Extremes Verhältnis der Deutschen zum Sparen

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Jeder dritte deutsche Haushalt verfügt über keinerlei Sparreserven. Der Grund hierfür gibt durchaus zu denken. Geld leihen ist für viele aber keine Option. Wenn die Deutschen sparen, dann richtig. Das ergab eine repräsentative Umfrage der ING Deutschland.

Welche finanziellen Rücklagen werden international gebildet? Dieser Frage ging die ING-Deutschland Ende vergangenen Jahres im Rahmen einer Umfrage in 13 europäischen Ländern sowie Australien und den USA nach. Von den deutschen Befragten gaben 31 % an, dass ihr Haushalt über keinerlei Sparreserven verfügen würde, ein Anstieg um vier Prozentpunkte gegenüber der Umfrage ein Jahr zuvor. Lediglich in Rumänien liegt der Anteil der Nicht-Sparer mit ca. 38 % noch höher als in Deutschland.

Sparen nicht möglich?

Doch warum läuft ein nicht unerheblicher Teil der Deutschen Gefahr, in finanzielle Notlage zu geraten? Weil ihnen nichts anders übrig bleibt! So zumindest die Meinung von 63 % der Nicht-Sparer, die angaben, zu wenig zu verdienen, um monatlich etwas zurücklegen zu können. Das ist durchaus verwunderlich, da vergangenes Jahr eine positive Lohnentwicklung prognostiziert wurde. Immerhin: 52 % der deutschen Befragten sagte aus, dass sie am Monatsende immer noch Geld zur Verfügung hätten. Sollte doch einmal am Ende des Geldes noch Monat übrig sein, schränken sich 78 % lieber im Konsum ein, als sich Geld zu leihen.

Wenn Sparen, dann richtig

Die Untersuchung offenbart gewissermaßen ein extremes Verhältnis der Deutschen zur Sparsamkeit: Während wie oben gesehen ein Drittel auf das Sparen komplett verzichtet, tun es diejenigen, die tatsächlich Geld auf die Seite legen, dafür umso strenger. So haben die deutschen Verbraucher im Vergleich zu den anderen Europäern hohe Rücklagen. Beim Anteil der Befragten, deren Ersparnisse sich auf mindestens vier Monatsgehälter belaufen, belegt Deutschland weiterhin Plätze in der Spitzengruppe gemeinsam mit Frankreich, Italien und Polen.

So sind die Deutschen mit der Höhe ihrer Ersparnisse auch insgesamt zufrieden. Deutschland belegt hier den vierten Platz, hinter den Niederlanden, dem Vereinigten Königreich und der Türkei. In Ländern wie Italien und Frankreich, in denen die gesamtwirtschaftlichen Aussichten zunehmend unsicher sind, sind die Verbraucher weniger zufrieden mit der Höhe ihrer Ersparnisse.

„Die Ergebnisse zeigen, dass Deutschland nicht das Land der Sparer ist, das es gerne vorgibt zu sein“, kommentiert Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING Deutschland. „Die Schere zwischen Arm und Reich geht trotz guter Wirtschaftslage weiter auseinander: Der Anteil derjenigen, die gar nicht sparen, steigt an. Gleichzeitig legen die Befragten mit Ersparnissen mehr als der europäische Durchschnitt zur Seite. Eine solche Entwicklung hat noch für keine Volkswirtschaft auf lange Sicht Vorteile gebracht.“ (ahu)

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