EU-Krise treibt Investoren in den Schweizer Franken

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Michael Bauer

Der Brexit verändert die Welt. Die Zukunft Großbritanniens und des englischen Pfund sind schwer kalkulierbar. Der Euro instabiler denn je. . Die möglichen Auswirkungen auf den Investitionsstandort Schweiz kann man bislang nur umreißen.

Stefan Gerlach, der neue Chefökonom der Tessiner Privatbank Banca della Svizzera Italiana (BSI) meldete sich sehr schnell zu Wort: Das Ergebnis des Brexit werde die Schweizerische Nationalbank SNB unter erheblichen Druck setzen. Der Franken stehe unter einem deutlichen Aufwertungsdruck. Mit dieser Meinung blieb er nicht alleine. Die SNB ihrerseits intervenierte sofort und verhinderte eine zu starke Aufwertung des Schweizer Franken. Der Euro in der Krise? Derzeit besteht nahezu Währungskongruenz zwischen dem Schweizer Franken und dem Euro. Fakt ist, dass die Schweizerischen Großbanken in den kommenden Monaten Kapitalzuflüsse in Milliardenhöhe erwarten. Verstärkt nicht aus dem Euro, sondern dem englischen Pfund. Der Kursabsturz des Pfund auf den niedrigsten Stand seit 30 Jahren spricht Bände. Die Verunsicherung ist groß. Credit-Suisse-CIO Michael Strobaek rechnet mit „zusätzlichen Kapitalströmen in die Schweiz“. Anleger und Pensionskassen müssten noch niedrigere Renditen hinnehmen. Schweizer Immobilien dürften profitieren. Während Bankaktien auch in der Schweiz leiden, wertet er defensive Aktien wie die der Basiskonsumgüterindustrie und der Pharmabranche eher als stabil ein. Viele vergessen dabei, dass die Schweiz auch Exportland ist. Und Ausfuhren in den Euroraum werden umso teurer, je schwächer deren Währung ist. Bislang konnte die Schweiz den „Nachteil“ der harten Währung gut verkraften, setzte auf eine starke Modernisierung der eigenen Wirtschaft und konnte im ersten Quartal 2016 wieder mit positiven wirtschaftlichen Kennzahlen überraschen. Aber nicht nur politisch ist man daran interessiert, dass der Euroraum weiterhin stark bleibt. Und der Binnenmarkt? Die Schweizer Wirtschaft wächst vorrangig durch Konsum und neue Investitionen. Die wichtigsten Treiber der Konjunktur sind Wohnen und Gesundheit. Obgleich auf einem hohen Niveau, stiegen die Preise für Immobilien in der Schweiz seit Anfang des Jahres erneut. Laut dem Immobilienindex, der regelmäßig vom Onlineportal Immoscout24 und dem Züricher Beratungsunternehmen Iazi ermittelt wird, legten die Wertangaben gegenüber Januar 2015 für Einfamilienhäuser um 1,6 Prozent und jene für Eigentumswohnungen um 0,4 Prozent zu. Gerade Mehrgeschossneubauten in gefragten Regionen sind es, die dabei im Fokus institutioneller Investoren stehen. Der Brexit trägt mit hierzu bei. Denn der Anteil professioneller Investoren, die im Erwerb von Mehrfamilienhäusern eine Alternative sehen, wächst.

Autor Michael Bauer ist Geschäftsführer der Gallus Immobilien Konzepte.

www.gallus-konzepte.de