Euro-Stärke – nachhaltig und zu managen

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Verkehrte Vorzeichen? Es ist noch nicht allzu lange her, dass wir über die Euro-Schwäche klagten. Nun haben wir es mit einer Euro-Stärke zu tun. Jan Meister, Geschäftsführer Meritum Capital Managers GmbH, bezieht Stellung und analysiert die Lage.

Es ist nur wenige Monate her, dass viele Marktteilnehmer die Parität zwischen Euro und US-Dollar ausgerufen haben. Zum einen sei die US-Wirtschaft so stark, dass die US-Notenbank weiter ihre Zinsen erhöhen muss, und zum anderen sei die Eurozone wirtschaftlich zu schwach und politisch instabil, um Zinsen im Euroraum erhöhen zu können. Somit müsse der US-Dollar gegenüber dem Euro weiter zulegen. Es kam anders und aus Sicht von Meritum Capital auch nicht ganz unerwartet.

Schon seit vielen Monaten zeichnet sich ab, dass die Wirtschaft der Eurozone ordentlich wächst. Durch den glimpflichen Ausgang der Wahl in den Niederlanden und den für Europa vermeintlich sogar befreienden Wahlausgang in Frankreich sind die größten politischen Risiken vom Tisch. Die anstehende Bundestagswahl verspricht unter dem Blickwinkel der europäischen Einigung geringe Börsenrisiken. Die italienischen Wahlen werden den Markt irgendwann bewegen, haben aber nur unter recht extremen Annahmen zum Wahlergebnis eine wirklich nachhaltige Sprengkraft. Derweil zeigen die Wirtschaftdaten einen stetigen Rückgang der Arbeitslosigkeit, konstant hohe Einkaufsmanagerindizes und gute Exportüberschüsse. Im Gegensatz dazu hat die US-Regierung unter Trump noch keine positiven Impulse setzen können und die Zweifel mehren sich, ob er eine signifikante Steuerreform oder höhere Infrastrukturausgaben durchsetzen kann. Die US-Wirtschaft entwickelt sich dennoch stabil, aber auch nicht mehr. Während der US-Zinserhöhungspfad somit grundsätzlich in Takt ist, hat die EZB eine große Aufgabe vor sich: Die Einleitung der Wende der sehr expansiven Geldpolitik. Das Problem ist, dass das aktuelle Zinsniveau extrem niedrig ist und kleine Änderungen in der Erwartungshaltung des Marktes zu den Zinsen somit große Auswirkungen haben. Der Euro wird ohnehin durch regelmäßige Exportüberschüsse gestützt. Steigende Zinsen können somit zu einem relevanten Aufwertungsdruck im Euro führen. Diese Entwicklung ist zu Teilen bereits im jüngsten Anstieg des Euros gegenüber dem US-Dollar reflektiert. Die fundamentalen Trends scheinen aber nachhaltig zu sein und ein Ende der Eurostärke sollte nach vielen Schwächejahren nicht zu früh ausgerufen werden.

Für den europäischen Anleger bedeutet dies wenig Gutes. Wer außerhalb Europas investiert, riskiert Währungsverluste oder muss diese renditemindernd absichern. Wer in europäischen Rentenmärkten investiert, wird im Falle steigender Zinsen Kursverluste hinnehmen müssen. Europäische Aktien sind nur leider nicht zwangsläufig die Gewinner. Ein steigender Euro belastet die Ergebnisse der exportlastigen Unternehmen. Meritum Capital begegnet dem Risiko eines festen Euros daher aus der Allokation heraus mit einem recht moderaten Dollar-Anteil im Portfolio und einer Diversifikation in Europa, die stärker auf die europäische Binnenkonjunktur ausgerichtet ist.

Kommentar von: Jan Meister,
Geschäftsführer Meritum Capital Managers GmbH