„Es ist auch ein enormes Risiko, nicht investiert zu sein“

Investment-Experte Robert Beer, Geschäftsführer der Robert Beer Investment GmbH / Foto: © Robert Beer

„Niemand weiß, wann der nächste Crash kommt“ war der Titel des Interviews mit Fondsmanager Robert Beer Ende letzten Jahres.  6 Monate später stecken wir mitten in einer ausgewaschenen Korrektur. Zeit für finanzwelt nachzufragen, wie Robert Beer, Geschäftsführer Robert Beer Investment GmbH, die Märkte einschätzt.

finanzwelt: Herr Beer, Ihr flexibler Mischfonds RB LuxTopic Flex hat sich dieses Jahr mit minus 4 % ganz gut geschlagen. Und das, ohne Anleihen im Bestand zu halten. Hatten Sie eine Vorahnung, wie schnell die Zinsen steigen können?
Robert Beer: Nein, auch wir haben keine Glaskugel und hätten einen solch rasanten Zinsanstieg nicht erwartet. Schon gar nicht in der Kürze der Zeit. Dennoch war seit 2015 klar, dass bei Zinsen um oder unter null Anleihen für einen langfristigen Vermögenserhalt und – aufbau nicht mehr sinnvoll sind. Schon gar nicht vor dem Hintergrund des Risikos, wie man jetzt leidvoll erkennen musste.

finanzwelt: Der klassische Mischfonds setzt auf die Kombination von Aktien und Anleihen, um die Risiken zu begrenzen. Sie setzen auf Aktien und ein aktives Risikomanagement. Wie funktioniert Ihre risikoadjustierte Strategie?
Beer: Zum einen ist ja hinlänglich bekannt, dass Aktien langfristig eine sehr attraktive Rendite versprechen, absolut wie im Vergleich zu anderen Anlagen. Daher besteht die Basis unseres LuxTopic Flex aus Aktien. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es immer wieder teils kräftige Korrekturphasen an den Aktienmärkten gibt. Wie auch jetzt. Daher kombinieren wir die Aktien mit einem systematischen Risikomanagement.

finanzwelt: Wie sieht dieses Risikomanagement denn konkret aus?
Beer: Aktives Risikomanagement bedeutet bei uns, dass wir unsere Aktienbasis mit Derivatestrategien kombinieren.  Damit wird das Risiko des Portfolios gesteuert. Fällt durch Risikoreduzierung der Rückschlag in einem fallenden Aktienmarkt geringer aus, so startet das Investment beim nächsten Anstieg von einem höheren Niveau. Diese Optionskomponente hat uns 2020 auch den größten Verlust erspart. Auch 2008 und 2011 hat diese Put-Strategie die Verluste abgemildert.  Und genau das ist das Ziel, abzufedern. Denn ganz vermeiden lassen sich Verlustphasen bei Aktien nur sehr selten.

finanzwelt: Auch die Aktienindizes sind YTD deutlich unter Druck, insbesondere die großen Gewinner der letzten Jahre und viel Tech-Titel. Auf welche Aktien setzen Sie?
Beer: Wir haben einen dreistufigen Investmentprozess. Grundlage ist unsere FSR-Methode: Fundamental, Systematisch, Risikoadjustiert. Fundamental investieren wir beim RB LuxTopic Flex in weltweit tätige Marktführer, die die technologischen Trends abbilden und kalkulierbare Erträge haben. Mit einem Algorithmus selektieren wir systematisch die trend- und renditestärkeren Aktien. So investieren wir in etwa 80–90 Unternehmen. Top-Konzerne, breit gestreut und systematisch selektiert.

Die meisten dieser Unternehmen können die gestiegenen Input-Preise aufgrund Ihrer Marktstellung an die Kunden weitergeben und verdienen so weiterhin blendend. Da die Kurse teils deutlich gefallen sind, bedeutet dies, dass die Bewertung wieder auf langjährigen Durchschnitten liegt. Nach vorne geblickt, ist uns mit diesen Titeln also nicht bange. Zumal die einzelnen Gewichtungen bei etwa 0,9 % liegen und so das Branchen- und Einzeltitelrisiko nochmals reduziert.

finanzwelt: Das klingt recht optimistisch für Aktien, zumal immer mehr eine Rezession befürchten. Haben sie also ihre Sicherung reduziert?
Beer: Wir handeln im RB LuxTopic Flex regelbasiert und systematisch. Daher sind wir auch jetzt risikoadjustiert aufgestellt. Langfristig sind wir durch die Korrektur und die dadurch deutlich gesunkenen Bewertungen optimistischer. Kurzfristig ist jedoch vieles möglich. Gerade aktuell durch den hohen Druck auf die Notenbanken, die Inflation, die steigenden Zinsen, die immer noch angespannten Lieferketten und den schrecklichen Krieg. Die falsche Nachricht kann jederzeit zu weiteren Abgaben führen.

Risiken gibt es aber für beide Seiten. Sobald bei einzelnen Themen positive Nachrichten vermeldet werden, kann es auch schnell eine Aufwärtsbewegung geben, wie man die letzten Wochen sehen konnte. Daher ist die Balance zwischen Upside und Downside sehr wichtig. Da wir aber nicht wissen, wann es nach unten geht, betreiben wir permanent Risikosteuerung über einen Optionsanteil.

finanzwelt: Für welche Anleger ist der RB LuxTopic Flex und eine solche Strategie geeignet?
Beer: Der RB LuxTopic Flex ist für Anleger gedacht, die langfristig von Aktienmärkten profitieren wollen. Dementsprechend auch Schwankungen in Kauf nehmen können und einen entsprechenden Anlagehorizont haben. Aufgrund der Struktur und der Herangehensweise besitzt er jedoch auch einen vermögensverwaltenden Charakter.

Generell fühlen wir uns in der aktuellen Gemengelage mit sehr hohen Risiken, aber eben auch langfristig entsprechenden Chancen, mit dieser Herangehensweise gut positioniert.

finanzwelt: Vielen Dank für das Interview!