Wert, aber ein Blick auf den Chart zeigt klar, dass die Hausse tot ist. Es kann viele Jahre dauern, ehe wieder wirklich ‚goldige Zeiten’ anbrechen. Allerdings war die vorangegangene Aufwärtsbewegung extrem übertrieben. Insofern kann man die Bewegung nach unten auch als notwendige Korrektur auffassen.

– Ansonsten: Cash halten, an der Börse traden, und bloß nicht den Ratschlag von Altmeister Kostolany beherzigen: Aktien kaufen und daraufhin Schlaftabletten nehmen: Sonst wacht man womöglich bei einem DAX-Stand von 6.000 desillusioniert wieder auf.”