Es bleibt müßig

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Die Anleihenmärkte gerieten im Zuge der Corona-Pandemie zunächst in schwerwiegende Turbulenzen. Zwar hat sich die Situation inzwischen weiter beruhigt, doch sorgen zusätzliche Hilfsprogramme und konjunkturelle Maßnahmen weiterhin für Dynamik. In Europa zeigt sich aktuell ein weiterhin sehr diverses Bild mit Blick auf die Renditen von Staatsanleihen. Die Schwankungen bei Kursen und Renditen dürften nach Ansicht der Hamburger Sutor Bank weiterhin anhalten.

Während in einem europäischen Land bei allen Laufzeiten die Renditen von Staatsanleihen derzeit positiv sind, gibt es auf der anderen Seite sogar drei Länder, bei denen die Renditen bei allen Laufzeiten negativ sind.

Das Land mit aktuell durchgängig positiven Renditen bei allen Laufzeiten ist Griechenland. Die Rendite 10-jähriger griechischer Staatsanleihen liegt bei um die 1,2 Prozent, bei 15 Jahren bei annähernd 1,3 Prozent. 1-jährige griechische Anleihen rentieren mit rund 0,1 Prozent. Die Aufnahme griechischer Bonds in das EZB-Anleihekaufprogramm im Zuge der Corona-Pandemie sorgte gleichwohl für Kurssprünge und damit einen leichten Rückgang bei den Renditen. Dadurch signalisierte der Kapitalmarkt ein erhöhtes Vertrauen in griechische Papiere.

Den höchsten Risikoaufschlag gibt es in Europa derzeit für langlaufende italienische Staatsanleihen: Bei 10-jähriger Laufzeit liegt die Rendite aktuell bei rund 1,2 Prozent und damit ähnlich hoch wie bei den griechischen Anleihen. Auf 15 Jahre sind es jedoch über 1,6 Prozent und damit deutlich mehr als bei griechischen Anleihen mit 1,3 Prozent. Allerdings liegt die Rendite der italienischen Anleihen mit 1-jähriger Laufzeit im Minus-Bereich, und zwar bei knapp -0,2 Prozent.

Am anderen Ende zeigt sich der Renditenachteil der „sicheren Häfen“: Die Schweiz liegt, genau wie Deutschland und die Niederlande, über alle Perioden derzeit im negativen Renditebereich. Auf Sicht von 10, 15 und 30 Jahren liegen die Staatsanleihen der Schweiz zum Teil noch deutlich stärker im Minus als die der anderen beiden Länder – bei 15 Jahren liegt die Schweiz beispielsweise bei -0,35 Prozent (D: -0,28%; NL: -0,25%), bei 30 Jahren bei -0,32 Prozent (D: -0,04%; NL: -0,03%). Im „Mittelfeld“ liegen etwa Länder wie Frankreich, Belgien oder auch die Slowakei. Französische Staatsanleihen mit 10-jähriger Laufzeit liegen derzeit beispielsweise bei -0,14 Prozent.

Die Volatilität am Markt für europäische Staatsanleihen dürfte sowohl im Zuge der verschiedenen Hilfsprogramme auf europäischer Ebene, aber auch aufgrund länderspezifischer Konjunkturprogramme hoch bleiben. Auch die Risikoaufschläge gerade bei südeuropäischen Staatsanleihen gegenüber „sicheren Häfen“ wie der Schweiz oder Deutschland sollten trotz der Hilfsmaßnahmen weiterhin deutlich sein.

Zu beachten ist, dass bei Erträgen noch die Inflationsrate abzuziehen ist. Positiv zu sehen ist daher, dass die Renditeabzüge angesichts niedriger Inflationsraten deutlich geringer ausfallen als beispielsweise vor einem Jahr – in Deutschland lag die Inflationsrate nach vorläufigen Zahlen im Juni bei 0,6 Prozent gegenüber dem Vormonat. Eine ausschließliche Anlage in „sicheren Häfen“ kommt jedoch trotz niedriger Inflationsrate nach wie vor einer faktischen Geldentwertung gleich.

Höhere Renditen bei Staatsanleihen sind in erster Linie außerhalb Europas zu finden. Sowohl in den USA als auch in China liegen die Renditen von Staatsanleihen sämtlicher Laufzeiten im positiven Bereich – in China bei sämtlichen Laufzeiten sogar über 2,0 Prozent – und signalisieren damit gleichzeitig ein deutlich erhöhtes Risiko als etwa Bundesanleihen. (ah)