Es ist wichtiger denn je, den Vertrieb miteinzubinden

Foto: © Sabrina Henkel, finanzwelt
Das Risiko „Verlust der Arbeitskraft“ hat für die meisten Kunden Existenz bedrohende Auswirkungen. Für den Makler ist es eines der wichtigsten Absicherungsthemen. Im finanzwelt-Roundtable klären Alexandra Markovic-Sobau, Generalbevollmächtigte Vertrieb der HALLESCHE Krankenversicherung a. G., Rolf Schünemann, Vorstandsvorsitzender der BCA AG, Bert Richartz, Vertrieb Vereinigte Post. Die Makler AG und Dr. Claus Mischler, Generalbevollmächtigter der Gothaer Lebensversicherung wie Makler am besten das Risiko „Verlust der Arbeitskraft“ für ihre Kunden absichern können. Wer unterstützt da den Makler und wie kann der Makler generell zum Biometrie-Profi werden?

 

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finanzwelt: Staatliche Leistungen und Versorgungen reichen im Fall einer Berufsunfähigkeit nicht aus, um den Lebensstandard aufrechtzuerhalten. So werden bei Unfall oder Krankheit in der Regel keine Zahlungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung geleistet, es sei denn, es liegt eine komplette Erwerbsunfähigkeit vor. Ist das eigentlich jedermann bewusst?

 

Alexandra Markovic-Sobau: Ich glaube, dass die Bevölkerung, aber vor allem die Jüngeren, die den Schutz ja viel dringender brauchen als die ältere Generation, nicht die Zusammenhänge und Unterschiede zwischen Krankentagegeld, Berufsunfähigkeitsversicherung und Pflegeversicherung kennt. Insgesamt herrscht sehr geringe Transparenz über die Bedeutung und Notwendigkeit einer Berufsunfähigkeitsversicherung.
Dr. Claus Mischler: In einer unserer Umfragen kam heraus, dass über 60 % der Befragten bei Arbeits- oder Berufsunfähigkeit auf die Leistungen des Staates setzen. Weniger als 30 % der Arbeitnehmer haben eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Ich glaube, dass speziell den Jüngeren oft nicht bewusst ist, wie wenig die Sozialversicherung im Falle der Berufsunfähigkeit wirklich zahlt.
Rolf Schünemann: Es besteht einfach eine völlige Fehlinformation über die Höhe der Zahlungen und darüber, unter welchen Bedingungen überhaupt geleistet wird. Die Unterschiede und Voraussetzungen zwischen Berufsunfähigkeit und Erwerbsminderungsrente sind kaum bekannt. Das ist meines Erachtens eine sehr bedrohliche Situation und die Sozialversicherungsträger, wie aber auch die Politik, tragen in keiner Weise dazu bei, darüber entsprechend zu informieren. Dass eine private Vorsorge hier vonnöten ist, gerade für die Generation nach 1961, hat sich deswegen so gut wie nicht herumgesprochen. Die aktuelle Diskussion zur Haltelinie in der gesetzlichen Rentenversicherung suggeriert der Bevölkerung, ausreichend versorgt zu sein. Das ist sie aber ganz sicher nicht, im Gegenteil, sie droht der erste Schritt Richtung Sozialfall zu sein.
Bert Richartz: Dazu kommt, dass Medien und Verbraucherschützer von Vorsorgeprodukten und Produkten zur Absicherung der Arbeitskraft abraten. Dies wird mit schlechter Regulierungsbereitschaft und niedriger Rendite begründet. Da fallen z. B. Äußerungen in Wirtschaftssendungen wie ‚am besten sollen die jungen Leute gar nichts machen. Denn was die Versicherungsbranche da anbiete, sei mehr oder minder eine Katastrophe. Das ist natürlich unverantwortlich. Gerade junge Menschen werden somit extrem verunsichert.

 

finanzwelt: Leider wird das noch verstärkt durch den Verlust der Glaubwürdigkeit des Maklers. Berichte im Fernsehen wie „Der Versicherungsvertreter“ mit Mehmet Göker machen sich nicht mal die Mühe, zwischen freien Maklern, Ausschließlichkeit und Strukturvertrieben zu unterscheiden. Aber ein Punkt ist mir noch wichtig: Ähnlich wie bei Hartz IV kann der Staat auch bei Berufsunfähigkeit auf alle nicht zuvor adäquaten Tätigkeiten verweisen, oder?

 

Schünemann: Richtig, hier geht es nicht mehr um Qualifikationen oder Erfahrungen oder gar, was angemessen wäre. Nein, bei der Erwerbsminderungsrente geht es nur darum, was kannst du noch machen. Bei der Erwerbsminderungsrente wird vorgegeben, jede angebotene Tätigkeit anzunehmen. Und das ist teilweise nicht zumutbar.
Mischler: Es wird ja viel über Alterssicherung geredet, aber viel zu wenig wird über Arbeitskraftsicherung gesprochen. In dem Moment, wo ich berufsunfähig werde, nützt mir die beste Krankenvollversicherung und die beste Altersvorsorge nichts mehr, denn ich kann sie im Zweifelsfall nicht mehr weiter bezahlen. Und die Tatsache, dass man bei Arbeitsunfähigkeit jeden Beruf annehmen soll, bedeutet gerade für Hochqualifizierte einen bedeutenden Einschnitt.
Markovic-Sobau: Eigentlich sollte das Thema ‚BU‘ schon viel früher angegangen werden. So kann eine Schüler-BU den Kunden absichern für den Fall, dass er durch eine Beeinträchtigung den Beruf nicht erlernen oder gar nicht mehr ausüben kann.

 

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