Ertragreich abstellen

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Martin Eberhardt FRICS

Das Geschäft mit Parkplätzen boomt. Einer hohen Nachfrage steht ein geringes Angebot gegenüber und dies sorgt für eine Preisrallye. Über Investition in Parkhäuser sprach finanzwelt mit Martin Eberhardt FRICS, Geschäftsführer Bouwfonds IM Deutschland GmbH.

Parkhäuser gehören nicht zu den Glanzlichtern der deutschen Immobilienwirtschaft. Im Gegenteil. Oftmals sind sie dunkel und dreckig. Die Nachfrage nach Parkraum steigt dabei stetig. Immerhin suchen in Europa die Besitzer von rund 240 Millionen Autos dort, wo sie wohnen, arbeiten, einkaufen oder ihre Freizeit verbringen, geeignete Abstellflächen. Im Jahre 2005 legte Bouwfonds den ersten Parkhausfonds in Europa auf.

finanzwelt: Bei Core-Immobilien herrscht oftmals ein Mangel an attraktiven Objekten. Nischensegmente, wie Studentenwohnungen und auch Parkhäuser, erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Wie heben sich Parkhausfonds von der Konkurrenz (auch gegenüber Büroimmobilien) ab?

Eberhardt: Parkhausimmobilien verfügen über ein attraktives Rendite-Risiko- Profil, d. h. grundsätzlich geringen Risiken steht eine relativ hohe Performance gegenüber. Trotz hoher Rendite verfügen viele Parkhausimmobilien über einen Core-Charakter. Darüber hinaus ist die Korrelation zu anderen immobilienbezogenen Assetklassen sehr gering, wodurch sich gute Diversifikationseffekte ergeben.

finanzwelt: Parkhäuser gelten, auch wegen der langen Mietverträge, als „Cash-Cows”. Gibt es weitere Argumente für dieses Nischenprodukt?

Eberhardt: Mieterträge aus Parkhausimmobilien sind in der Regel sehr stabil. Das hat sich selbst während der Kapitalmarktkrise gezeigt. Zudem sind die Mietvertragslaufzeiten sehr lang. Wir haben in unserem Portfolio sogar Verträge mit Laufzeiten von bis zu 50 Jahren. Darüber hinaus steigen die Tarife von Parkhäusern stärker als die Inflation. Auch gibt es keine mieterwechselbezogenen Kosten, wie etwa im Bürobereich die Makler- und Leerstandskosten oder aufwändige Flächenausbauten.

finanzwelt: Sie investieren viel im Ausland (Niederlande, Frankreich oder auch Irland).Gibt es hierzulande weniger geeignete Objekte?

Eberhardt: Es finden sich in allen entwickelten europäischen Ländern attraktive Parkhausimmobilien, dies gilt natürlich auch für Deutschland. Gleichzeitig ist der Markt in Deutschland und Europa eng und es ist von Vorteil, in mehreren Ländern ankaufen zu können. Wir profitieren sehr von unserem guten europäischen Netzwerk und von den Diversifikationseffekten, die sich durch die Streuung auf verschiedene Länder ergeben. Zudem verfügen wir über einen exzellenten Marktzugang in den Niederlanden, einem der stärksten Märkte für Mobilität in Europa.

finanzwelt: Langsam gehen die KAGB-konformen Produkte in den Vertrieb. Haben Sie auch einen neuen Fonds in der Pipeline?

Eberhardt: Ja, es wird einen Nachfolgefonds unseres ersten Parkhaus Publikumsfonds geben, mit vergleichbaren Renditeerwartungen. Der erste Fonds hatte prognostizierte Auszahlungen von ca. 5,75 % p. a. Unser Immobilien-Spezialfonds für institutionelle Investoren ist noch in der Ankaufphase. Dort wird es noch etwas dauern, bis wir einen Nachfolger auf den Markt bringen. (ah)

Interview mit Martin Eberhardt – Onlineausgabe 03/2014